Kritik an Cricket-Legende Kevin Pietersen: Neuer Deal mit Buchmacher Dafabet sorgt für Unmut
Kevin Pietersen wird Botschafter für Dafabet, was Fragen zur Integrität im Cricket aufwirft. Trotz 303 Wetten eines anderen Spielers in der Vergangenheit bleibt die Branche im Visier der Aufsicht.
Kevin Pietersen hat es wieder einmal geschafft, die Gemüter in der Sportwelt zu erhitzen. Der ehemalige englische Schlagmann und heutige Mentor des Nationalteams verkündete stolz seine neue Rolle als globaler Markenbotschafter für Dafabet. Auf seinem X-Account präsentierte er den Deal mit viel Pathos und sprach von Leidenschaft und Energie, die er in den Sport bringen wolle. Doch die Begeisterung wird nicht von allen geteilt, denn im Cricket-Zirkus läuten sofort die Alarmglocken, wenn es um die Verflechtung von aktiven Funktionären und Buchmachern geht.
Der England Cricket Board (ECB) hat den Fall bereits auf dem Schirm. Pietersen, der als Held der Ashes 2005 und bester Spieler der T20-Weltmeisterschaft 2010 Geschichte schrieb, muss sich nun unangenehmen Fragen stellen. Es geht um die Integrität eines Sports, der in der Vergangenheit mehrfach durch Wettskandale erschüttert wurde. Zwar gibt es kein explizites Verbot für einen Mentor, solche Verträge einzugehen, doch die Optik ist für viele Beobachter verheerend, besonders da Dafabet in Märkten operiert, in denen Cricket-Wetten streng verboten sind.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die Details zeigt, warum die Aufregung groß ist. Pietersen hat dem ECB versichert, dass er während seiner Arbeit für England keine Werbung für Dafabet machen wird. Dies mindert den Wert des Deals für den Buchmacher jedoch erheblich. Dafabet ist kein Unbekannter: Das Unternehmen ist Trikotsponsor des schottischen Fußballriesen Celtic Glasgow und war früher Partner von Premier-League-Clubs wie Aston Villa oder Fulham. Im Cricket sponserte die Firma bereits die Nationalteams von Südafrika und den West Indies sowie englische Clubs wie Middlesex und Sussex.
„Ich bin stolz darauf, Dafabet als globaler Botschafter beizutreten. Bei Dafabet geht es um Leidenschaft, Energie und darum, die Menschen näher an das Spiel zu bringen, das wir lieben, und ich freue mich, ein Teil davon zu sein.“ - Kevin Pietersen, Globaler Markenbotschafter bei Dafabet
Die Sorge um die Integrität ist nicht unbegründet. In der Vergangenheit gab es massive Vorfälle, wie etwa 2010, als die pakistanischen Bowler Mohammad Amir und Mohammad Asif absichtlich No-Balls warfen. Erst kürzlich wurde der englische Bowler Brydon Carse gesperrt, nachdem er zwischen 2017 und 2019 insgesamt 303 Wetten auf verschiedene Cricket-Spiele platziert hatte. Solche Ereignisse führten dazu, dass der ECB im letzten Jahr einen neuen freiwilligen Verhaltenskodex einführte, der auf vier Säulen basiert: Integrität, Schutz gefährdeter Gruppen, Reinvestition und verantwortungsbewusste Berichterstattung.
Hintergrund
Pietersen tritt in Fußstapfen, die bereits anderen Probleme bereiteten. Brendon McCullum, der Trainer des englischen Nationalteams, musste im April 2023 seine Partnerschaft mit dem Anbieter 22bet beenden. Nur drei Monate nach dem Start der Kooperation wurde der Druck durch eine Untersuchung des ECB zu groß. Interessanterweise haben 22bet und Dafabet eine Gemeinsamkeit: Laut dem Blask Index sind beide Marken in Ländern wie Indien, Kuwait und Thailand aktiv, obwohl Wetten dort illegal sind. Dafabet hält zwar eine britische Lizenz, aber die globale Ausrichtung der Marke kollidiert oft mit lokalen Gesetzen.
