Open Banking im iGaming: Die Compliance-Falle hinter schnellen Zahlungen
KI-GENERIERTOpen Banking verspricht schnellere Einzahlungen und geringere Gebühren. Doch neue Regeln der KSA vom 8. Oktober 2026 zeigen, wie komplex die Verifizierung der Geldquellen wirklich ist.
Die Welt des Online-Glücksspiels in Europa erlebt derzeit einen massiven Umbruch in der Zahlungsabwicklung. Open Banking ist das Schlagwort der Stunde. Es verspricht schnellere Einzahlungen für Spieler, sofortige Auszahlungen und deutlich niedrigere Bearbeitungsgebühren für die Betreiber im Vergleich zu klassischen Kreditkarten. Doch hinter der glänzenden Fassade der Effizienz lauert ein Dickicht aus rechtlichen Fragen, die viele Compliance-Teams bisher kaum auf dem Schirm haben. Es geht um weit mehr als nur darum, Geld von A nach B zu schieben. Es geht um den Zugriff auf hochsensible Kontodaten und die Frage, wer eigentlich für die Einhaltung der Anti-Geldwäsche-Richtlinien verantwortlich ist.
Der Experte Miguel Luis warnt davor, dass die rein kommerzielle Betrachtung von Open Banking zu kurz greift. Während die Vorteile wie der Wegfall von Rückbuchungen (Chargebacks) und eine bessere Verifizierung der Geldquelle beim Onboarding offensichtlich sind, fehlen oft tiefgreifende Analysen zur Überschneidung von Zahlungsdiensterecht, Glücksspielregulierung und Datenschutz (DSGVO). In diesem Spannungsfeld bewegen sich zwei Mechanismen: Payment Initiation Services (PIS), die Überweisungen direkt auslösen, und Account Information Services (AIS), die den Zugriff auf die Transaktionshistorie und den Kontostand ermöglichen. Letzteres ist für die Prüfung der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Spielers entscheidend, bringt aber erhebliche Risiken mit sich.
Zahlen und Fakten
Besonders konkret wurde es kürzlich in den Niederlanden. Die dortige Aufsichtsbehörde KSA (Kansspelautoriteit) hat mit Wirkung zum 8. Oktober 2026 eine Anordnung erlassen, die für Aufsehen sorgt. Einzahlungen sind nur noch von Konten zulässig, deren hinterlegter Name exakt mit dem Namen auf dem Identitätsdokument des Spielers übereinstimmt. Das klingt simpel, ist technisch aber eine Herkulesaufgabe. Oft kürzen Banken Vornamen ab oder lassen Zweitnamen weg, was bei automatisierten Abgleichen sofort zu Fehlern führt. Ein weiteres wichtiges Datum ist der April 2026. Zu diesem Zeitpunkt veröffentlichte der Rat die finalen Kompromisstexte für die PSD3 und die Payment Services Regulation (PSR).
Diese neuen EU-Regeln enthalten eine Sprengkraft für das operative Geschäft: Spieler können künftig ihre Open-Banking-Zustimmung direkt in ihrer Bank-App widerrufen, ohne den Glücksspielanbieter zu informieren. Wenn ein Betreiber jedoch auf die Datenflüsse via AIS angewiesen ist, um die soziale Absicherung und die Mittelherkunft (Source of Funds) zu prüfen, reißt der Informationsfluss plötzlich ab. Ohne eine Infrastruktur, die solche Widerrufe sofort erkennt, stehen Betreiber rechtlich plötzlich auf dünnem Eis.
