Digitain-Experte warnt: Mehr Regulierung bedeutet nicht automatisch bessere Regeln
KI-GENERIERTArshak Muradyan von Digitain kritisiert im Interview die wachsende administrative Last. Trotz Expansion nach Ontario und Bulgarien mahnt er zu mehr Effizienz im Spielerschutz.
Die Welt des Online-Glücksspiels befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch immer strengere staatliche Anforderungen geprägt ist. Arshak Muradyan, Group Chief Compliance Officer bei Digitain, hat sich nun kritisch zur aktuellen Entwicklung geäußert. Während sein Unternehmen im laufenden Jahr 2026 erfolgreich Genehmigungen in Märkten wie Großbritannien, Ontario, Dänemark, Bulgarien und Südafrika erhalten hat, warnt der Experte davor, dass die schiere Menge an Vorschriften nicht mit deren Qualität gleichzusetzen ist. Compliance darf nach seiner Ansicht kein bloßer Flaschenhals für das Geschäft sein, sondern muss als integraler Bestandteil der Produktentwicklung verstanden werden.
Besonders die Expansion in den britischen Markt gilt als Goldstandard und gleichzeitig als größte Herausforderung. Hier geht es nicht nur um technische Anforderungen, sondern um eine tief verwurzelte Erwartungshaltung der Behörden an Governance und Spielerschutz, die im gesamten Unternehmen gelebt werden muss. Muradyan, der zuvor als Group COO bei SoftConstruct tätig war, bringt eine operative Sichtweise in die oft theoretische Welt der Paragrafen ein. Er stellt klar, dass eine Lizenzierung lediglich der Anfang eines langen Weges ist, bei dem es darum geht, die Compliance jeden einzelnen Tag über Jahre hinweg stabil zu halten.
Zahlen und Fakten
Im November 2026 zeigt sich die Expansionskraft von Digitain besonders deutlich. In Bulgarien sicherte sich das Unternehmen gleich zwei Lizenzen von der dortigen Glücksspielbehörde: eine Hersteller-Lizenz und eine Importeur-Lizenz. Damit kann Digitain sowohl hauseigene Produkte als auch zertifizierte Drittanbieter-Lösungen anbieten. Auch in der kanadischen Provinz Ontario ist der Anbieter nun offiziell als Gaming-Related Supplier registriert. Diese strategischen Schritte führten dazu, dass Digitain bei den Global Regulatory Awards 2026 gleich vier Nominierungen erhielt, darunter Muradyan selbst als Compliance-Beauftragter des Jahres.
Muradyan betont jedoch, dass der Fokus auf Dokumentation allein nicht ausreicht. Er hinterfragt die Effektivität von Prozessen, die zwar zwanzig Genehmigungsstufen haben, aber das eigentliche Risiko kaum minimieren. Er fordert eine risikobasierte und proportionale Regulierung, die durch Daten und Technologie gestützt wird. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Balance: Wenn regulierte Märkte strukturell unattraktiv werden, könnten Spieler zu illegalen Alternativen abwandern, was ein neues, weitaus größeres Risiko darstellt.
„Mehr Regulierung bedeutet nicht automatisch bessere Regulierung. Die wichtige Frage ist, ob eine Anforderung das Risiko materiell reduziert oder die Ergebnisse verbessert.“ - Arshak Muradyan, Group Chief Compliance Officer bei Digitain
Hintergrund
Für die Zukunft bis zum Jahr 2027 sieht Muradyan drei Hauptthemen: die neue EU-Geldwäsche-Rahmengesetzgebung (AML), den Wirksamkeitsnachweis von Spielerschutzmaßnahmen und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Regulatoren werden künftig nicht mehr nur fragen, ob Kontrollen existieren, sondern verlangen, dass Unternehmen deren Erfolg wissenschaftlich belegen können. Bei der KI warnt der Experte vor einer blinden Automatisierung von Entscheidungen. Während Technologie bei der Betrugserkennung hilft, müsse die menschliche Rechenschaftspflicht und die Erklärbarkeit von Algorithmen gewahrt bleiben.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Situation seit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) besonders strikt. Spieler müssen sich mit dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots arrangieren. Die zentrale Aufsichtsbehörde GGL überwacht dies über Systeme wie LUGAS (Länderübergreifendes Glücksspielaufsichtssystem). Muradyans Kritik an der Überregulierung trifft auch hier einen Nerv: Wenn die Hürden für deutsche Kunden zu hoch werden, etwa durch langwierige Verifizierungsprozesse oder zu starke Einschränkungen des Spielerlebnisses, riskieren die legalen Anbieter einen Kundenverlust an den Schwarzmarkt. Für Spieler in Deutschland bedeutet die von Muradyan geforderte "bessere Regulierung" vor allem eine höhere Qualität der Plattformen, die Sicherheit bietet, ohne den Spielspaß durch rein administrative Hürden zu ersticken.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen technisch enorm aufrüsten, um die Anforderungen an IT-Sicherheit und Spielerschutz zu erfüllen. Die Integration von Systemen wie OASIS (Sperrsystem) und LUGAS ist Pflicht. Digitains Ansatz, Compliance bereits in die Architektur des Produkts einzubauen, ist für den deutschen Markt vorbildlich. Anbieter auf der Whitelist müssen zeigen, dass ihre Maßnahmen nicht nur auf dem Papier existieren, sondern aktiv zur Suchtprävention beitragen. In einem Umfeld, in dem die GGL hart gegen illegale Anbieter aus Curacao oder Malta vorgeht, ist die regulatorische Anpassungsfähigkeit laut Muradyan kein lästiges Extra mehr, sondern eine Kernkompetenz für das wirtschaftliche Überleben.
Häufige Fragen
Welche neuen Lizenzen hat Digitain im Jahr 2026 erhalten?
Digitain hat im Jahr 2026 unter anderem Genehmigungen in Großbritannien, Ontario (Kanada), Dänemark, Südafrika und Bulgarien gesichert. In Bulgarien erhielt das Unternehmen dabei sowohl eine Lizenz als Hersteller als auch als Importeur.
Warum kritisiert Arshak Muradyan die aktuelle Regulierung?
Er warnt davor, dass mehr Regeln nicht automatisch zu mehr Sicherheit führen, sondern oft nur den administrativen Aufwand erhöhen. Er plädiert stattdessen für eine risikobasierte Regulierung, die technologische Innovationen und die Wettbewerbsfähigkeit legaler Märkte berücksichtigt.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz künftig in der Compliance?
KI soll vor allem repetitive Aufgaben wie die Überwachung und Betrugserkennung automatisieren, um Experten Zeit für strategische Entscheidungen zu geben. Muradyan betont jedoch, dass die menschliche Verantwortung bei wichtigen Entscheidungen erhalten bleiben muss.
Wie beeinflusst die Regulierung den deutschen Glücksspielmarkt?
In Deutschland müssen Anbieter die strengen Vorgaben des GlüStV 2021 einhalten, einschließlich der Anbindung an LUGAS und OASIS. Eine zu komplexe Regulierung birgt laut Experten das Risiko, dass Spieler in den unregulierten Schwarzmarkt abwandern.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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