Die Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) prüft nun, ob Pietersens Kampagnen gegen Richtlinien zum Jugendschutz verstoßen. Da Pietersen als Idol für junge Fans gilt, ist die Schwelle hier besonders niedrig. Der Fall zeigt deutlich, wie schmal der Grat zwischen persönlicher Vermarktung und der Verantwortung gegenüber dem Sport ist.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland herrscht durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eine völlig andere Rechtslage. Ein solcher Deal zwischen einem aktiven Trainer oder Mentor einer Nationalmannschaft und einem Buchmacher wäre hierzulande kaum denkbar oder würde sofort die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) auf den Plan rufen. Deutsche Spieler sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu wetten, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Dort gelten strikte Regeln wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.
Das System LUGAS sorgt zudem für eine spielübergreifende Überwachung, um Spielsucht zu verhindern. Anbieter wie Dafabet, die oft Lizenzen aus Curacao oder von den Philippinen nutzen, bieten diesen Schutz nicht. Für deutsche Kunden ist es wichtig, sich von der Strahlkraft großer Namen wie Pietersen nicht blenden zu lassen, wenn das Angebot keine deutsche Lizenz besitzt. Illegale Anbieter garantieren keine Gewinnauszahlungen und bieten keinen rechtlichen Schutz bei Streitigkeiten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit deutscher GGL-Lizenz sind solche internationalen Schlagzeilen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits unterstreichen sie die Wichtigkeit einer sauberen Regulierung, wie sie in Deutschland durchgesetzt wird. Andererseits schadet das negative Image von Sport-Prominenten, die für Offshore-Anbieter werben, dem Ansehen der gesamten Branche. Lizenzierte deutsche Anbieter müssen sich an strenge Werbebeschränkungen halten, die solche aggressiven Botschafter-Kampagnen, wie sie Pietersen führt, oft unmöglich machen.
Es zeigt sich, dass der deutsche Weg mit klaren Grenzen für Sponsoring und Werbung zwar die kommerziellen Möglichkeiten einschränkt, aber langfristig die Integrität des Marktes schützt. Deutsche Casinos und Buchmacher setzen eher auf sachliche Information und strengen Spielerschutz statt auf schillernde Botschafter, die in rechtlichen Grauzonen operieren.
Häufige Fragen
Wer ist Kevin Pietersen und warum ist sein neuer Deal umstritten?
Kevin Pietersen ist eine Cricket-Legende und aktueller Mentor des englischen Nationalteams. Sein Sponsoring-Vertrag mit dem Buchmacher Dafabet wird kritisiert, da er eine mögliche Gefahr für die Integrität des Sports darstellt und Dafabet in Ländern operiert, in denen Cricket-Wetten illegal sind.
Welche Konsequenzen gab es in der Vergangenheit bei ähnlichen Fällen?
Der Nationaltrainer Brendon McCullum musste im April 2023 seine Partnerschaft mit 22bet nach nur drei Monaten beenden. Grund war eine Untersuchung des England Cricket Board, die den öffentlichen Druck auf die Beteiligten erhöhte.
Was ist Dafabet und wo ist das Unternehmen lizenziert?
Dafabet ist ein globaler Buchmacher mit Hauptsitz auf den Philippinen. Das Unternehmen hält zwar eine britische Lizenz, ist aber laut Berichten auch in Märkten wie Indien und Thailand aktiv, wo Sportwetten offiziell verboten sind.
Welche Wettskandale gab es im Cricket bisher?
Ein bekannter Fall ereignete sich 2010, als zwei pakistanische Bowler für absichtliche Fehlwürfe gesperrt wurden. Zudem wurde der Spieler Brydon Carse für 303 unerlaubte Wetten auf Cricket-Spiele in den Jahren 2017 bis 2019 bestraft.
Dürfen deutsche Spieler bei Dafabet wetten?
Spieler in Deutschland sollten nur Anbieter nutzen, die auf der Whitelist der GGL stehen. Dafabet besitzt keine deutsche Lizenz, weshalb die strengen Spielerschutzregeln des GlüStV 2021 dort nicht greifen und die Nutzung rechtlich riskant ist.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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