Premier League Trikot-Bann: Kaum Effekt auf Glücksspielwerbung laut neuer Studie
KI-GENERIERTEine aktuelle Untersuchung der Universität Bristol belegt, dass die Werbebotschaften in der Premier League trotz Trikot-Verbots nur um 10,5 Prozent gesunken sind.
Die englische Premier League steht unter Beschuss, nachdem eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Bristol das Ausmaß der verbliebenen Glücksspielwerbung offengelegt hat. Trotz des viel gepriesenen, freiwilligen Verzichts auf Wettanbieter als Hauptsponsoren auf der Vorderseite der Spielertrikots, der pünktlich zum Start der Saison 2026 und 2027 in Kraft trat, bleibt die Branche omnipräsent. Die Forscher registrierten am ersten Spielwochenende im August 15.571 Marketingbotschaften mit Bezug zu Glücksspiel. Das ist eine erschreckend hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass die neuen Regeln eigentlich den Schutz von Kindern und gefährdeten Personen verbessern sollten. Die Realität sieht jedoch so aus, dass die Logos lediglich den Platz auf dem Textil gewechselt haben oder verstärkt auf den digitalen Werbebanden flimmern.
Besonders auffällig ist die Verschiebung der Werbeflächen. Während die Trikotbrust nun zwar frei von Wettanbietern ist, explodierte die Präsenz auf den Trikotärmeln und der Trainingsbekleidung förmlich. In diesem Bereich verzeichneten die Experten eine Steigerung von 362 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Es wirkt fast so, als hätten die Vereine und ihre Sponsoren Schlupflöcher gesucht und gefunden, um die Sichtbarkeit ihrer Marken aufrechtzürhalten. Die Untersuchung umfasste sieben im Fernsehen übertragene Spiele zwischen dem 21. und 24. August sowie stundenlange Analysen von Sky Sports News und Radiosendern. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Werbeflut ist kaum abgeebbt, die Gesamtzahl der Botschaften sank lediglich um 10,5 Prozent.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die Details der Studie macht das Problem deutlich. Allein während der Live-Übertragungen wurden 11.205 Botschaften gezählt. Rechnet man die Zeit zusammen, in der mindestens ein Logo eines Wettanbieters im Bild war, kommt man auf fünf Stunden und 16 Minuten. Das entspricht fast 20 Prozent der gesamten Sendezeit. Den negativen Rekord hielt die Begegnung zwischen Newcastle United und Liverpool. Hier prasselten 2.702 Werbebotschaften auf die Zuschauer ein. Im Durchschnitt waren das mehr als 12 Nachrichten pro Minute. Während dieses speziellen Spiels war Glücksspielwerbung für fast 41 Prozent der Übertragungsdauer sichtbar. Ein solches Pensum an visuellen Reizen lässt sich kaum ignorieren, selbst wenn man als Zuschauer versucht, sich nur auf den Sport zu konzentrieren.
Die Bandenwerbung am Spielfeldrand macht mit 72 Prozent den Löwenanteil der Botschaften während der Spiele aus. Oft wird dort zwar der Hinweis "gamble responsibly" eingeblendet, doch Experten bezweifeln die Wirksamkeit solcher Slogans, wenn gleichzeitig massiv für die Marken geworben wird. Im internationalen Vergleich schneidet der englische Fußball besonders schlecht ab. Während ein Spiel der Premier League im Durchschnitt 2.449 Botschaften enthält, sind es in der deutschen Bundesliga 1.677. In Nordamerika liegt die Zahl bei NBA- und NHL-Spielen sogar unter 510. Dies verdeutlicht, wie tief verwurzelt das Wettgeschäft im britischen Fußballkultur-Gefüge ist.
Hintergrund
Die Entscheidung für das Verbot auf der Trikotvorderseite fiel bereits im Jahr 2023. Es war ein Zugeständnis der Klubs, um einer noch härteren staatlichen Regulierung zuvorzukommen. Doch die aktuellen Ergebnisse der Forscher um Dr. Raffällo Rossi zeigen, dass diese Selbstregulierung an ihre Grenzen stößt. Die Kampagnengruppe "Coalition to End Gambling Ads" spricht von einem zynischen Schachzug der Liga, der die Werbung lediglich an andere Orte verlagert habe.
