Warum Spieler abwandern: Die vier Typen des illegalen Glücksspiels
KI-GENERIERTEine neue Studie der britischen Gambling Commission identifiziert vier Spielertypen auf dem Schwarzmarkt, während Suchanfragen für illegale Angebote um 120 Prozent stiegen.
Die britische Aufsichtsbehörde für Glücksspiel hat tiefere Einblicke in die dunklen Ecken des digitalen Marktes gewährt. Eine umfassende Untersuchung von Yonder Consulting im Auftrag der Gambling Commission zeigt, dass der Wechsel zu unlizenzierten Anbietern kein Zufallsprodukt einer einzelnen regulatorischen Maßnahme ist. Stattdessen spielen persönliche Einstellungen, Frustrationen und soziale Einflüsse eine entscheidende Rolle. Die Studie, die auf einer Befragung von 4.000 Personen basiert, bricht mit dem Klischee, dass nur süchtige Spieler den Schwarzmarkt aufsuchen.
Es zeigt sich ein komplexes Bild, in dem die Behörde vier unterschiedliche Subgruppen identifiziert hat. Diese Gruppen haben jeweils völlig eigene Beweggründe, sich in die ungeschützten Gewässer des illegalen Glücksspiels zu begeben. Das Ziel der Aufsichtsbehörde ist es nun, für jede dieser Gruppen eine passende Ansprache zu finden, da eine pauschale Warnbotschaft laut den Experten nicht bei allen Konsumenten Wirkung zeigt. Die Komplexität des digitalen Ökosystems macht deutlich, dass einfache Verbote allein nicht mehr ausreichen.
Zahlen und Fakten
Die Untersuchung liefert alarmierende Daten zur digitalen Sichtbarkeit illegaler Angebote. Besonders auffällig ist, dass Suchanfragen bei Google für den Begriff "not on Gamstop" im Jahresvergleich um satte 120 Prozent gestiegen sind. Gamstop ist das britische Selbstausschlusssystem, vergleichbar mit dem deutschen LUGAS oder OASIS. Dieser massive Anstieg deutet darauf hin, dass viele Nutzer aktiv nach Wegen suchen, die regulierten Hürden zu umgehen. Die Studie unterteilt die Nutzer in vier Kategorien: Die versehentlichen Touristen (Accidental Tourists), die sozialen Entdecker (Social Explorers), die Selbstausschließer (Self-Excluders) und die Verfechter von Fähigkeiten (Skill Advocates).
Interessant ist dabei die Erkenntnis, dass der Begriff "not on Gamstop" für viele Spieler gar nicht primär die Umgehung einer Sperre bedeutet, sondern vielmehr zum Synonym für weniger Bürokratie geworden ist. Die Nutzer suchen nach weniger Identitätsprüfungen, mehr Anonymität und einer größeren Auswahl an Spielen, die im lizenzierten Markt oft eingeschränkt sind. Die Kommission stellt jedoch klar, dass das Spielen auf Schwarzmarktseiten nach wie vor ein Nischenverhalten darstellt, das nicht die breite Masse der erwachsenen Spieler in Großbritannien widerspiegelt.
Hintergrund
Warum riskieren Menschen ihr Geld bei Anbietern ohne Lizenz? Die Gruppe der "Accidental Tourists" landet oft aus Frust über das lizenzierte Angebot dort. Sie suchen eigentlich nur ein reibungsloses Spielerlebnis. Die "Social Explorers" hingegen sind pragmatisch. Sie vertrauen auf Empfehlungen von Gleichgesinnten und suchen gezielt nach den besten Deals, ohne sich um die rechtliche Lage zu scheren. Die "Self-Excluders" sind sich ihres Risikos bewusst, suchen aber aktiv nach Lücken, um ihre Sperre zu umgehen. Die vierte Gruppe, die "Skill Advocates", handelt fast schon rebellisch. Sie misstrauen dem Staat und der Regulierung grundlegend und sehen im illegalen Markt ein Stück persönliche Freiheit.
