Bringt der Fluch der Karibik alle ins Taumeln?

Zu SkatbruderSkatbruder
65 aus Skatstadt in Thüringia
sagte am 07.11.2017 um 14:48


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Es scheint zumindest innerhalb der C-Parteien so zu sein.

[b]
Alle Merkel-Anhänger taumeln...
[/b]




[b]Angela
Merkel hat ein Wahldesaster zu verantworten. Doch nicht sie, sondern ihre
innerparteilichen Kritiker taumeln - Stanislaw Tillich, Wolfgang Bosbach,
Wolfgang Schäuble und auch Horst Seehofer. Was wird aus Jens Spahn?[/b]


Sie nennen
es bereits die "Kritikerpest". Jeder ranghohe Unionspolitiker, der
Angela Merkel in den vergangenen zwei Jahren kritisiert hat, wird selber siech.
Die Fehler der Migrationskrise fallen nicht der Kanzlerin, sondern den Mahnern
auf die Füße. Das Quintett der wichtigsten Gegenspieler zeigt eine verblüffende
Zersetzung:


Zu den
mutigsten Kritikern des Merkel-Kurses gehörte Wolfgang Bosbach, in der
Flüchtlingskrise wie in der Euro-Rettungspolitik. Er verweigerte der Kanzlerin
sogar bei Abstimmungen im Bundestag die Gefolgschaft - und wurde daraufhin aus
ihrem Umfeld persönlich diffamiert, das sei wohl sein
"Geschäftsmodell". Aus Protest legte er erst seinen Posten als
Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag nieder und kandidierte dann
frustriert nicht mehr für das Parlament. Heute erklärt er, es sei eine
"bittere Erfahrung, von den eigenen Leuten als Profiteur beschimpft zu
werden". Tatsächlich habe er "einfach an dem festgehalten, was wir
den Bürgern bei der Einführung des Euro versprochen hatten". Über die
Flüchtlingspolitik sagte Bosbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger":
"Ich bleibe dabei: Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt." Von
der Bühne der Politik ist er nun freilich verschwunden. Als Grund gibt er neben
gesundheitlicher Belastung auch Enttäuschung über die Art der
Auseinandersetzung mit seiner Kritik an.


Auch [b]Stanislaw
Tillich [/b]mahnte immer wieder Korrekturen an der Migrationspolitik Merkels
an, warnte vor dem Aufstieg der AfD und sorgte sich ums konservative Profil der
Union. Kurz nach der Wahl fasste er die Sorgen der Menschen so zusammen:
"Die Leute wollen, dass Deutschland Deutschland bleibt." Am Ende
wurde die AfD in Sachsen stärkte Partei. Nun ist der sächsische
Ministerpräsident zurückgetreten, obwohl er fürs Wahldesaster der CDU eigentlich
am wenigsten konnte.


[b]Wolfgang
Schäuble [/b]hatte sowohl
in der Griechenland- als auch in der Migrationskrise ebenfalls grundlegend
andere Meinungen als Merkel. Allerdings äußerte er die vor allem hinter
verschlossenen Türen. Und doch war Schäuble ihr gefährlichster Gegner, weil er
von vielen in der Union als eine latente personelle Alternative angesehen
wurde, als Kanzler in Wartestellung. Doch auch er ist nun aus dem Zentrum der
Machtpolitik heraus gedrängt. Als neuer Bundestagspräsident bekleidet er ein
nurmehr protokollarisch wichtiges Amt. Ein CDU-Abgeordneter meint dazu
lakonisch: "Merkelkritik macht offenbar ohnmächtig."


Der
lautstärkste Merkel-Kritiker der Union kommt freilich aus Bayern. [b]Horst
Seehofer [/b]war monatelang nicht müde geworden, die Migrationskrise vehement
zu beklagen. Er unterstellte Merkel gar eine "Herrschaft des
Unrechts" und drohte offen mit Verfassungsklage. Wo Bosbach verärgert,
Tillich alarmiert und Schäuble besorgt waren, da war Seehofer regelrecht
entsetzt. Nur in der Schlussphase des Wahlkampfs hielt er mit Kritik still.
Doch auch er wird nun von der Kritikerpest erfasst. Auch ihm wird Merkels
Wahldesaster zum Verhängnis. Der bayerische Ministerpräsident wankt und muss um
sein politisches Überleben kämpfen - wenn er das denn überhaupt noch tun will.


Jens Spahn, der seit zwei Jahren mit offenem
Visier eine innerparteiliche CDU-Opposition zur Kanzlerin verkörpert, muss sich
ebenfalls sorgen. Er hat sogar ein ganzes Buch gegen Merkels offene Grenzen
geschrieben, hat sie auf dem letzten CDU-Parteitag mit dem
Abschaffungsbeschluss zum Doppelpass vorgeführt und wird zuweilen als deutscher
Sebastian Kurz gesehen. Doch auch Spahn taumelt dieser Tage. Mit Wolfgang
Schäuble ist seine Schutzmacht verschwunden (Spahn ist parlamentarischer Staatssekretär
im Finanzministerium) und ein großer Posten kommt für ihn nicht in Sicht.
Merkel will ihn weder zum CDU-Generalsekretär machen (dazu misstraut sie ihm
viel zu sehr) noch zum Minister (da muss sie erst einmal andere Interessen
bedienen). Auch ihm droht damit die Kritikerpest. Es sei denn, er wagt auf dem
kommenden Parteitag seinen dritten Parteitagsputsch nach 2014 (Kampfkandidatur
gegen Merkels Wunschmann Hermann Gröhe) und 2016 (Doppelpassaufstand). Doch
diesmal müsste er direkt gegen Merkel antreten und den Vorsitz der CDU infrage
stellen. Zwar ist eine Mehrheit für die Trennung von Kanzleramt und
Parteivorsitz denkbar, aber eine Mehrheit für Spahn als neuer Vorsitzender eher
nicht.


Und so
wächst es sich zu einer gewaltigen Ironie der Geschichte der CDU/CSU, dass eine
Reihe ihrer mächtigsten Männer ausgerechnet aus dem Grund stürzen, den sie seit
Monaten kritisieren. Oder wie ein Ex-Ministerpräsident der Union witzelt.
"Früher überwand Angela Merkel ihre innerparteilichen Rivalen, indem sie
auf deren Fehler wartete. Heute lässt sie sie ihren eigenen Fehler
erleiden."
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