Codere Online CEO: Glücksspiel-Chaos in Brasilien durch Vorsicht umschifft
KI-GENERIERTCodere Online entging durch eine abwartende Strategie dem regulatorischen Beben in Brasilien, wo der Markt Steuereinnahmen von bis zu 16 Milliarden BRL generieren sollte.
Die Welt des Online-Glücksspiels blickte mit großer Erwartung auf Brasilien, ein Land mit über 200 Millionen Einwohnern und einer tief verwurzelten Leidenschaft für Sportwetten. Doch was als Goldrausch für internationale Betreiber begann, entwickelte sich für viele zu einem finanziellen Albtraum. Aviv Sher, der CEO des an der Nasdaq notierten Glücksspielanbieters Codere Online, sieht sich heute in seiner vorsichtigen Haltung bestätigt. Während Branchenriesen hunderte Millionen investierten, hielt sich sein Unternehmen zurück und beobachtete die Lage aus sicherer Entfernung.
Die Entscheidung, den brasilianischen Markt nicht zu betreten, erweist sich im Rückblick als kluger Schachzug. Ende September 2026 erließ der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva ein Verbot für den lizenzierten Sektor, was die gesamte Branche unvorbereitet traf. Diese plötzliche Kehrtwende der Regierung zerstörte die Hoffnungen auf einen regulierten Markt, der bis Ende 2026 Steuereinnahmen in Höhe von etwa 16 Milliarden BRL (rund 3,18 Milliarden US-Dollar) in die Staatskasse hätte spülen sollen. Für Sher ist klar, dass sein Unternehmen durch diese Zurückhaltung eine massive Fehlentscheidung vermieden hat.
Zahlen und Fakten
Der finanzielle Einsatz der Konkurrenz war gewaltig. Die Flutter Entertainment Gruppe erwarb beispielsweise einen Anteil von 56 Prozent an der NSX Group, dem Eigentümer von Betnacional, für eine Summe von über 350 Millionen US-Dollar. Auch andere Schwergewichte wie Entain, Betano, Betsson und Stake sicherten sich Lizenzen und investierten massiv in Marketing und Sponsoringverträge. Codere Online hingegen blieb bei seiner Strategie, die Märkte Mexiko, Kolumbien, Panama und Argentinien zu priorisieren, anstatt blindlings in das brasilianische Abenteuer zu starten.
„Wir sind der Kugel ausgewichen. Das Schlimmste ist, dass die Regierung eine Vereinbarung mit den regulierten Marken gebrochen hat, die hunderte Millionen in das Land investiert haben, in der Erwartung, in den kommenden Jahren Renditen zu sehen, sei es durch Sponsoring- oder Marketingverträge.“ - Aviv Sher, CEO von Codere Online
Sher betont, dass der konservative Ansatz seines Hauses vor allem dem Schutz der Investoren diente. Das Risiko regulatorischer Instabilität und die Unsicherheit bezüglich der Besteuerung seien von Anfang an Warnsignale gewesen. Der Fall Brasilien zeige nun, wie schnell politische Stimmungswechsel investiertes Kapital vernichten können. Für die Zukunft behält Codere Online andere Märkte wie Chile, Peru und Uruguay im Auge, wobei man dort deutlich mehr Vertrauen in die regulatorische Transparenz hat, insbesondere im Falle von Peru.
Hintergrund
In Argentinien ist Codere Online bereits in der Stadt Bünos Aires aktiv, strebt aber nun eine Lizenz für die gesamte Provinz an. Dies ist ein komplexes Unterfangen, da die Provinz rund 40 Prozent der argentinischen Bevölkerung umfasst, aber nur maximal sieben Lizenzen vergibt. Hinzu kommt eine neue Belastung: Eine kürzlich eingeführte Abgabe von 2 Prozent auf Gewinne an Online-Spielautomaten erschwert das Geschäft. Sher warnt, dass solche Steuerpläne die Rentabilität massiv gefährden könnten. Dennoch bleibt Argentinien ein Fokusmarkt, sofern die Bedingungen wirtschaftlich tragbar bleiben.