„Das Verbot auf der Trikotvorderseite war effektiv, um Logos von der Brust zu entfernen, aber es hat sie nicht aus dem Fußball entfernt." - Dr. Raffällo Rossi, Projektleiter an der Universität Bristol
Diese Erkenntnisse wurden bereits dem britischen Parlament vorgelegt. Sir Iain Duncan Smith, Co-Vorsitzender der fraktionsübergreifenden Gruppe für Glücksspielreform, sieht in den Daten den Beweis dafür, dass der freiwillige Ansatz gescheitert ist. Er fordert nun eine deutliche Verschärfung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, da die Branche offensichtlich nicht bereit ist, ihre Reichweite ohne Zwang einzuschränken.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Deutsche Fußballfans, die regelmäßig die Premier League auf Streamingdiensten oder im Pay-TV verfolgen, sind dieser massiven Werbepräsenz direkt ausgesetzt. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) das Marketing sehr viel strenger. Dennoch verschwimmen die Grenzen bei internationalen Übertragungen. Für Spieler in Deutschland ist es wichtig zu wissen, dass viele der in England großflächig beworbenen Anbieter keine deutsche Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen. Wer sich von der englischen Werbung verleiten lässt, landet oft bei illegalen Offshore-Anbietern.
In Deutschland gilt das strikte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System, um exzessives Spielverhalten zu verhindern. Zudem sind die Einsatzlimits an Slots auf 1 Euro pro Spin begrenzt. Solche Schutzmechanismen fehlen bei den im britischen Fernsehen beworbenen, oft weltweit agierenden Anbietern ohne deutsche Konzession. Deutsche Konsumenten sollten daher stets die offizielle Whitelist der GGL prüfen, bevor sie sich bei einem Anbieter anmelden, egal wie oft dessen Logo auf dem Ärmel eines Premier-League-Stars zu sehen ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz in Deutschland stellt die aggressive Werbung in der Premier League eine Form von unfairem Wettbewerb dar. Während sich hiesige Anbieter an strikte Werbeverbote halten müssen, dringen internationale Marken über die Fußballübertragungen in den deutschen Wohnraum vor. Dies könnte den Druck auf die GGL erhöhen, künftig noch stärker gegen grenzüberschreitende Werbung vorzugehen. Es unterstreicht zudem die Bedeutung eines legalen, gut regulierten Marktes, in dem der Spielerschutz vor Profitinteressen steht. Anbieter mit deutscher Lizenz werben transparent und halten sich an die Vorgaben zur Suchtprävention, was sie deutlich von den omnipräsenten, teils dubiosen Sponsoren der englischen Liga abhebt.
Häufige Fragen
Wie viele Werbebotschaften wurden am ersten Spieltag der Premier League gezählt?
Insgesamt wurden laut der Studie der Universität Bristol 15.571 Marketingbotschaften für Glücksspiele registriert. Trotz des neuen Trikotverbots sank die Gesamtzahl der Werbung im Vergleich zum Vorjahr nur um etwa 10,5 Prozent.
Wo ist die Glücksspielwerbung in der Premier League jetzt am sichtbarsten?
Die Werbung hat sich massiv auf die digitalen Banden am Spielfeldrand verlagert, die 72 Prozent der Botschaften ausmachen. Zudem stieg die Präsenz auf Trikotärmeln und Trainingskleidung der Spieler um enorme 362 Prozent an.
Welches Spiel war am stärksten von der Werbeflut betroffen?
Die Begegnung zwischen Newcastle United und Liverpool verzeichnete mit 2.702 Botschaften die höchste Dichte. Statistisch gesehen war dort während 41 Prozent der Sendezeit mindestens ein Werbehinweis für Wetten zu sehen.
Wie schneidet die Bundesliga im Vergleich zur Premier League ab?
In der deutschen Bundesliga werden pro Spiel durchschnittlich 1.677 Werbebotschaften für Glücksspiel gezählt. Das ist deutlich weniger als in England (2.449), aber immer noch mehr als bei US-Sportarten wie der NBA.
Darf ich bei allen Wettanbietern spielen, die in der Premier League werben?
Nein, viele dieser Anbieter besitzen keine Lizenz für den deutschen Markt. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern wetten, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen, um durch den GlüStV 2021 geschützt zu sein.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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