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Kampf um die Freizeit: Online-Glücksspiel verdrängt klassische Videospiele

22. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Kampf um die Freizeit: Online-Glücksspiel verdrängt klassische VideospieleKI-GENERIERT

Ein neuer Bericht von Matthew Ball zeigt, dass Sportwetten und iGaming massiv Marktanteile bei jungen Erwachsenen gewinnen. 59 von 100 US-Bürgern spielen seltener Videospiele.

Die Unterhaltungsindustrie steht vor einem massiven Umbruch, der die Grenzen zwischen Gaming und Gambling weiter verschwimmen lässt. Junge Erwachsene greifen immer seltener zum Controller ihrer Konsole und verbringen stattdessen mehr Zeit mit Sportwetten oder Online-Casinos. Ein aktueller Bericht von Matthew Ball mit dem Titel State of Video Gaming in 2026 verdeutlicht, dass die Aufmerksamkeit der Spieler ein endliches Gut ist, um das nun zwei mächtige Branchen direkt konkurrieren. Obwohl die Reichweite von Videospielen mit 92 Prozent in der Altersgruppe der 18- bis 45-Jährigen nach wie vor gewaltig ist, sinkt die Intensität der Nutzung spürbar.

Der Bericht stützt sich unter anderem auf eine Umfrage von Ipsos, die am 13. und 14. Januar 2026 durchgeführt wurde. Dabei gaben 59 von 100 US-Amerikanern in dieser Altersgruppe an, seltener Videospiele zu spielen als früher. Dieser Rückgang bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Hobbys, sondern vielmehr eine Verschiebung der Prioritäten innerhalb eines begrenzten Zeit- und Geldbudgets. Wenn ein Spieler am Freitagabend vor der Wahl steht, eine neue Mission in einem Rollenspiel zu starten oder Live-Wetten auf ein Fußballspiel zu platzieren, gewinnt immer häufiger die App auf dem Smartphone.

Zahlen und Fakten

Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf die demografische Gruppe der Männer zwischen 18 und 34 Jahren. Diese machen zwar nur 15 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung aus, sind aber die treibende Kraft hinter dem Wachstum des iGaming-Sektors. Laut den Daten des Ipsos Consumer Trackers spielen diese Männer mit einer 2,6-fachen Wahrscheinlichkeit mehrmals pro Woche oder täglich iGaming-Titel im Vergleich zum Durchschnittsbürger. Bei Sportwetten liegt die Wahrscheinlichkeit sogar 3,3-mal so hoch. Gleichzeitig sind genau diese Personen auch doppelt so häufig aktive Konsolen- oder PC-Spieler. Das Glücksspiel greift somit direkt den Kern der Gaming-Zielgruppe an.

Die finanziellen Dimensionen dieser Verschiebung sind beeindruckend. Während die jährlichen Ausgaben für Videospielinhalte in den USA von 2021 bis 2025 fast stagnierten (ein Rückgang von 52,49 Milliarden auf 52,30 Milliarden Dollar), explodierten die kombinierten Ausgaben für Dienste wie OnlyFans, Sportwetten und iGaming im selben Zeitraum von 11,3 Milliarden auf 32,8 Milliarden Dollar. Weltweit erwirtschafteten legale Glücksspielmärkte im Jahr 2025 einen Bruttospielertrag (GGR) von 54 Milliarden Dollar, was etwa 45 Prozent der weltweiten Ausgaben für Videospiele entspricht. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag dieser Wert noch bei lediglich 11 Milliarden Dollar.

Hintergrund

Der Wettbewerb findet mittlerweile minutengenau statt. Während ein Spieler in der Lobby eines Multiplayer-Shooters auf den Start der nächsten Runde wartet, ploppt eine Benachrichtigung für Live-Quoten auf dem Smartphone auf. Die Mechaniken und das Design moderner Slots ähneln zudem immer stärker mobilen Videospielen, was den Übergang für junge Nutzer erleichtert. Matthew Ball weist darauf hin, dass die Benutzeroberflächen oft identisch wirken, der Einsatz von echtem Geld jedoch das Risiko fundamental verändert. Viele Publisher reagieren auf diesen Druck, indem sie selbst verstärkt auf zufallsbasierte Monetarisierung wie Lootboxen setzen, was jedoch rechtliche Kritik nach sich zieht.

