TikTok-Skandal: Klagen wegen erzwungener Fanatics-Partnerschaften
KI-GENERIERTHändler werfen TikTok und Fanatics wettbewerbswidrige Praktiken vor. Berichten zufolge wurden Accounts wegen angeblichen Glücksspiels gesperrt, um Verkäufer zu Exklusivverträgen zu drängen.
In der digitalen Welt der Sportmemorabilien braut sich ein juristischer Sturm zusammen, der die Machtverhältnisse zwischen Plattform-Giganten und Händlern grundlegend infrage stellt. Mehrere US-amerikanische Unternehmen, die sich auf das sogenannte Card Breaking spezialisiert haben, werfen TikTok und dem Sportartikel-Riesen Fanatics vor, ein illegales Monopol durchzusetzen. Die Vorwürfe wiegen schwer: TikTok soll gezielt erfolgreiche Händler-Accounts mit Verwarnungen wegen angeblicher Markenrechtsverletzungen und unerlaubten Glücksspiels überzogen haben. Ziel dieser Maßnahmen war es laut den Klageschriften, die Händler in die Arme von Fanatics zu treiben, dem exklusiven Lizenznehmer vieler großer US-Sportligen.
Das Geschäftsmodell des Card Breaking, bei dem Händler live vor der Kamera versiegelte Kartenpackungen öffnen und Zuschauer Plätze für bestimmte Karten oder Teams erwerben, floriert besonders auf Plattformen wie TikTok Shop. Doch für einige der erfolgreichsten Akteure endete der Goldrausch abrupt. Die Kläger, darunter MVP Breaks aus Arizona, Quad City Breaks aus Minnesota und Dorm Dudes aus Ohio, beschreiben ein nahezu identisches Muster. Erst kamen die Strikes gegen das Konto, dann die permanente Sperrung und schließlich der Hinweis von TikTok-Mitarbeitern, dass der einzige Weg zurück auf die Plattform über einen Vertrag mit Fanatics führe.
Zahlen und Fakten
Die finanziellen Dimensionen dieser Fälle sind enorm. MVP Breaks gab an, bis August 2025 monatlich rund 475.000 US-Dollar mit dem Verkauf von signierten NFL-Helmen und Card Breaks über TikTok Shop verdient zu haben. Nach wiederholten Verwarnungen wegen angeblicher Verstöße gegen die Glücksspielrichtlinien fiel der Umsatz bis September 2025 auf 283.000 US-Dollar, bevor der Account endgültig gesperrt wurde. Noch dramatischer liest sich die Geschichte von Quad City Breaks. Inhaber David Skalsky erklärte, er habe bis zu 200.000 US-Dollar pro Monat verdient, musste jedoch später Insolvenz nach Chapter 7 anmelden, was er direkt auf das Vorgehen der Beklagten zurückführt. Dorm Dudes, gegründet vom Studenten Zach Balo, meldete für das vierte Quartal 2024 sogar Umsätze von etwa 3,2 Millionen US-Dollar.
Ein zentraler Akteur in den Schilderungen ist Steve Halupka, der als US Sports Collectibles Team Lead bei TikTok Shop bezeichnet wird. Laut MVP Breaks soll Halupka Druck auf den Inhaber ausgeübt haben, ein Exklusivabkommen mit Fanatics zu unterzeichnen. In einem Textaustausch am 28. Oktober 2025 sollen Halupka und ein weiterer Vertreter namens Nick Bouris den Kontakt zu Ethan Cole bei Fanatics nahegelegt haben. Auf die Frage nach dem Warum hieß es, Fanatics handele im Namen der NFL, da die Liga ein großes, schweres Schwert schwinge.
Hintergrund
Die Verbindung zwischen TikTok, Fanatics und der NFL ist engmaschig. Die Marke Topps, die zu Fanatics gehört, wurde im April der exklusive Lizenznehmer für Sammelkarten der NFL und der Spielervereinigung NFLPA. Zudem wurde Fanatics im August neben DraftKings und FanDül zu einem offiziellen Wettanbieter der Liga ernannt. Diese Verflechtung führt laut den Klägern dazu, dass alternative Anbieter vom Markt verdrängt werden sollen. Besonders pikant ist die Aussage von MVP Breaks und David Skalsky: Beide unterzeichneten schließlich den geforderten Fanatics Memorabilia Seller Agreement, doch ihre Kanäle wurden entgegen den Versprechungen nie wieder freigeschaltet. Skalsky blieb auf Waren im Wert von zehntausenden Dollar sitzen, da er sich nun vertraglich verpflichtet hatte, ausschließlich Fanatics-Produkte anzubieten.
