Widerstand gegen EU-Glücksspielsteuer: Pferdesport-Verbände schlagen Alarm
KI-GENERIERTEuropäische Pferdesport-Verbände kämpfen gegen eine geplante EU-weite Glücksspielsteuer, die jährlich bis zu 5 Milliarden Euro einbringen soll.
Die Diskussion um eine EU-weite Steuer auf Online-Glücksspiel verschärft sich zusehends. Vertreter des europäischen Pferdesports haben sich nun zusammengeschlossen, um ihre Branche vor den geplanten Abgaben aus Brüssel zu schützen. Im Kern geht es um die Finanzierung des EU-Haushalts für die Jahre 2028 und 2034. Die European and Mediterranean Horseracing Federation (EMHF) und die European Trotting Union (UET) wandten sich in einem formellen Schreiben an Thomas Byrne, den Staatsminister für europäische Angelegenheiten, und Simon Harris, den irischen Finanzminister. Da Irland derzeit die Präsidentschaft im Rat der Europäischen Union innehat, kommt der dortigen Regierung eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen zu.
Die Verbände argumentieren, dass Wetten auf Pferderennen explizit von jeglichen Plänen für eine neue EU-Steuer ausgenommen werden sollten. Sie warnen davor, dass eine zusätzliche finanzielle Belastung die Nachhaltigkeit des lizenzierten Sektors untergraben könnte. Besonders kritisch wird die Gefahr gesehen, dass Konsumenten durch höhere Preise oder schlechtere Quoten in die Illegalität abwandern. Dies würde nicht nur den Spielerschutz schwächen, sondern letztlich auch die Steuereinnahmen der einzelnen Mitgliedstaaten verringern, da der Schwarzmarkt keinerlei Abgaben leistet. Der Pferdesport ist in vielen Ländern direkt von den Einnahmen aus legalen Wetten abhängig, um Zuchtprogramme, Trainer und Rennbahnen zu finanzieren.
Zahlen und Fakten
Die Debatte wurde bereits im Februar 2026 durch Victor Negrescu, den Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments, angestoßen. Er sieht in einer harmonisierten Steuer die Möglichkeit, jährlich zwischen 2 und 4 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln zu generieren. Neuere Schätzungen von Think Tanks gehen sogar von bis zu 5 Milliarden Euro pro Jahr aus. Dem gegenüber stehen die Interessen von Ländern wie Malta, wo die Glücksspielbranche etwa 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Für die Verabschiedung einer solchen Steuer ist die Einstimmigkeit aller 27 EU-Mitgliedstaaten erforderlich. In Großbritannien blieb die allgemeine Wettsteuer für den Pferdesport nach erfolgreichem Lobbying der British Horseracing Authority (BHA) bei 15 Prozent, was als Vorbild für die aktuellen Forderungen dient.
Hintergrund
Der Konflikt wird durch prominente Stimmen auf beiden Seiten befeuert. Während der ehemalige englische Nationaltorhüter Peter Shilton die Steuer befürwortet, um Werbebudgets einzuschränken und Spielsucht zu bekämpfen, warnen Branchenexperten vor den Folgen. Marteen Haijer, ehemaliger Generalsekretär der European Betting and Gaming Association (EGBA), betonte die Risiken einer Doppelbesteuerung deutlich:
„Die Einführung einer EU-Steuer zusätzlich zu den bestehenden nationalen Steuern würde die Situation nur verschlimmern: Der Schwarzmarkt würde wachsen, der europäische Verbraucherschutz Schaden nehmen und letztlich zu geringeren Steuereinnahmen für die Mitgliedstaaten führen.“ - Marteen Haijer, ehemaliger Generalsekretär der EGBA
Dr. Peter Truzla, Präsident der UET, stieß ins selbe Horn und erklärte, dass legale Wetten die Grundlage für ländliche Arbeitsplätze und die gesamte Infrastruktur des Sports seien. Eine zusätzliche Steuerlast würde das Geschäft zu illegalen Anbietern drängen, was den Schutz der Verbraucher massiv gefährde.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler könnte eine EU-weite Steuer gravierende Folgen haben. In Deutschland ist der Markt bereits durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng reguliert. Hierzulande fallen bereits hohe Steuern auf Einsätze an, was oft zu niedrigeren Auszahlungsquoten führt. Sollte Brüssel eine zusätzliche Abgabe durchsetzen, müssten legale Anbieter ihre Margen weiter anpassen. Dies könnte das ohnehin knappe Angebot bei GGL-lizenzierten Betreibern weiter verschlechtern. Deutsche Nutzer unterliegen bereits strengen Regeln wie dem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots. Eine weitere Verteuerung des legalen Spiels könnte die Kanalisierungsquote gefährden, da Spieler vermehrt versuchen könnten, die LUGAS-Überwachung und die hohen Kosten bei nicht lizenzierten Offshore-Casinos zu umgehen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stünden vor einer enormen wirtschaftlichen Herausforderung. Da sie bereits die strengen deutschen Vorgaben erfüllen und entsprechende Steuern abführen, würde eine EU-Steuer die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Schwarzmarkt massiv einschränken. Die GGL-Whitelist umfasst Anbieter, die sich zur Einhaltung höchster Standards verpflichtet haben. Eine zusätzliche Steuerlast aus Brüssel könnte dazu führen, dass seriöse Anbieter ihre Marketingbudgets kürzen oder sich ganz aus bestimmten Marktsegmenten zurückziehen. Dies würde den Schwarzmarkt-Anbietern, die ohnehin keine EU-Steuern zahlen würden, einen weiteren Wettbewerbsvorteil verschaffen und die mühsam aufgebaute Regulierung in Deutschland untergraben.
Häufige Fragen
Warum plant die EU eine neue Glücksspielsteuer?
Die EU sucht nach neuen Wegen, um den Haushalt für die Jahre 2028 und 2034 zu finanzieren. Schätzungen gehen davon aus, dass eine solche Steuer zwischen 2 und 5 Milliarden Euro jährlich einbringen könnte.
Welche Kritik äußert der Pferdesport an den Plänen?
Verbände wie die EMHF befürchten, dass die Steuer die Finanzierung von Rennbahnen und Zuchtprogrammen zerstört. Zudem wird gewarnt, dass Spieler durch schlechtere Quoten zu illegalen Anbietern ohne Spielerschutz abwandern.
Kann die Steuer einfach so eingeführt werden?
Nein, für die Einführung neuer EU-weiter Steuern ist die Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten erforderlich. Länder wie Malta, deren Wirtschaft stark vom Glücksspiel abhängt, haben bereits massiven Widerstand angekündigt.
Welche Rolle spielt die irische EU-Ratspräsidentschaft?
Irland leitet derzeit die Verhandlungen im Rat der EU und wird von Lobbygruppen des Pferdesports massiv bedrängt. Die irische Regierung muss zwischen den Finanzwünschen Brüssels und den Sorgen der Branche vermitteln.
Was bedeutet eine mögliche EU-Steuer für Spieler in Deutschland?
Deutsche Spieler könnten mit noch niedrigeren Auszahlungsquoten konfrontiert werden, da Anbieter die Zusatzsteuer umlegen müssten. Dies gefährdet die Ziele des GlüStV 2021, Spieler in den sicheren, legalen Markt mit GGL-Lizenz zu lenken.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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