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Regulierung

Großbritannien: Konservative fordern Glücksspielverbot für Arbeitslose

24. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Großbritannien: Konservative fordern Glücksspielverbot für ArbeitsloseKI-GENERIERT

Die britische Conservative Party plant eine drastische Reform: Langzeitarbeitslose sollen Sozialleistungen über eine Karte erhalten, die Käufe bei Glücksspielanbietern blockiert. Jährlich sollen so 538 Millionen Pfund gespart werden.

In der britischen Politik bahnt sich eine heftige Debatte über die finanzielle Eigenverantwortung von Sozialleistungsempfängern an. Die Conservative Party hat Pläne vorgelegt, nach denen Bezieher von Arbeitslosengeld künftig daran gehindert werden sollen, staatliche Mittel für Glücksspiele, Alkohol oder Tabakwaren auszugeben. Der Vorschlag sieht vor, dass Betroffene eine spezielle Bezahlkarte erhalten, die den Zugriff auf bestimmte Warengruppen technisch blockiert und gleichzeitig Bargeldabhebungen unterbindet. Damit reagieren die Tories auf eine wachsende Belastung des Sozialsystems und fordern eine stärkere Zweckbindung der Steuergelder.

Die Initiative zielt primär auf Langzeitarbeitslose ab, die seit mehr als sechs Monaten ohne Beschäftigung sind und als arbeitsfähig eingestuft wurden. Besonders brisant ist die geplante finanzielle Sanktionierung: Personen ohne ausreichende Beitragszeiten in der Arbeitslosenversicherung müssten mit einer Kürzung ihres Universal Credit um 30 Prozent rechnen. Diese reduzierten Bezüge würden dann ausschließlich über die neue Karte ausgezahlt. Die Parteivorsitzende der Konservativen, Kemi Badenoch, begründet diesen harten Kurs mit einer moralischen Verpflichtung gegenüber den Steuerzahlern. Sie betont, dass das Sozialsystem ein Sicherheitsnetz sein müsse und keine bewusste Lebensstilentscheidung für diejenigen, die sich nicht um Arbeit bemühen.

„Die beste Sozialleistung ist ein gut bezahlter Job. Deshalb werden wir hart gegen diejenigen vorgehen, die das System ausnutzen, denn das derzeitige System ist unfair gegenüber Arbeitnehmern, Steuerzahlern und denjenigen, die wirklich Unterstützung benötigen.“ - Kemi Badenoch, Vorsitzende der Conservative Party

Zahlen und Fakten

Der wirtschaftliche Rahmen des Vorschlags ist beachtlich. Nach Schätzungen der Konservativen könnten durch die Reform jährlich rund 538 Millionen Pfund eingespart werden. Betroffen wären etwa 350.000 Menschen, die in das neue System der Subsistence Allowance überführt würden. In diesem Modell erhalten Empfänger nur noch 70 Prozent des Standardbetrags des Universal Credit. Ein interessantes Detail der geplanten Gesetzgebung ist die Anrechnung von Arbeitsjahren: Für jeweils zwei Jahre, die ein Bürger in einem Beschäftigungsverhältnis verbracht hat, soll er einen Anspruch auf ein weiteres Jahr des vollen Regelsatzes ohne Einschränkungen erwerben. Dies soll langjährige Beitragszahler vor plötzlicher Armut schützen, falls sie im Alter arbeitslos werden.

Die Kritik an dem Vorhaben ließ nicht lange auf sich warten. Vertreter der Labour-Party bezeichnen die Pläne als unpraktikabel und werfen den Konservativen vor, während ihrer 14-jährigen Regierungszeit keine sinnvollen Reformen umgesetzt zu haben. Auch Hilfsorganisationen wie die Wohltätigkeitsorganisation Trussell warnen vor den Folgen. Helen Barnard, Direktorin für Politik und Forschung bei Trussell, bezeichnete die Vorschläge als zutiefst fehlgeleitet. Sie wies darauf hin, dass der Universal Credit schon jetzt kaum ausreiche, um Grundbedürfnisse wie Lebensmittel und Heizung zu decken. Eine weitere Kürzung und Bevormundung würde die Gesundheit der Betroffenen gefährden und den Weg zurück in den Arbeitsmarkt eher erschweren als erleichtern.

Hintergrund

Großbritannien steht mit solchen Überlegungen nicht allein da. Länder wie Brasilien und Singapur haben bereits ähnliche Mechanismen implementiert, um Sozialhilfeempfänger vom Glücksspiel fernzuhalten. Armenien plant die Einführung eines solchen Verbots für Januar 2027, und auch Zypern prüft derzeit die technische Umsetzung. In der aktuellen britischen Regierung unter Premierminister Andy Burnham gibt es zwar ebenfalls Bestrebungen, die Sozialausgaben zu senken, doch lehnt Labour „plumpe Kürzungen“ und diskriminierende Kartensysteme bisher ab. Dennoch bleibt der Druck auf den Glücksspielsektor hoch, da Schatzkanzler John Healey Berichten zufolge eine Erhöhung der Machine Games Duty für das kommende Budget erwägt.

