KI-Sportwetten: Werbeverbot für AI Scorecast wegen irreführender 97 Prozent Genauigkeit
KI-GENERIERTDie britische Werbeaufsicht ASA verbietet eine Facebook-Werbung von HRY Games. Die App AI Scorecast versprach eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 97% durch künstliche Intelligenz.
Die Welt der Sportwetten erlebt derzeit einen massiven Wandel durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Doch wo technischer Fortschritt versprochen wird, lauern oft leere Versprechungen. Die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA (Advertising Standards Authority) hat am 14. Oktober 2026 eine Entscheidung gegen das Unternehmen HRY Games gefällt. Im Zentrum der Kritik steht eine bezahlte Facebook-Werbung für die App AI Scorecast, die Fußballfans mit mathematisch kaum haltbaren Vorhersagen lockte.
In der beanstandeten Werbeanzeige wurde behauptet, dass eine KI in der Lage sei, jedes Fußballspiel zu analysieren und den Nutzern intelligentere Vorhersagen zu liefern. Besonders brisant war die konkrete Angabe einer Erfolgsquote. Laut der Anzeige sagte die App Spielergebnisse mit einer Genauigkeit von 97 Prozent voraus. Für die ASA stellt dies einen klaren Verstoß gegen die Regeln zur sozialen Verantwortung und zur Vermeidung irreführender Werbung dar, da die potenziellen Risiken eines Totalverlusts mit keinem Wort erwähnt wurden.
Zahlen und Fakten
Die Kampagne von HRY Games setzte auf eine aggressive Rhetorik. Ein Video zeigte einen Mann in einem blau-weißen Fußballtrikot, der die Vorzüge der Anwendung pries. Die KI könne innerhalb von Sekunden Tausende von Datenpunkten verarbeiten, um ein Ergebnis sofort zu kennen. Der Sprecher behauptete im Video sogar, er habe die App selbst getestet und sechs Spiele in Folge korrekt vorhergesagt. Die ASA wertete dies als gezielte Beeinflussung von Konsumenten, die vor einer Wettentscheidung stehen.
Besonders schwer wiegt das Schweigen des Anbieters. HRY Games reagierte auf keine der Anfragen der Regulierungsbehörde. Dies führte dazu, dass die ASA zusätzlich einen Verstoß gegen die Regel 1.7 des CAP-Codes feststellte, der unangemessene Verzögerungen im Verfahren untersagt. Die Behörde ordnete an, dass die Werbung in ihrer jetzigen Form nie wieder erscheinen darf.
„Die Anzeige betonte potenziellen Erfolg und Profite, erwähnte jedoch nicht die Möglichkeit falscher Vorhersagen oder finanzieller Verluste. Verbraucher könnten die Behauptung einer 97-prozentigen Genauigkeit so interpretieren, dass der Dienst mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit dazu beiträgt, Geld mit Wetten zu verdienen.“ - Sprecher der Advertising Standards Authority (ASA)
Hintergrund
Dieser Fall ist kein Einzelschritt. Erst kürzlich geriet der Anbieter Midnite in das Visier der Aufsicht. Dort wurde eine TikTok-Werbung vom 3. Juli verboten, weil ein KI-generierter Charakter den Eindruck erweckte, unter 25 Jahre alt zu sein. Die Affiliate-Agentur Limay Media hatte den Prompt für die KI so unpräzise formuliert, dass das Alter nicht eindeutig als erwachsen erkennbar war. Midnite reagierte drastisch und kündigte den Vertrag mit dem Partner umgehend auf.
Die ASA nutzt mittlerweile selbst ein KI-basiertes System namens Active Ad Monitoring, um das Internet nach Regelverstößen zu durchkämmen. Allein im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft wurden fast 10.000 Werbeinhalte geprüft. Die Botschaft der Regulierer ist deutlich: Die Nutzung automatisierter Tools entbindet den Werbetreibenden nicht von seiner Verantwortung. Ob Deepfakes von Prominenten oder übertriebene Gewinnversprechen durch Algorithmen - die bestehenden Werbegesetze gelten technologie-neutral.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Sportwetten-Fans ist diese Entscheidung ein wichtiges Signal. Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) stellt extrem hohe Anforderungen an die Werbegestaltung. In Deutschland sind irreführende Aussagen über Gewinnchancen strikt untersagt. Apps, die eine „97-prozentige Sicherheit“ versprechen, hätten hierzulande keine Chance auf eine rechtssichere Verbreitung. Spieler müssen wissen, dass solche mathematischen Garantien im Glücksspielsektor schlichtweg nicht existieren.
Zudem bietet das deutsche System durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) und die Whitelist einen Schutzraum. Wer bei einem in Deutschland lizenzierten Anbieter wettet, unterliegt dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots oder entsprechenden Schutzmechanismen bei Sportwetten. Das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird, verhindert zudem, dass Nutzer durch solche KI-Versprechungen in den finanziellen Ruin getrieben werden. Deutsche Spieler sollten bei Angeboten, die außerhalb der GGL-Regulierung stehen (wie etwa MGA- oder Curacao-Casinos), besonders vorsichtig sein, da dort oft mit ähnlichen, irreführenden Methoden geworben wird.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte Betreiber in Deutschland müssen ihre Marketing-Partner, also Affiliates, extrem streng kontrollieren. Der Fall Midnite zeigt, dass ein Fehler eines Subunternehmers zum Lizenzrisiko werden kann. Deutsche Casinos, die auf der Whitelist stehen, müssen sicherstellen, dass KI-generierte Inhalte niemals Minderjährige ansprechen oder falsche Tatsachen über die Gewinnwahrscheinlichkeit vorspiegeln. Die GGL hat bereits angekündigt, ähnlich wie die ASA, verstärkt auf automatisierte Überwachungsmethoden zu setzen, um den Schwarzmarkt und regelwidrige Werbung einzudämmen.
Häufige Fragen
Wie sicher sind KI-Vorhersagen bei Sportwetten?
KI-Modelle können Daten analysieren, aber niemals Ergebnisse garantieren. Die Behauptung einer 97-prozentigen Genauigkeit, wie bei AI Scorecast, ist irreführend und klammert das Zufallselement sowie das Verlustrisiko völlig aus.
Dürfen KI-generierte Personen in Glücksspielwerbung auftreten?
Grundsätzlich ja, aber sie dürfen nicht wie Personen unter 25 Jahren aussehen. Im Fall von Midnite wurde eine Anzeige verboten, weil der KI-Charakter zu jung wirkte und somit gegen Jugendschutzregeln verstieß.
Wer haftet für falsche Werbeversprechen von KI-Apps?
Die Verantwortung liegt immer beim Werbetreibenden oder dem Betreiber der App. Auch wenn eine Werbeagentur oder eine KI den Inhalt erstellt hat, bleibt das Unternehmen für die Einhaltung der Werberichtlinien verantwortlich.
Welchen Schutz haben Spieler in Deutschland vor solchen Apps?
In Deutschland reguliert die GGL den Markt streng nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021. Irreführende Werbung ist verboten, und Systeme wie LUGAS sowie OASIS schützen Spieler vor übermäßigen Verlusten und Suchtgefahren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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