Besuch der Zeugen Jehovas

Zu Masseuer77Masseuer77
aus eine Superstadt ohne Bordsteinkanten
sagte am 12.09.2017 um 14:54

Besuch der Zeugen Jehovas



Heute Nachmittag klingelte es an der Tür. Genervt, weil ich eigentlich im
dreitägigen Urlaub nicht gestört werden wollte, und ich außerdem gerade
vorhatte, den Rasen zu mähen, schleppte ich mich in den Windfang und warf durch
die Glasfenster der Haustür einen mißtrauischen Blick auf die zwei Gestalten
vor mir.


Ein Mann, vielleicht Ende 20, groß, hager, schlaksig mit Brille und Pickeln,
und eine Frau, Ende 30, ziemlich unattraktiv mit einem prägnanten Leberfleck
über der Oberlippe und strenger Frisur. Beide trugen akkurate, dunkle Anzüge
und er eine kleine Aktentasche. Da dort kein Staubsauger hineinpaßte, schwante
mir schon, wer da vor mir stand.


Sie: "Guten Tag, mein Name ist (habe schon ich wieder vergessen), und das
ist mein Begleiter, Herr (habe ich mir gar nicht erst gemerkt - ich und
Namen...). Haben Sie Interesse an einem religiösen Gespräch?"


Er: *lächelt dümmlich*


Ich: "Ach, sind Sie die Gemeindepastoren? Wir wurden uns tatsächlich noch
nicht vorgestellt." (Stimmt sogar, ich wohne seit über 13 Jahren in diesem
Dorf, aber ich habe den Pastor nie kennengelernt, ich weiß nicht mal, wie der
Kerl heißt. Ist mir auch egal, bin ja kein Christ.)


Sie: *verlegen* "Äh, nein. Wir sind die Zeugen Jehovas, die Soldaten des
Himmels."


Ich: "Soldaten des Himmels?"


Beide: *eifriges Nicken*


Ich: "Boah, da haben Sie aber einen verdammt weiten Weg zur
Kaserne..."


Beide: *gucken doof*


Ich: *schnell, um sie nicht zu Wort kommen zu lassen* "Wieso Soldaten, ist
denn Krieg?"


Er: *holt Luft und setzt an etwas zu sagen*


Ich: "Ach so, Sie sind bloß das Rekrutierungskommando."


Sie: *noch immer blöd guckend* "Äh... dürfen wir vielleicht
hereinkommen?"


Ich: "Gut, wenn es nicht so lange dauert. Mein Rasen mäht sich nicht von
alleine." (In der Tat wollte ich eigentlich lieber den Rasen mähen, als
diese beiden Witzfiguren klingelten. Aber warum soll man sich nicht ein wenig
Spaß gönnen...?)


Ich halte also die Tür auf und bitte sie ins - zugegebenermaßen etwas
unaufgeräumte - Wohnzimmer. Als erstes fallen meine beiden Rottweiler (Thor und
Loki) über sie her - freudig, denn sie tun niemandem etwas, sondern freuen sich
über den Besuch. Die beiden Zeugen werden noch blasser als sie ohnehin schon
waren.


Ich: *beruhigend* "Keine Angst, die Beiden tun Euch nichts..."


Daß ich bei diesen Worten absichtlich nicht die Zeugen, sondern meine Hunde
angesehen habe, haben die Beiden leider gar nicht mitbekommen. Schade...


Stocksteif lassen sie sich also die Hände abschnüffeln, dann rufe ich Thor und
Loki - absichtlich mit Betonung ihrer heidnischen Götternamen - zur Ordnung,
schicke sie auf ihre Matten in der Ecke und lasse sie Platz machen. Widerwillig
gehorchen sie.


Er: *noch immer nervös, aber um Höflichkeit bemüht* "Die hören aber
gut."


Ich: "Ja, auf's Wort. Zwar erst so auf das dritte oder vierte, aber
immerhin. Aber sie sind auch die Einzigen hier, die das tun..."


Mit diesen Worten scheuche ich den Kater vom Sofa und bedeute den Beiden, sich
zu setzen. Das tun sie auch, allerdings sitzen sie nur wenig entspannt da, den
Blick nicht von den Hunden lösend.