Der Schatteninnenminister Chris Philp verteidigte die Pläne in einem Interview mit Times Radio und zog Parallelen zu Bezahlkarten für Asylbewerber. Er argumentierte, dass es moralisch falsch sei, wenn hart erarbeitete Steuergelder von Kriminellen oder Langzeitarbeitslosen für Suchtmittel und Wetten ausgegeben werden. Philp betonte, dass es bei etwa einer halben Million Leistungsempfängern mit strafrechtlichen Verurteilungen notwendig sei, die Kontrolle über die Mittelverwendung zurückzugewinnen.

„Das Geld der Steuerzahler, Menschen, die hart gearbeitet und ihre Steuern gezahlt haben, sollte nicht von Kriminellen für Alkohol und Glücksspiel ausgegeben werden.“ - Chris Philp, Schatteninnenminister der Conservative Party

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler hat diese britische Debatte vorerst keine direkten rechtlichen Auswirkungen, verdeutlicht aber den globalen Trend zu restriktiveren Maßnahmen im Spielerschutz und bei der Überwachung von Zahlungsströmen. In Deutschland ist die Situation durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 bereits streng geregelt. Hierzulande gibt es zwar kein spezifisches Verbot für Sozialhilfeempfänger, doch sorgen Instrumente wie das LUGAS-System und die OASIS-Sperrdatei für eine lückenlose Überwachung des Spielverhaltens. Mit dem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten sind Hürden gesetzt, die exzessives Spiel mit staatlichen Mitteln indirekt begrenzen sollen. Wer in Deutschland legal spielen möchte, ist auf die GGL-Whitelist angewiesen, da nur dort die Einhaltung dieser strengen Schutzvorschriften garantiert ist.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen bereits jetzt strenge Identitätsprüfungen und Bonitätsabgleiche durchführen. Die britische Debatte könnte jedoch auch in Deutschland die Diskussion befeuern, ob die soziale Herkunft der Mittel noch genauer geprüft werden muss. Aktuell konzentrieren sich deutsche Anbieter darauf, die technischen Anforderungen von LUGAS und OASIS umzusetzen. Ein automatisierter Abgleich mit dem Status des Sozialleistungsbezugs, wie er in Großbritannien durch die Back-to-Work-Karte technisch forciert würde, wäre in Deutschland datenschutzrechtlich eine enorme Hürde. Dennoch zeigt das Beispiel, dass der politische Druck auf lizenzierte Anbieter wächst, sicherzustellen, dass keine Gelder aus prekären Verhältnissen in den Glücksspielkreislauf fließen.

Häufige Fragen

Was genau ist die geplante Back-to-Work-Karte in Großbritannien?

Es handelt sich um eine spezielle Debitkarte für Langzeitarbeitslose, die technische Sperren für Glücksspiel, Alkohol und Tabak enthält. Zudem soll mit dieser Karte kein Bargeld abgehoben werden können, um die Verwendung der staatlichen Gelder zu kontrollieren.

Wie viel Geld will der britische Staat durch diese Reform einsparen?

Die Conservative Party schätzt die jährlichen Einsparungen auf etwa 538 Millionen Pfund. Diese Summe ergibt sich primär aus der 30-prozentigen Kürzung der Bezüge für rund 350.000 betroffene Personen.

Gibt es solche Verbote bereits in anderen Ländern?

Ja, Länder wie Brasilien und Singapur haben bereits Verbote für Sozialhilfeempfänger im Glücksspielbereich umgesetzt. Armenien wird eine ähnliche Regelung im Januar 2027 einführen, und auch Zypern zieht entsprechende Schritte in Erwägung.

Welche Kritik gibt es an dem Vorschlag der Konservativen?

Die Labour-Party und Hilfsorganisationen wie Trussell bezeichnen das Vorhaben als unpraktikabel und diskriminierend. Sie warnen, dass eine Kürzung der Mittel die existenzielle Not verschärft und die Rückkehr in Arbeit durch gesundheitliche und psychische Belastungen behindert.

Dürfen Bezieher von Bürgergeld in Deutschland online spielen?

In Deutschland gibt es kein explizites gesetzliches Verbot für Empfänger von Sozialleistungen. Allerdings greifen die allgemeinen Schutzmechanismen des GlüStV 2021, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und die Pflicht zur Registrierung bei LUGAS, die für alle Spieler in GGL-lizenzierten Casinos gelten.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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