Ukraine startet nationale Strategie gegen Spielsucht inmitten des Krieges
KI-GENERIERTDie ukrainische Regierung beschließt eine ressortübergreifende Strategie bis 2035. Rund 75 Prozent der Bürger sehen Glücksspiel bereits als ernsthafte nationale Herausforderung an.
Die ukrainische Regierung hat am 26. August 2026 mit der Anordnung Nr. 855-r einen weitreichenden Plan vorgelegt, der das wachsende Problem der Spielsucht im Land systematisch angehen soll. Diese erste langfristige, sektorübergreifende Strategie erkennt Spielsucht nicht nur als Gesundheitsproblem, sondern explizit als Risiko für die nationale Sicherheit an. Die anhaltenden Kriegshandlungen haben laut Regierungsangaben die Anfälligkeit der Bevölkerung für schädliche Bewältigungsmechanismen wie das Glücksspiel deutlich erhöht. Besonders im Fokus stehen dabei Streitkräfte, Veteranen und sozial schwache Gruppen, die durch die traumatischen Erlebnisse des Konflikts besonders gefährdet sind.
Um den Ernst der Lage zu unterstreichen, verweist Kiew auf aktuelle Erhebungen, nach denen 75 Prozent der Befragten das Glücksspiel als eine der größten Herausforderungen für die ukrainische Gesellschaft betrachten. Bisherige Maßnahmen waren oft fragmentiert und wenig effektiv. Das soll sich nun durch die Zusammenarbeit von rund 40 Behörden ändern, darunter das Gesundheitsministerium, die Sicherheitsdienste, das Bildungsministerium und die Glücksspielbehörde PlayCity. Das Ziel ist eine koordinierte Antwort, die bis zum Jahr 2035 die sozialen und wirtschaftlichen Schäden minimieren soll.
Zahlen und Fakten
Ein Blick in die Statistik offenbart das gewaltige Ausmaß des illegalen Marktes in der Ukraine. Zum 1. Januar 2026 bestand der regulierte Markt zwar aus 34 lizenzierten Betreibern, die Casinos, Spielhallen, Online-Casinos und Sportwetten anbieten, doch die dunkle Ziffer der nicht lizenzierten Konkurrenz ist enorm. Zwischen Juni und Dezember 2025 spürte die Behörde PlayCity insgesamt 2.844 nicht lizenzierte Glücksspiel-Webseiten auf. Das bedeutet rechnerisch, dass auf jeden legalen Anbieter etwa 113 illegale Seiten kommen.
Zudem wurden 76 illegale landbasierte Spielstätten identifiziert und dem Staatsbüro für wirtschaftliche Sicherheit gemeldet. Unabhängige Studien schätzen, dass zwischen 39 und 53 Prozent aller Glücksspielaktivitäten im informellen, illegalen Sektor stattfinden. Eine Untersuchung des Ministeriums für digitale Transformation zeigt jedoch eine positive Tendenz: 86 Prozent der 2.676 Befragten bevorzugen lizenzierte Online-Casinos, und 78 Prozent gaben an, nicht zu illegalen Anbietern wechseln zu wollen. Wer dennoch im Schwarzmarkt spielt, tut dies oft wegen der Anonymität (17 Prozent) oder dem Fehlen von Limits und Beschränkungen (16 Prozent).
Hintergrund
Die neue Strategie umfasst fünf strategische Kernziele. Dazu gehören die Förderung eines gesunden Lebensstils, der Ausbau von Frühwarnsystemen in Gesundheitseinrichtungen sowie spezialisierte Rehabilitationsprogramme für Veteranen. Ab dem Geschäftsjahr 2028 soll das Ministerium für digitale Transformation jährliche Fortschrittsberichte vorlegen. Ein technischer Meilenstein ist der bereits eingeführte automatische Mechanismus, der Militärangehörige daran hindert, auf Online-Glücksspiele zuzugreifen.