Thor starrt aufmerksam zurück, Loki beschäftigt sich damit, Thor intensiv das
Ohr auszulecken. Die langen und feinen weißen Haare des Türkisch-Angora-Katers
Yeti werden sich auf ihren dunkeln Anzügen gut machen.


Ich: "Möchten Sie vielleicht einen Tee?"


Sie: "Sehr gern."


Er: "Das wäre sehr freundlich."


Ich nicke und verschwinde in der Küche. Sofort springen die Hunde auf und
wuseln mir hinterher. Das tun sie immer, wenn ich in die Küche gehe. Das ist aber
auch nicht schlimm, so haben die Besucher Zeit, sich etwas umzusehen. Ich weiß,
daß sie auf Anhieb die kindgroßen Gargoyle-Statuen, die Feuerschale und den
Dolch auf dem Tisch, meine Kelche in der Vitrine und vor allem das 30 cm große
Eisenpentagramm im Fenster bemerken und sich ihre Gedanken machen.


Drei Minuten später kehre ich mit den dampfenden Teetassen auf dem Tablett, den
Hunden im Schlepptau und meinem zurechtgelegten Konzept zurück. Ich schicke die
Hunde wieder auf ihre Matten und stelle den Zeugen ihre Tassen hin. Sie
bedanken sich artig. Ich setze mich auf das andere Sofa.


Sie: "Glauben Sie an Gott?"


Ich: *deute lachend in die Runde* "Sieht das hier etwa so aus, als ob ich
das täte?"


Sie: *zeigt auf das Pentagramm* "Ähm... nunja, ich dachte mir so etwas
schon, wenn Sie hier ein Teufelszeichen aufhängen."


Ich: *pruste fast meinen Tee über den Tisch* "Teufelszeichen? Sie sollten
noch mal zur Schule gehen. Wenn ein Pentagramm mit der Spitze nach unten zeigt,
dann ist es ein Zeichen für das Böse, vielleicht auch für den Teufel, ebenso
wie ein umgedrehtes Kreuz. Mein Pentagramm zeigt aber mit der Spitze nach oben.
Somit ist es ein Zeichen des Guten, des Lebens, der Magie und des Schutzes. Und
dieses Zeichen ist schon sehr viel älter als das Kreuz oder das Christentum. Es
schützt mein Haus vor schlechten Einflüssen - zum Beispiel von Leuten wie
Ihnen."


Sie: *erst mal sprachlos*


Er: *hilflos* "Nur Jesus kann die Menschen beschützen. Er ist für unsere
Sünden gestorben."


Super Vorlage für mich! Ich springe sofort darauf an.


Ich: "Woher weiß Jehoshua ben Joseph denn von meinen Sünden?"


Sie: *guckt blöd* "Wer?"


Ich: "Na, Jehoshua ben Joseph von Nazareth, der später Jesus Christus
genannt wurde. Sagen Sie bloß, als Zeugen Jehovas kennen sie Jesus' bürgerlichen
Namen, seinen wahren Namen, nicht? Wer hat Sie denn ausgebildet?"


Beide: *gucken blöd*


Ich: *werde gerade warm* "Aber mal angenommen, es habe die christliche
Mythengestalt tatsächlich gegeben, woher soll er vor knapp 2.000 Jahren gewußt
haben, welche Sünden ich begehen werde? Von denen, die noch vor mir liegen,
weiß ja selbst ich noch nichts."


Er: *verlegen* "Jesus ist allwissend."


Ich: "Aha, jetzt ist er schon ganz der Papa, wie? Ich dachte, dieses
Attribut sei Gott vorbehalten?"


Sie: *will die Situation retten* "Gott ist allwissend, und durch ihn sein
Sohn Jesus Christus auch."


Ich: "Soso, der Alte quatscht also einfach meine persönlichen Daten an
seinen Sohnemann weiter. Etwa auch die, die ich ihm früher bei der Beichte
anvertraut habe? Er verstößt gegen seine eigene Regel, das
Beichtgeheimnis?"



Beide: *Mund steht offen*


Ich: *schnell * "Allwissenheit für die Zukunft wurde aber nachweislich
schon von namhaften Physikern ad absurdum geführt. Nehmen Sie nur mal
Schrödingers mathematisch beweisbare Theorie von den Varianzen des Zeitstrahls,
welche, bedingt durch die Chaostheorie, zu einer unendlichen Vielfalt möglicher
Zukünfte führen und das Kontinuum in endlose unterschiedliche Varianten
aufspalten. Das macht jede exakte Zukunftsvorhersage absolut unmöglich, da sich
nicht berechnen läßt, welche der unendlichen möglichen Parallelen des
Multiversums der Zeitstrahl kreuzen wird."


