Zerschlagung droht: Glücksspielkonzern Codere steht vor Einzelverkauf
KI-GENERIERTNach ausbleibendem Interesse an einer Komplettübernahme prüfen die Gläubiger der spanischen Codere-Gruppe nun den Verkauf einzelner Sparten bei einer Bewertung von 2 Milliarden Euro.
Die spanische Glücksspielgruppe Codere befindet sich an einem entscheidenden Wendepunkt ihrer Unternehmensgeschichte. Nachdem der Konzern bereits im März offiziell zum Verkauf gestellt wurde, deutet sich nun ein Strategiewechsel an. Die Investoren, die primär aus Anleihegläubigern bestehen, ziehen ernsthaft in Erwägung, das Unternehmen in Einzelteilen zu veräußern. Grund dafür ist das mangelnde Interesse potenzieller Käufer an einer vollständigen Übernahme des gesamten Portfolios, das von Europa bis tief nach Lateinamerika reicht.
Die aktuelle Situation ist das Ergebnis jahrelanger finanzieller Instabilität, die erst 2024 durch eine massive Rekapitalisierung gemildert wurde. Dabei wandelten die Gläubiger Schulden in Höhe von etwa 1,2 Milliarden Euro um, was die Bilanz zwar stabilisierte, aber auch die Eigentümerstruktur radikal veränderte. Inzwischen teilen sich rund 56 bis 84 verschiedene Investmentfonds das Unternehmen. Der US-Hedgefonds Davidson Kempner hält dabei mit 20,37 Prozent den größten Anteil, gefolgt von prominenten Namen wie dem Soros Fund und System 2 Capital. Diese Akteure drängen nun auf einen Ausstieg, um ihre Investitionen zu versilbern.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftliche Lage von Codere zeigt unter der Leitung von CEO Gonzaga Higüro zwar nach oben, doch die Hürden für einen Verkauf bleiben hoch. Im Jahr 2025 konnte die Gruppe einen Umsatz von 1,45 Milliarden Euro erzielen, was einem Plus von 3 Prozent entspricht. Besonders beeindruckend liest sich das bereinigte EBITDA, das um 26 Prozent auf 225 Millionen Euro kletterte. Trotz dieser operativen Verbesserungen wird die angestrebte Bewertung von über 2 Milliarden Euro von Marktbeobachtern kritisch hinterfragt. Experten wie Christian Tirabassi von Ficom Leisure sehen darin eher eine PR-Strategie, um den Marktpreis nach oben zu treiben.
„Die Anleihegläubiger oder Schuldeninhaber fanden sich in einer Position wieder, in der sie Eigentümer von Codere wurden, ohne dies wirklich zu wollen. Sie haben wahrscheinlich ein wenig ausprobiert, was sie damit machen können, haben dann gemerkt, dass es nichts für sie ist, und es zum Verkauf gestellt. So einfach ist das.“ - Christian Tirabassi, Gründer und Senior Partner bei Ficom Leisure
Die Aufspaltung würde drei Kernbereiche betreffen: das europäische Geschäft mit Fokus auf Spanien und Italien, die lateinamerikanischen Aktivitäten in Ländern wie Argentinien, Mexiko, Panama, Kolumbien und Uruguay sowie die separat börsennotierte Tochtergesellschaft Codere Online. Vor allem die politischen und steuerlichen Unsicherheiten in Argentinien und Mexiko schrecken viele Interessenten ab, die eigentlich nur am stabilen europäischen Markt interessiert sind.
Hintergrund
Codere leidet unter einer Phase der chronischen Unterinvestition. Tirabassi vergleicht das Unternehmen mit einem Boot ohne Richtung, das seit Jahren kein frisches Kapital für Innovationen erhalten hat. Während Konkurrenten wie Flutter Entertainment oder Allwyn International durch Zukäufe wachsen, wirkte Codere wie eingefroren. In Italien und Spanien sieht sich die Gruppe zudem einem mächtigen neuen Rivalen gegenüber. Die geplante Fusion von CIRSA mit dem italienischen Marktführer Lottomatica lässt einen europäischen Glücksspiel-Giganten mit einem Wert von über 4 Milliarden Euro entstehen. Gegen diesen Konsolidierungsdruck muss sich Codere behaupten, was ohne massives neues Kapital kaum möglich scheint.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler hat die mögliche Zerschlagung von Codere zunächst keine direkten Auswirkungen auf den Alltag, sofern sie bei in Deutschland lizenzierten Anbietern spielen. Codere selbst ist auf dem deutschen Markt nicht mit einer GGL-Lizenz (Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder) für virtuelle Automatenspiele oder Online-Poker vertreten. Dennoch ist die Entwicklung ein wichtiges Signal für die Branche. Sie zeigt, dass Größe allein nicht vor Instabilität schützt, wenn die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen in den Kernmärkten schwierig werden. In Deutschland gelten durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) besonders strenge Regeln, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und der maximale Einsatz von 1 Euro pro Spin an Slots. Solche regulatorischen Hürden, wie sie Codere nun massiv in Mexiko durch Steuererhöhungen spürt, sind auch in Europa ein wesentlicher Faktor für die Bewertung von Unternehmen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Konsolidierungswelle, die durch den Codere-Verkauf befeuert wird, könnte mittelfristig auch den deutschen Markt erreichen. Wenn Giganten wie Flutter oder Allwyn als potenzielle Käufer für Codere-Teile auftreten, stärken sie ihre globale Marktposition. Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf Anbieter, die ausschließlich in Deutschland lizenziert sind. Deutsche Betreiber müssen sich darauf einstellen, dass internationale Konzerne durch Synergieeffekte bei Marketing und Technik effizienter agieren können. Für Spieler bedeutet dies oft bessere Plattformen, aber auch eine stärkere Konzentration auf wenige große Marken. Die strikte Einhaltung der deutschen Spielerschutzregeln bleibt dabei das wichtigste Kriterium für die Legalität, unabhängig davon, wer im Hintergrund die Fäden zieht.
Häufige Fragen
Warum will Codere seine Geschäftsbereiche einzeln verkaufen?
Es gibt kaum Interessenten, die das gesamte Unternehmen inklusive der riskanten Märkte in Lateinamerika übernehmen wollen. Durch den Einzelverkauf der Sparten für Europa und Online erhoffen sich die Gläubiger eine schnellere Abwicklung und bessere Preise.
Wer sind die aktuellen Eigentümer von Codere?
Nach einer massiven Umschuldung im Jahr 2024 gehört das Unternehmen einer Gruppe von bis zu 84 Investmentfonds. Der US-Hedgefonds Davidson Kempner ist mit einem Anteil von 20,37 Prozent der größte Einzelaktionär.
Wie viel ist die Codere-Gruppe wert?
Die Investoren streben eine Bewertung von über 2 Milliarden Euro an. Branchenexperten bezweifeln jedoch, ob dieser Preis angesichts der notwendigen Investitionen und regionalen Risiken realistisch erzielt werden kann.
Können deutsche Kunden weiterhin sicher online spielen?
Ja, solange sie Anbieter wählen, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Die finanziellen Turbulenzen bei Codere betreffen vor allem den spanischen und lateinamerikanischen Markt und haben keinen Einfluss auf die Sicherheit deutscher GGL-lizenzierter Casinos.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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