„Die Strategie zielt darauf ab, verantwortungsbewusstes Spielen zu fördern und gleichzeitig den illegalen Markt durch verschiedene Maßnahmen zu unterdrücken.“ - Auszug aus der Regierungsanordnung Nr. 855-r
Die klinischen Zahlen hinken der Realität derzeit noch hinterher. Nur 308 Patienten wurden offiziell unter dem ICD-10 Code F63.0 (Pathologisches Spielen) diagnostiziert, und weniger als 100 Personen jährlich nehmen die staatlichen Behandlungsprogramme in Anspruch. Die Regierung will durch Aufklärungskampagnen und eine bessere Integration in den Schulunterricht sicherstellen, dass Hilfesuchende früher erreicht werden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt die Situation in der Ukraine, wie wichtig ein streng regulierter Markt ist. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) den Schutz der Spieler sehr präzise. Während in der Ukraine die mangelnde Durchsetzung von Limits auf illegalen Seiten als Grund für deren Nutzung genannt wird, bietet das deutsche LUGAS-System eine effektive Kontrolle. Spieler in Deutschland unterliegen einem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und einem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz vor Überschuldung und Suchtentwicklung. Wer in Deutschland sicher spielen möchte, sollte ausschließlich Anbieter wählen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Im Gegensatz zum ukrainischen Schwarzmarkt bietet die deutsche Lizenzierung Rechtssicherheit und garantierte Spielerschutzstandards.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die GGL-lizenzierten Anbieter in Deutschland können aus der ukrainischen Krise lernen, dass Prävention bereits beim Marketing beginnen muss. Die ukrainische Strategie setzt auf ein systematisches Blockieren von illegaler Werbung, was auch in Deutschland ein Kernthema der GGL bleibt. Deutsche Lizenzinhaber müssen weiterhin strikte Anforderungen an die Altersverifikation und den Sozialkonzept-Nachweis erfüllen. Der Fall Ukraine verdeutlicht, dass staatliche Eingriffe zur Blockierung von IP-Adressen illegaler Anbieter ein notwendiges Werkzeug sind, um den legalen Markt zu stützen. Die GGL nutzt ähnliche Mechanismen des Net-Blockings, um Spieler von unregulierten MGA- oder Curacao-Seiten fernzuhalten und den Kanalisierungsauftrag zu erfüllen.
Häufige Fragen
Warum hat die Ukraine eine neue Spielsucht-Strategie verabschiedet?
Die Regierung reagiert damit auf die durch den Krieg gestiegenen Risiken für Spielsucht, insbesondere bei Soldaten und Veteranen. Die Strategie soll bis 2035 die sozialen und wirtschaftlichen Schäden des Glücksspiels reduzieren.
Wie groß ist der illegale Glücksspielmarkt in der Ukraine?
Studien schätzen, dass etwa 39 bis 53 Prozent der Glücksspielaktivitäten im illegalen Sektor stattfinden. Im zweiten Halbjahr 2025 wurden allein 2.844 nicht lizenzierte Webseiten von der Behörde PlayCity entdeckt.
Welche Maßnahmen werden konkret gegen Spielsucht ergriffen?
Geplant sind bundesweite Aufklärungskampagnen, automatische Sperren für Militärangehörige und die systematische Blockierung illegaler Webseiten. Zudem soll es ab 2028 jährliche Berichte über die Fortschritte der Maßnahmen geben.
Sind deutsche Spieler von diesen Regelungen betroffen?
Nein, die Regelungen gelten nur für die Ukraine. Deutsche Spieler sind durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 geschützt, der strenge Limits und das zentrale Sperrsystem OASIS vorsieht.
Worauf sollten Spieler in Deutschland bei der Anbieterwahl achten?
Spieler sollten nur bei Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) spielen. Nur diese Anbieter garantieren den Schutz durch das LUGAS-System und halten sich an das 1.000-Euro-Einzahlungslimit.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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