Beide: *schauen drein, als hätten sie kaum ein Wort verstanden*


Ich: *sie sehr ernst anschauend* "Auch als Magier kann ich nicht exakt in
die Zukunft schauen, sondern allenfalls Tendenzen und Wahrscheinlichkeiten bei
der Divination erkennen, und ich bin schon der mächtigste Magier hier in der
Gegend - wenn ich es nicht wäre, wüßte ich das bereits."


Beide: *gucken nun erst recht blöd*


Ich: "Tja, so was lernt man nicht bei Ihrem Kegelverein, oder?"


Sie: "Den 'Kegelverein' verbitten wir uns! Wir sind..."


Ich: *unterbreche sie* "Wieso, Sie schmeißen doch wahllos die Kugeln ihrer
Propaganda ins Volk und schauen dann, ob nicht ein paar Leute umfallen. Für
mich ist das Kegeln."


Sie: *scheint sauer zu sein* "Ich sehe schon, hier können wir nichts mehr
retten."


Ich: *nickend* "Gut erkannt. Ich will auch gar nicht 'gerettet'
werden."


Beide stehen auf.


Sie: "Danke für den Tee."


Er: *nickt*


Ich: "Gern geschehen. Es macht immer wieder Spaß, Leute über die wahre
Natur des Universums aufzuklären."


Ich begleite sie zur Tür. Die Hunde tapsen artig hinterher.


Er: *scheint nun auch sauer zu sein* "Jesus wird Sie nicht retten, sondern
Ihre Seele verdammen."


Sie: *nickt beifällig*


Ich: "Oh, Sie wollen MIR drohen? Nun gut, dann muß ich mich wehren."
*Tiefe Stimme und ausladende Gestik* "Ich verfluche Sie beide! Für den
Rest des Tages sollen Sie schrecklichen Durchfall erleiden!"


Beide: *machen kopfschüttelnd, daß sie wegkommen* "So ein Unsinn..."


Ich schließe die Tür und lache erstmal lauthals los. Meine Hunde gucken mich
treudoof und verständnislos an.


Ich glaube nicht, daß die beiden 'verfluchten' Zeugen jemals wiederkommen
werden.


Obwohl, ich hätte zu gern ihre Gesichter gesehen, wenn die überaus großzügig
bemessene Portion Abführmittel in ihrem Tee zu wirken beginnt..











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bei mir waren sie auch mal gewesen und fragten mich ob ich zeuge jehovas werden möchte....ich sagte nur: beim unfall war ich leider nicht dabei
Du bist ein richtiger Frechdachs.
das war Klasse!
Eine kleine Geschichte aus dem täglichen Leben!


Die Nagelfabrik Müller & Co. beauftragt eine Webeagentur mit der
Erstellung eines Werbeplakats. Die Vorzüge der Müller'schen Produkte
sollen klar herausgestellt werden, verlangt der Manager. Nach 14 Tagen
kommt der Werbegraphiker mit seinem Entwurf zum Firmenchef. Es ist ein
Bild des gekreuzigten Jesus mit der Überschrift: "Müller-Nägel halten
einfach alles!" Der Firmenchef ist entsetzt: "Sind Sie wahnsinnig?
Wissen Sie, was uns blüht, wenn wir dieses Plakat rausbringen?",
herrscht er den Werbefuzzi an. "Wir handeln uns ein dutzend Prozesse von
den Kirchen ein, wegen Blasphemie, Verunglimpfung der Religion.
Schmerzensgeldforderungen noch und nöcher wegen der Verletzung
religiöser Gefühle und dann sind wir pleite! Los, verschwinden Sie mit
dem Mist und machen Sie was vernünftiges!" Vierzehn Tage später kommt
der Werbemensch wieder mit einem neuen Entwurf. Auf dem Bild ist Jesus
vom Kreuz gefallen, und darunter steht: "Mit Müller-Nägeln wär' das nie
passiert!"

Das war der Volltreffer
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