Chile hingegen sorgt für Frustration. Obwohl bereits 2021 Pläne für eine Regulierung geschmiedet wurden, steckt das Gesetzgebungsverfahren weiterhin im politischen Stillstand fest. Laut Sher entgehen dem chilenischen Staat dadurch wichtige Steuereinnahmen, während der Graumarkt weiterhin floriert und sogar Sportteams sponsert. Codere Online wartet hier geduldig auf einen klaren rechtlichen Rahmen, bevor Kapital investiert wird. Diese Geduld ist ein Markenzeichen des aktuellen Kurses unter Aviv Sher.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in Brasilien wirkt auf den ersten Blick weit entfernt, verdeutlicht aber, warum eine stabile Regulierung wie der deutsche Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) für Spieler so wichtig ist. In Deutschland sorgt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für Rechtssicherheit. Wer bei Anbietern spielt, die auf der offiziellen Whitelist stehen, muss keine Angst vor plötzlichen Totalverboten oder dem Verlust von Guthaben durch regulatorische Willkür haben. In Deutschland gelten strenge Regeln zum Spielerschutz, wie das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten.
Für deutsche Kunden bedeutet das Beispiel Brasilien auch eine Warnung vor dem Spiel bei Anbietern ohne deutsche Lizenz (oft mit Lizenzen aus Curacao oder Malta). Diese agieren in einem rechtlichen Graubereich, der ähnlich instabil sein kann wie der brasilianische Markt vor dem Verbot. Durch das LUGAS-System und die OASIS-Sperrdatei bietet Deutschland ein Sicherheitsnetz, das in vielen lateinamerikanischen Ländern derzeit fehlt oder durch politische Instabilität gefährdet ist. Spieler sollten daher immer prüfen, ob ihr Casino das GGL-Siegel trägt.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der GGL unterstreicht der Fall Brasilien den Wert eines verlässlichen, wenn auch strengen Marktes. Während die Steuerlast in Deutschland hoch ist, bietet der GlüStV 2021 eine langfristige Planungssicherheit, die in Brasilien über Nacht zerstört wurde. GGL-lizenzierte Casinos investieren in Technik und Spielerschutz, weil sie wissen, dass der Rahmen Bestand hat. Dies unterscheidet den deutschen Markt von Regionen, in denen Lizenzen zwar vergeben, aber durch präsidiale Dekrete entwertet werden können. Die Strategie von Codere Online, nur in "organisierte" Märkte einzusteigen, deckt sich mit der Entwicklung hin zu hochregulierten Zonen wie Deutschland.
Häufige Fragen
Warum ist Codere Online nicht in den brasilianischen Markt eingestiegen?
CEO Aviv Sher begründete dies mit der regulatorischen Instabilität und der Unsicherheit bei den Steuern. Das Unternehmen wollte seine Investoren vor unvorhersehbaren politischen Entscheidungen schützen, was sich nach dem plötzlichen Verbot des Sektors durch Präsident Lula als richtig erwies.
Wie viel Geld haben andere Unternehmen in Brasilien investiert?
Ein prominentes Beispiel ist Flutter, das für über 350 Millionen US-Dollar eine Mehrheitsbeteiligung an der NSX Group kaufte. Insgesamt flossen hunderte Millionen Dollar in Lizenzen, Marketing und Sponsoring, für die es laut Sher nun keine Rendite geben wird.
Welche Märkte sind für Codere Online in Lateinamerika aktuell wichtig?
Das Unternehmen konzentriert sich auf Mexiko, Kolumbien, Panama und Argentinien. Zukünftig sind Peru, Uruguay und Chile von Interesse, wobei man in Chile auf den Abschluss des seit 2021 laufenden Regulierungsprozesses wartet.
Was ist das Problem bei der Lizenzierung in der Provinz Bünos Aires?
Es gibt eine strikte Begrenzung auf maximal sieben Lizenzen für eine Region, die 40 Prozent der argentinischen Bevölkerung stellt. Zudem droht eine neue Steuer von 2 Prozent auf Slot-Gewinne, die laut Sher die Gewinne der Betreiber um bis zu zwei Drittel reduzieren könnte.
Warum ist das Spielen in Deutschland sicherer als in Brasilien?
In Deutschland bietet der Glücksspielstaatsvertrag 2021 durch die GGL-Lizenzierung einen festen Rechtsrahmen. Im Gegensatz zu Brasilien, wo lizenzierten Anbietern plötzlich der Markt geschlossen wurde, haben deutsche Spieler bei lizenzierten Anbietern durch LUGAS und OASIS garantierte Schutzmechanismen und Rechtssicherheit.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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