„Die gleichen Botschaften werden nicht bei allen funktionieren. Die Ergebnisse zeigen, dass das Engagement auf dem illegalen Markt durch eine Kombination aus bewussten Entscheidungen und breiteren persönlichen Einstellungen geprägt wird, statt durch isolierte externe Einflüsse.“ - Sprecher der Gambling Commission
Die Gambling Commission hat bereits angefangen, direkt mit Internetriesen wie Google und Betreibern von sozialen Medien zusammenzuarbeiten. Ziel ist es, die Normalisierung des illegalen Glücksspiels zu stoppen. Oftmals sind es Affiliate-Partner oder anonyme Nutzer in sozialen Netzwerken, die mit hohen Gewinnen auf illegalen Seiten prahlen und so einen weitaus größeren Einfluss auf wechselwillige Spieler haben als jede offizielle Warnung zum Spielerschutz.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in Großbritannien weist verblüffende Parallelen zur Lage in Deutschland auf. Seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) kämpfen auch deutsche Spieler mit Einschränkungen wie dem 1-Euro-Limit pro Spin an Slots oder der monatlichen Einzahlungsgrenze von 1.000 Euro über alle Anbieter hinweg. Das System LUGAS überwacht diese Limits streng. Wer diese Regeln als zu restriktiv empfindet, läuft Gefahr, in die Arme von Anbietern aus Übersee (Curacao oder Asien) getrieben zu werden. Die britische Studie warnt indirekt auch deutsche Regulierer: Zu viel Druck und zu wenig Flexibilität können genau jene Gruppen in den Schwarzmarkt drängen, die eigentlich geschützt werden sollten. Deutsche Spieler sollten dringend darauf achten, nur bei Anbietern auf der offiziellen GGL-Whitelist zu spielen, da nur dort die Gewinnauszahlung rechtlich abgesichert ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) bedeuten diese Erkenntnisse, dass der Fokus noch stärker auf der Nutzererfahrung liegen muss. Wenn die "Reibung" (Friction) im legalen Markt zu groß wird, wandern die Kunden ab. Lizenzierte Casinos müssen transparent kommunizieren, warum Datenabgleiche und Limits wichtig sind, ohne den Spielspaß komplett zu ersticken. Die Gefahr durch illegale Werbung auf Social Media, die oft mit falschen Versprechungen lockt, ist auch in Deutschland real. GGL-Casinos müssen durch Seriosität und schnellen Support punkten, um den "Accidental Tourists" keinen Grund zur Abwanderung zu geben.
Häufige Fragen
Welche vier Spielertypen nutzen illegale Glücksspielseiten?
Die Gambling Commission unterscheidet zwischen versehentlichen Touristen, sozialen Entdeckern, Selbstausschließern und Verfechtern von Fähigkeiten. Jede Gruppe hat unterschiedliche Motive, die von Frustration über das legale Angebot bis hin zu bewusster Rebellion gegen staatliche Regulierung reichen.
Um wie viel Prozent sind die Suchanfragen nach illegalen Wegen gestiegen?
Die Suchanfragen für Begriffe wie "not on Gamstop", die auf Angebote ohne offizielles Sperrsystem hinweisen, sind im Vergleich zum Vorjahr um 120 Prozent gestiegen. Dies deutet auf ein wachsendes Interesse an Anbietern mit weniger Identitätsprüfungen und mehr Anonymität hin.
Ist das Spielen auf dem Schwarzmarkt ein Massenphänomen?
Nein, laut dem Bericht der Gambling Commission bleibt die Nutzung von illegalen Plattformen ein relativ begrenztes Nischenverhalten innerhalb der gesamten spielenden Bevölkerung. Dennoch wächst die Besorgnis über die Normalisierung dieser Angebote durch soziale Medien und Affiliates.
Was bedeutet das für Spieler mit Wohnsitz in Deutschland?
Deutsche Spieler sollten extreme Vorsicht walten lassen und nur bei Anbietern mit GGL-Lizenz spielen. Wer die deutschen Limits wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit umgeht, verliert jeglichen rechtlichen Schutz und läuft Gefahr, dass Gewinne auf illegalen Seiten niemals ausgezahlt werden.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
Whitelist erlaubter Online-Anbieter
Redaktionsrichtlinien Lustich.de
BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTCrewe: Umstrittenes Glücksspielzentrum trotz Widerstand von MP Naismith genehmigt
In Cheshire East wurde ein neues Spielzentrum für Erwachsene genehmigt. MP Connor Naismith scheiterte mit seinem Einspruch gegen das Projekt, das vier Arbeitsplätze schaffen soll.
KI-GENERIERTZoff um 250.000 Euro: Capital Bra legt sich mit der Glücksspielbehörde GGL an
Rap-Star Capital Bra wehrt sich vor Gericht gegen ein Zwangsgeld von 250.000 Euro, das die GGL wegen Werbung für illegales Glücksspiel verhängt hat.
KI-GENERIERT48 Stunden Zwangspause: PointsBet einigt sich mit Ontario-Behörde AGCO
PointsBet Canada muss nach Ermittlungen um den gesperrten NBA-Profi Jontay Porter seine Plattform für 48 Stunden schließen und ein Audit durchführen lassen.