Hintergrund
Die Verantwortung für die Compliance ist geteilt. Der Drittanbieter (TPP), der die technische Schnittstelle bereitstellt, besitzt eine Lizenz für Zahlungsdienste. Der Glücksspielanbieter besitzt die Casino-Lizenz. Beide unterliegen der Anti-Geldwäsche-Richtlinie (AMLD), doch oft verlässt sich eine Seite blind auf die andere. Miguel Luis betont hierzu ein zentrales Problem der Verantwortlichkeit:
„Das Risiko besteht nicht darin, dass AML-Verpflichtungen fehlen. Es besteht darin, dass beide Parteien davon ausgehen, dass die jeweils andere die Hauptverpflichtung trägt, mit dem Ergebnis, dass keine von beiden den vollen Standard anwendet, den sie jeweils unabhängig voneinander erfüllen müssen.“ - Miguel Luis, Experte für iGaming-Compliance
Zudem wird im Juli 2027 die neue AMLR (Anti-Money Laundering Regulation) unmittelbar anwendbar. Sie stellt klar, dass die Pflichten des Glücksspielbetreibers nicht durch die Compliance-Maßnahmen des Zahlungsdienstleisters abgegolten sind. Sie sind additiv. Wer also denkt, ein verifiziertes Bankkonto reiche als Nachweis für die Herkunft der Mittel aus, irrt sich. Ein Bankbeleg zeigt zwar das Gehalt, aber nicht unbedingt die vollständige Herkunft des Vermögens (Source of Wealth), etwa bei Erbschaften oder Investitionen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist das Thema Open Banking besonders relevant, da der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ohnehin sehr strenge Anforderungen an die Transparenz stellt. In Deutschland lizenzierte Casinos, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen, müssen bereits jetzt Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System überwachen. Auch der Einsatz am Slot ist auf 1 Euro pro Drehung begrenzt. Open Banking könnte hier ein zweischneidiges Schwert sein. Einerseits erleichtert es die Identitätsprüfung (KYC), andererseits ermöglicht es den Behörden und Anbietern einen noch tieferen Einblick in das finanzielle Verhalten.
Wer bei einem GGL-lizenzierten Anbieter spielt, kann sicher sein, dass Datenschutzstandards nach DSGVO eingehalten werden müssen. Dennoch zeigt die Diskussion um PSD3, dass die Hoheit über die eigenen Daten beim Spieler bleiben muss. Ein Widerruf der Dateneinsicht in der Bank-App könnte in Deutschland jedoch dazu führen, dass das Spielkonto sofort gesperrt wird, da der Anbieter seinen Sorgfaltspflichten zur Überprüfung der finanziellen Angemessenheit nicht mehr nachkommen kann. Deutsche Spieler sollten daher genau darauf achten, welche Zustimmungen sie bei der Nutzung von Pay-by-Bank-Diensten erteilen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für deutsche Online-Casinos mit GGL-Lizenz bedeutet die Entwicklung bei Open Banking vor allem einen technischen Aufrüstungszwang. Die strengen Regeln zur Geldwäscheprävention verlangen, dass die Mittelherkunft zweifelsfrei geklärt ist. Die Nutzung von AIS-Daten kann hier helfen, die oft lästige manuelle Einreichung von Lohnabrechnungen oder Kontoauszügen zu ersetzen. Allerdings müssen die Betreiber sicherstellen, dass sie nicht nur die Bestätigung des Zahlungsdienstleisters erhalten, sondern selbst in der Lage sind, die Rohdaten im Hinblick auf glücksspielspezifische Risikofaktoren zu analysieren. Die GGL wird hier voraussichtlich ähnliche Maßstäbe wie die niederländische KSA anlegen, was die Genauigkeit der Namensprüfung betrifft.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PIS und AIS beim Open Banking?
Payment Initiation Services (PIS) ermöglichen es, Zahlungen direkt vom Bankkonto auszulösen. Account Information Services (AIS) hingegen erlauben dem Anbieter den Zugriff auf Kontodaten wie den Kontostand und die Transaktionshistorie zur Bonitätsprüfung.
Wann traten die neuen Regeln zum Namensabgleich in den Niederlanden in Kraft?
Die niederländische Regulierungsbehörde KSA hat diese spezifischen Anforderungen am 8. Oktober 2026 eingeführt. Seitdem müssen alle Vornamen und der Nachname auf dem Bankkonto exakt mit dem Ausweisdokument des Spielers übereinstimmen.
Können Spieler ihre Zustimmung zum Datenzugriff widerrufen?
Ja, unter der neuen PSR-Regulierung (Payment Services Regulation) können Spieler die Berechtigung direkt in ihrer Bank-App entziehen. Dies kann dazu führen, dass Glücksspielanbieter plötzlich keinen Zugriff mehr auf notwendige Compliance-Daten haben.
Was ändert sich durch die AMLR ab Juli 2027?
Ab Juli 2027 wird die Anti-Money Laundering Regulation (AMLR) direkt anwendbar. Sie legt fest, dass Glücksspielbetreiber eigene, zusätzliche Prüfpflichten haben und sich nicht allein auf die Verifizierung durch den Zahlungsdienstleister verlassen dürfen.
Was bedeutet Open Banking für das 1.000 Euro Limit in Deutschland?
In Deutschland hilft Open Banking den Anbietern, die Einhaltung des anbieterübergreifenden Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat effizienter zu kontrollieren. Es dient als technisches Werkzeug, um die Anforderungen des GlüStV 2021 und der GGL-Whitelist schneller umzusetzen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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