„Konsolen-Gaming verschwindet nicht. Es handelt sich um kleinere Transfers, die sich bei Millionen von Menschen wiederholen: eine hier verkürzte Sitzung, ein dort ausgelassener Kauf.“ - Matthew Ball, Autor des Berichts State of Video Gaming in 2026

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist dieser Trend durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng reglementiert. Während US-Spieler oft in weniger kontrollierten Umgebungen agieren, bietet die deutsche Gesetzgebung durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) einen klaren Rahmen. Deutsche Spieler unterliegen einem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das LUGAS-System überwacht wird. Zudem gilt an Online-Spielautomaten ein Einsatzlimit von maximal 1 Euro pro Spin. Diese Regeln dienen dem Spielerschutz und sollen verhindern, dass die von Matthew Ball beschriebene Budgetverschiebung zu finanzieller Überlastung führt. Eine Studie von Michael Auer und Mark D. Griffiths zeigt zudem, dass deutsche Spieler im internationalen Vergleich deutlich weniger ausgeben. Der Median der Verluste lag in Deutschland bei lediglich 15 Euro, während in den USA und Kanada wesentlich höhere Summen gesetzt wurden. Dies unterstreicht die Wirksamkeit der deutschen Regulierung im Vergleich zu liberaleren Märkten.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Anbieter mit GGL-Lizenz bedeutet die Konkurrenz durch Videospiele, dass sie Qualität und Seriosität in den Vordergrund stellen müssen. Deutsche Plattformen kämpfen nicht nur gegen illegale MGA- oder Curacao-Anbieter, sondern eben auch um die Zeit, die Nutzer sonst in FIFA oder Call of Duty investieren würden. Durch die strengen Vorgaben zu Werbezeiten und der Trennung von Sportwetten und Casinospielen auf derselben Domain müssen lizenzierte Anbieter durch technologische Innovation und Sicherheit überzeugen. Die Tatsache, dass Esports-Wettende laut wissenschaftlichen Erkenntnissen häufiger zu problematischem Spielverhalten neigen, verpflichtet GGL-Casinos zur strikten Einhaltung der Früherkennungssysteme.

Häufige Fragen

Warum spielen junge Erwachsene weniger Videospiele?

Laut dem Bericht von Matthew Ball konkurrieren Online-Glücksspiele und Sportwetten zunehmend um die Freizeit und das Budget der 18- bis 45-Jährigen. Viele Spieler nutzen Wartezeiten in Videospiel-Lobbys für Wetten auf ihrem Smartphone, wodurch die reine Gaming-Zeit sinkt.

Welche Rolle spielen Männer zwischen 18 und 34 Jahren?

Diese Gruppe ist besonders affin für beide Welten. Sie spielen doppelt so häufig wie der Durchschnittsbürger PC- oder Konsolenspiele, nutzen aber auch 2,6-mal häufiger iGaming-Angebote und schließen 3,3-mal häufiger Sportwetten ab.

Wie haben sich die Ausgaben für Glücksspiel weltweit entwickelt?

Die Bruttospielerträge in legalen Märkten stiegen von rund 11 Milliarden Dollar im Jahr 2019 auf beeindruckende 54 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Dies entspricht fast der Hälfte der weltweiten Ausgaben für Videospielinhalte.

Gibt es Unterschiede im Spielverhalten zwischen Deutschland und den USA?

Ja, deutsche Spieler wetten und verlieren im Median deutlich geringere Beträge als Spieler in den USA oder Kanada. Dies wird auf die strengeren regulatorischen Maßnahmen in Deutschland zurückgeführt, wie etwa das 1-Euro-Einsatzlimit.

Was bedeutet das Einzahlungslimit für deutsche Spieler?

In Deutschland gilt durch den GlüStV 2021 ein monatliches Limit von 1.000 Euro für Einzahlungen bei lizenzierten Anbietern. Dieses Limit wird über das zentrale System LUGAS überwacht, um den Spielerschutz zu gewährleisten und Suchtgefahren zu minimieren.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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