Electronic Arts vor Gericht: Israelische Sammelklage gegen FIFA-Lootboxen zugelassen
KI-GENERIERTEin Richter in Tel Aviv wies EAs Antrag auf Abweisung einer Klage ab, laut der FIFA 23-Packs illegales Glücksspiel darstellen. Der Publisher muss die Prozesskosten tragen, während das Verfahren fortgesetzt wird.
Der Videospielriese Electronic Arts (EA) sieht sich in Israel einer schwerwiegenden juristischen Auseinandersetzung gegenüber. Das Bezirksgericht Tel Aviv lehnte am Montag einen Antrag von EA Swiss Sàrl ab, eine geplante Sammelklage abzuweisen. Der Kläger, der in Israel lebt und virtuelle Münzen in FIFA 23 erworben hat, wirft dem Unternehmen vor, durch die zufälligen In-Game-Packs süchtigmachendes und ungesetzliches Glücksspiel zu fördern. EA versuchte vergeblich zu argumentieren, dass israelische Gerichte nicht zuständig seien, da es sich um einen internationalen Anbieter handelt. Richterin Tamar Snunit-Forrer sah dies anders und ebnete den Weg für ein Verfahren, das weitreichende Folgen für die Gaming-Branche haben könnte.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Laut der Klageschrift, die bereits im März 2025 eingereicht wurde, fungiere EA praktisch als Betreiber einer illegalen Wettplattform, die gezielt auf ein junges Publikum ausgerichtet ist. Dabei stehe der Vorwurf im Raum, dass die Chancen auf wertvolle digitale Gegenstände nicht ausreichend offengelegt würden. Der Kläger wird von den Anwälten Lior Lahav und Hadar Stempo vertreten, die zudem ein Gutachten der Expertin Dr. Liraz Margalit vorlegten. Dieses Gutachten befasst sich explizit mit dem Suchtpotenzial der Lootboxen, die durch psychologische Mechanismen den Kaufreiz immer wieder neu befeuern sollen.
Zahlen und Fakten
Im Rahmen der aktuellen Entscheidung wurde EA dazu verpflichtet, dem Kläger vorab 10.000 NIS (Israelische Schekel) an Rechtskosten zu erstatten. Dieser Betrag ist jedoch nur ein winziger Bruchteil dessen, was auf dem Spiel steht, sollte die Sammelklage tatsächlich zertifiziert und am Ende erfolgreich sein. EA argumentierte vor Gericht, dass ein Element des Zufalls ein Spiel noch lange nicht zu Glücksspiel mache. Das Unternehmen vertritt die Ansicht, dass FIFA primär auf Geschicklichkeit und Verständnis basiere.
Ein besonders brisanter Punkt in der Argumentation von EA war der Versuch, den Kläger selbst zu diskreditieren. Das Unternehmen behauptete, wenn die Spiele als illegales Glücksspiel eingestuft würden, hätten auch die Spieler selbst gegen das Gesetz verstoßen. Richterin Snunit-Forrer ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie stellte fest, dass die vorliegenden Beweise eine potenzielle rechtliche Grundlage für eine Klage bieten, ohne dem endgültigen Urteil vorzugreifen.
„Ohne eine endgültige Entscheidung zu treffen, bilden die vom Antragsteller vorgelegten faktischen und beweisrechtlichen Grundlagen eine potenzielle rechtliche Handhabe gegen den Antragsgegner.“ - Tamar Snunit-Forrer, Richterin am Bezirksgericht Tel Aviv
Hintergrund
Die Problematik um Lootboxen ist für EA nicht neu. In den USA sieht sich das Unternehmen mit Klagen konfrontiert, die sogar den Einsatz von Dynamic Difficulty Adjustment (DDA) thematisieren. Kläger wie Jason Zajonc werfen EA vor, Schwierigkeitsgrade künstlich so anzupassen, dass Spieler frustriert werden und dadurch eher bereit sind, neue Player Packs zu kaufen. In Kanada läuft ebenfalls ein Verfahren, das Lootboxen als nicht lizenziertes, illegales Glücksspielsystem bezeichnet. EA streitet all diese Vorwürfe ab und bezeichnet die Behauptungen als haltlos.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Gamer ist die Situation besonders spannend, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eine der strengsten Regulierungen weltweit eingeführt hat. Während Lootboxen in Videospielen derzeit noch vorrangig unter das Jugendschutzgesetz fallen, ist die Grenze zum klassischen Online-Glücksspiel fließend. In Deutschland überwacht die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) streng, dass Anbieter auf der Whitelist stehen und Regeln wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten einhalten. FIFA-Packs fallen aktuell nicht unter diese Limits, doch Urteile wie jenes in Israel erhöhen den Druck auf den Gesetzgeber, auch Lootboxen als Glücksspiel zu klassifizieren und über Systeme wie LUGAS zu kontrollieren.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Anbieter müssen sich penibel an den Spielerschutz halten, während Videospielkonzerne wie EA bisher ohne Konzessionen für ihre glücksspielähnlichen Mechanismen agieren. Sollten internationale Gerichte Lootboxen endgültig als Glücksspiel einstufen, müssten auch Konzerne wie EA Lizenzen bei der GGL beantragen oder ihre Geschäftsmodelle in Deutschland radikal ändern. Dies würde einen fairen Wettbewerb schaffen, da legale Casinos bereits jetzt enorme Summen in Prävention und technische Überwachung investieren, während Videospielhersteller bisher von einer Grauzone profitierten.
Häufige Fragen
Worum geht es in der Klage gegen EA in Israel?
Ein Kläger behauptet, dass die zufälligen Beutekisten (Lootboxen) in FIFA 23 verbotenes Glücksspiel darstellen. Das Gericht in Tel Aviv hat nun entschieden, dass der Fall trotz der internationalen Struktur von EA in Israel verhandelt werden darf.
Wie reagiert EA auf die Vorwürfe des illegalen Glücksspiels?
Das Unternehmen weist alle Vorwürfe zurück und argumentiert, dass FIFA ein Geschicklichkeitsspiel sei. Zudem versuchte EA, die Zuständigkeit des Gerichts anzufechten und behauptete, die Kläger würden sich bei einem Erfolg selbst strafbar machen.
Welche Rolle spielt Dynamic Difficulty Adjustment (DDA) in den Klagen?
In den USA wird EA vorgeworfen, die Schwierigkeit heimlich anzupassen, um Spieler zum Kauf von Packs zu drängen. Die Kläger behaupten, dass dadurch selbst gute Spieler schlechter abschneiden, um den Bedarf an besseren Karten zu suggerieren.
Sind Lootboxen in Deutschland bereits als Glücksspiel verboten?
Aktuell sind sie rechtlich noch kein klassisches Glücksspiel im Sinne des Glücksspielstaatsvertrags, unterliegen aber strengeren Jugendschutzauflagen. Eine Einstufung als Glücksspiel würde bedeuten, dass EA eine GGL-Lizenz benötigen würde und Limits wie die 1.000 Euro monatlich für Einzahlungen gelten müssten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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