„Trotz der Unterzeichnung des Exklusivvertrags blieb das Konto des Klägers weiterhin gesperrt." - Auszug aus der Klageschrift von David Skalsky, Quad City Breaks
Fanatics weist diese Darstellung entschieden zurück. In einem Schreiben vom 23. März betonte der Anwalt Lawrence Buterman, dass keine Bestimmung in den Verträgen eine Exklusivität auf TikTok vorschreibe. Dennoch berichten die Händler von einem Klima der Angst und massiven Einschränkungen. Dorm Dudes gab an, gezwungen worden zu sein, NFL-Helme zu einem überhöhten Preis von 625 US-Dollar pro Stück von Fanatics-nahen Distributoren zu beziehen, während Lagerbestände anderer Lieferanten im Wert von über einer Million US-Dollar unverkäuflich wurden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die rechtliche Lage für Card Breaks deutlich strenger definiert als in den USA. Da beim Kauf eines Platzes in einem Break der Erhalt eines wertvollen Objekts vom Zufall abhängt und ein Einsatz gezahlt wird, rücken solche Formate schnell in die Nähe von unerlaubtem Glücksspiel gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Während in den USA nun kartellrechtliche Fragen im Vordergrund stehen, müssten Anbieter solcher Formate in Deutschland eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) vorweisen, die für derartige Mischformen aus Shopping und Wette kaum erteilt wird. Deutsche Spieler sollten beachten, dass Plattformen wie TikTok hierzulande unter starker Beobachtung stehen, um Jugendschutz und das Verbot von Schwarzmarktangeboten durchzusetzen. Die in Deutschland geltenden Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin an Slots oder das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System finden bei solchen Graumarkt-Angeboten oft keine Anwendung, was das Risiko für Verbraucher massiv erhöht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz verdeutlicht dieser Fall die Risiken von unklaren Partnerschaften mit sozialen Medien. Während lizenzierte deutsche Casinos strikte Werbeauflagen erfüllen müssen, schaffen Angebote wie Card Breaks auf TikTok eine unfaire Konkurrenzsituation. Die GGL setzt konsequent auf die Whitelist, um legale Angebote von illegalen oder grenzwertigen Praktiken zu trennen. Die US-Klagen zeigen, wie schnell Plattformen wie TikTok ihre Richtlinien ändern können, was für Unternehmen in einem regulierten Markt wie Deutschland eine enorme Rechtsunsicherheit bedeuten würde. Die strikte Trennung von Shopping, Videocontent und Glücksspiel, wie sie der deutsche Gesetzgeber vorsieht, schützt lizenzierte Anbieter vor solchen kartellrechtlichen Verstrickungen, wie sie Fanatics und TikTok derzeit vorgeworfen werden.
Häufige Fragen
Was werfen die Händler TikTok und Fanatics konkret vor?
Mehrere Händler behaupten, TikTok habe ihre Konten unter dem Vorwand von Glücksspielverstößen gesperrt, um sie zu exklusiven Lieferverträgen mit Fanatics zu zwingen. Sie werfen den Unternehmen illegale Preisabsprachen und eine Monopolbildung im Bereich der NFL-Memorabilien vor.
Welche finanziellen Schäden werden in den Klagen genannt?
Der Händler MVP Breaks meldete einen Umsatzrückgang von 475.000 Dollar auf 283.000 Dollar vor der Sperrung, während Dorm Dudes im vierten Quartal 2024 sogar 3,2 Millionen Dollar umsetzte. Ein weiterer Händler, Quad City Breaks, musste infolge der Sperrung sogar Insolvenz anmelden.
Wie reagiert Fanatics auf die Vorwürfe der Exklusivität?
Fanatics bestreitet die Vorwürfe und lässt durch Anwälte mitteilen, dass die unterschriebenen Verträge keine Verpflichtung enthalten, Produkte ausschließlich über Fanatics zu beziehen. Dennoch behaupten Händler, dass ihnen dies von TikTok-Mitarbeitern mündlich und schriftlich so kommuniziert wurde.
Sind Card Breaks in Deutschland legal?
In Deutschland gelten Card Breaks oft als illegales Glücksspiel, wenn sie ohne Lizenz der GGL durchgeführt werden, da sie die Kriterien von Einsatz, Zufall und Gewinn erfüllen. Spieler sollten nur bei Anbietern teilnehmen, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen, um rechtlich abgesichert zu sein.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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