Frankreich verschärft Werberegeln für Online-Glücksspiel ab 2026
KI-GENERIERTDie französische Glücksspielbehörde ANJ und die Werbeaufsicht ARPP bauen ihre Kooperation aus. Neue Regeln zielen auf Krypto-Games und strengere Budgetkontrollen ab.
Frankreich zieht die Zügel auf dem Glücksspielmarkt weiter an. Die französische Glücksspielbehörde Autorité Nationale des Jeux (ANJ) hat eine neue Vereinbarung mit der unabhängigen Werbeaufsicht Autorité de Régulation Professionnelle de la Publicité (ARPP) getroffen. Diese Kooperation, die bereits seit 2023 besteht, wird nun deutlich ausgeweitet, um den Herausforderungen neuer Technologien und der zunehmenden Werbeflut zu begegnen. Der neue Präsident der ANJ, Pascal Chevremont, der sein Amt im Juni angetreten hat, unterzeichnete das Abkommen nach einem Treffen mit Christine Albanel, der Präsidentin der ARPP.
Die neue Regelung verpflichtet Lizenznehmer dazu, ihre Werbe- und Marketingpläne bereits sechs Monate im Voraus bei der ANJ zur Prüfung einzureichen. Dabei geht es nicht nur um einfache Anzeigen. Die Behörde kontrolliert die gesamte Kommunikationsstrategie, einschließlich der Ausgaben für Sponsoring, soziale Medien und Boni. Diese präventive Kontrolle soll sicherstellen, dass keine Kampagnen veröffentlicht werden, die Glücksspiel als Weg zu finanziellem Erfolg oder als Ersatz für Arbeit darstellen. Solche Inhalte sind gemäß den Richtlinien von 2022 streng untersagt.
Zahlen und Fakten
Ein wesentlicher Bestandteil der Neuerung ist das Projekt JONUM (Jeux à Objets Numériques Monétisables). Dieses Projekt wurde Anfang 2026 gestartet, um einen gemeinsamen Rechtsrahmen für Spiele mit monetarisierbaren digitalen Objekten wie NFTs und Kryptowährungen zu schaffen. Die ARPP wird künftig auch in die Bewertung dieser neuen vertikalen Märkte einbezogen. Zudem müssen Betreiber ihre jährlichen Werbestrategien vorab genehmigen lassen.
„Die Lizenzinhaber müssen ihre jährlichen Werbestrategien zur behördlichen Genehmigung vorlegen, was es der Behörde ermöglicht, Inhalte, Botschaften und Werbeaktionen zu überprüfen.“ - Pascal Chevremont, Präsident der ANJ
Interessant sind auch die Zahlen zur Spielersicherheit. Im Jahr 2024 verzeichnete der Informationsdienst für Spieler in Frankreich über acht Millionen Besuche, was einer Steigerung von 44 Prozent gegenüber 2023 entspricht. Dies verdeutlicht den enormen Druck, unter dem die Regulierungsbehörden stehen. Die ANJ plant zudem, bis 2026 automatisierte Systeme und Algorithmen einzuführen, um problematisches Spielverhalten frühzeitig zu erkennen.
Hintergrund
Die Verschärfung der Werberegeln erfolgt vor dem Hintergrund der FIFA Weltmeisterschaft 2026. Die ANJ sieht dieses Großereignis als kritischen Moment, um die öffentliche Wahrnehmung von Glücksspiel zu verändern und eine großflächige Kampagne für verantwortungsbewusstes Spielen zu starten. Es gibt Vorschläge für ein sogenanntes Whistle-to-Whistle-Verbot, das Glücksspielwerbung während Sportübertragungen untersagen würde, ähnlich wie es bereits in Großbritannien praktiziert wird.
Die Behörde hat bereits in der Vergangenheit hart durchgegriffen. Zu Beginn des Jahres 2025 wurden die vier größten Betreiber Frankreichs angewiesen, ihre Marketingbudgets zu kürzen. Die ANJ überwacht nun streng, dass die erklärten Budgets nicht überschritten werden. Pascal Chevremont hat angekündigt, die gesammelten Daten genau auszuwerten, bevor er entscheidet, ob eine umfassende Überprüfung der bestehenden Werbegesetze notwendig ist.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler haben diese Entwicklungen in Frankreich eine Signalwirkung, auch wenn die rechtliche Lage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) in Deutschland bereits sehr strikt geregelt ist. In Deutschland sorgt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) für die Einhaltung ähnlicher Schutzmaßnahmen. Werbeverbote zwischen 21 und 6 Uhr für bestimmte Formate und die Pflicht zur Registrierung im LUGAS-System sind hier bereits Realität.
Die französischen Pläne für ein Whistle-to-Whistle-Verbot und spezielle Verlustlimits für junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren könnten jedoch als Vorbild für zukünftige Anpassungen in Deutschland dienen. Deutsche Spieler, die bei Anbietern auf der GGL-Whitelist spielen, profitieren bereits von einem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Die strengeren Regeln in Frankreich zeigen, dass der europäische Trend klar in Richtung eines noch intensiveren Spielerschutzes geht, was langfristig auch die deutschen Regulierungsdebatten beeinflussen dürfte.
Was das für GGL-Casinos heißt
Betreiber mit einer deutschen Lizenz müssen sich darauf einstellen, dass Marketingvorgaben europaweit harmonisiert werden könnten. Während Frankreich bereits eine Vorabprüfung von sechs Monaten verlangt, müssen deutsche Anbieter ebenfalls strenge Richtlinien der GGL befolgen. Ein Verstoß gegen Werbebeschränkungen kann in beiden Ländern zum Entzug der Lizenz führen. Die Kooperation zwischen ANJ und ARPP verdeutlicht, dass die Überwachung nicht mehr nur durch Glücksspielbehörden, sondern zunehmend durch spezialisierte Werbeaufsichtsinstanzen erfolgt. Für GGL-lizenzierte Casinos bedeutet dies einen erhöhten Verwaltungsaufwand bei der Planung von Kampagnen, sichert aber gleichzeitig einen fairen Wettbewerb gegenüber illegalen Anbietern ohne Lizenz, die oft aggressiv und ohne Spielerschutz werben.
Häufige Fragen
Was ist das JONUM-Projekt in Frankreich?
JONUM steht für Spiele mit monetarisierbaren digitalen Objekten und regelt seit Anfang 2026 die Integration von NFTs und Krypto-Assets im Glücksspiel. Es schafft einen rechtlichen Rahmen für neue Technologien, um Spieler vor unregulierten Marktbereichen zu schützen.
Welche neuen Werbeverbote plant die ANJ?
Die Behörde prüft ein Whistle-to-Whistle-Verbot für Sportwetten-Werbung, das Anzeigen kurz vor, während und kurz nach Sportübertragungen verbietet. Zudem dürfen keine Sportlerbilder verwendet werden, die eine besondere Anziehungskraft auf Minderjährige ausüben.
Müssen Betreiber ihre Werbung vorab genehmigen lassen?
Ja, lizenzierte Anbieter in Frankreich müssen ihre gesamten Marketing- und Kampagnenpläne sechs Monate vor der geplanten Veröffentlichung bei der ANJ zur Prüfung einreichen. Dies umfasst auch Budgets für Sponsoring und soziale Medien.
Wie reagiert Frankreich auf die Zunahme von Spielsucht-Anfragen?
Nach einem Anstieg der Anfragen um 44 Prozent im Jahr 2024 plant die ANJ bis 2026 den Einsatz von Algorithmen zur Früherkennung. Zudem werden spezielle Verlustlimits für junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren diskutiert.
Gelten diese Regeln auch für Spieler in Deutschland?
Nein, für deutsche Spieler gilt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die Aufsicht durch die GGL. Allerdings orientieren sich europäische Regulierer oft aneinander, weshalb ähnliche Verschärfungen bei der Werbung auch in Deutschland jederzeit Thema werden können.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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