Gibraltars Glücksspielmarkt im Wandel: Zwischen Kündigungen und neuem Gesetz
KI-GENERIERTTrotz Stellenstreichungen bei Branchenriesen wie bet365 und Entain verteidigt Gibraltars Regulator Andrew Lyman den Status des Territoriums als erstklassiges iGaming-Zentrum.
Der Wind auf dem Felsen von Gibraltar weht derzeit etwas rauer für die Glücksspielbranche. In den letzten Monaten häuften sich Meldungen über Umstrukturierungen und den Abbau von Arbeitsplätzen bei namhaften Anbietern. Doch Andrew Lyman, der Glücksspielkommissar von Gibraltar, lässt keine Zweifel an der Zukunftsfähigkeit seines Standorts aufkommen. Er betont, dass das iGaming-Modell des britischen Überseegebiets keineswegs am Ende ist, sondern sich in einer notwendigen Anpassungsphase befindet. Die Branche bleibe lebendig, auch wenn die Schlagzeilen über Entlassungen derzeit einen Schatten auf den Sektor werfen.
Die aktuelle Situation ist geprägt von einem komplexen Mix aus regulatorischen Änderungen im Vereinigten Königreich und globalen wirtschaftlichen Effizienzbestrebungen. Lyman räumt ein, dass die kumulativen Auswirkungen von Medienberichten über Entlassungen in verschiedenen Gerichtsbarkeiten verunsichern können. Er teilt jedoch nicht die Ansicht derer, die in den sinkenden Beschäftigungszahlen einen terminalen Niedergang sehen. Vielmehr gehe es darum, dass Unternehmen ihre Kostenstrukturen schärfen und verstärkt auf Automatisierung sowie Künstliche Intelligenz setzen, um im harten Wettbewerb zu bestehen.
Zahlen und Fakten
Die nackten Zahlen verdeutlichen den Druck auf die Unternehmen. Lottoland begann im Juli mit Konsultationen über Entlassungen und verwies auf regulatorische Entwicklungen, welche die Profitabilität beeinträchtigen. Entain plant den Abbau von 400 bis 500 Stellen in verschiedenen Märkten. Besonders deutlich wurde die Belastung durch bet365, wo rund 40 Stellen in Gibraltar und Malta zur Disposition stehen, während das Unternehmen insgesamt etwa 340 Arbeitsplätze streicht. Ein massiver Faktor ist dabei die steuerliche Belastung im Vereinigten Königreich. Die Remote Gaming Duty für Online-Casinos soll dort von 21 auf 40 Prozent ab April 2026 steigen. Bei Online-Wetten klettert der Steuersatz von 15 auf 25 Prozent ab April 2027.
„Diejenigen, die Gibraltar als Tier-1-Glücksspielzentrum abschreiben, liegen falsch. Das Modell steht unter Druck, ist aber noch lange nicht erschöpft." - Andrew Lyman, Gambling Commissioner bei Gibraltar Gambling Division
Diese steuerlichen Anpassungen im britischen Herbstbudget des vergangenen Jahres haben viele Betreiber dazu gezwungen, ihre Standortstrategien zu überdenken. Dennoch sieht Lyman Gibraltar weiterhin als attraktiven Hub für Lizenzen, sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich. Das neue Gambling Act 2025 spiele hierbei eine Schlüsselrolle, da es die regulatorische Substanz stärkt und sicherstellt, dass Unternehmen nicht nur Briefkastenfirmen unterhalten, sondern echte wirtschaftliche Aktivität vor Ort zeigen.
Hintergrund
Gibraltar hat eine lange Tradition als Pionier der Glücksspielregulierung. Mit dem Gambling Act 2025, der das alte Gesetz von 2005 ablöst, reagiert das Territorium auf die Post-Brexit-Landschaft. Seit dem 1. Oktober 2025 gilt das neue Rahmenwerk mit einer Übergangsfrist von sechs Monaten. Es führt unter anderem ein System für zugelassene Personen ein, bei dem Führungskräfte persönlich lizenziert werden müssen. Zudem gibt es nun spezifische Lizenzkategorien für Marketing-Dienstleister und Software-Hosting, was die gesamte Wertschöpfungskette unter staatliche Aufsicht stellt. Ein wichtiger Schritt war zudem die Streichung Gibraltars von der Liste der Hochrisikogebiete der Europäischen Kommission, was das Vertrauen internationaler Banken und Partner zurückgewinnen soll.
Ein neuer Wachstumspfad wird in sogenannten Prognosemärkten gesehen. Im April 2025 wurde die erste Lizenz in Europa für eine solche Plattform an ADI Predictstreet vergeben. Seit Juli existiert ein dedizierter regulatorischer Rahmen für diese Kategorie. Dies zeigt, dass Gibraltar versucht, durch technologische Nischen und moderne Gesetzgebung den Verlust an Massengeschäft in klassischen Bereichen auszugleichen. Die enge Zusammenarbeit mit der britischen Gambling Commission, manifestiert in einem Memorandum of Understanding, sichert zudem den Zugang zum wichtigen britischen Markt, was Gibraltar von Konkurrenten wie Malta oder Curacao abhebt.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler bleibt die Situation eindeutig: Anbieter, die lediglich über eine Lizenz aus Gibraltar verfügen, agieren auf dem deutschen Markt ohne die notwendige nationale Erlaubnis. Seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) ist eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) zwingend erforderlich. Gibraltar-basierte Unternehmen wie Entain oder bet365 besitzen für ihre deutschen Ableger solche Lizenzen, müssen sich dort aber strengen Regeln beugen. Dazu gehören das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten.
Wer in Deutschland sicher spielen möchte, sollte stets die offizielle Whitelist der GGL prüfen. Ein Anbieter aus Gibraltar bietet zwar oft ein breiteres Spielangebot ohne 5-Sekunden-Regel, doch fehlt hier der Anschluss an das Spielersperrsystem OASIS und das Kontrollsystem LUGAS. Deutsche Kunden genießen bei GGL-lizenzierten Casinos einen wesentlich höheren Rechtsschutz bei Streitigkeiten um Auszahlungen oder Spielerschutzmaßnahmen. Die regulatorische Aufrüstung in Gibraltar durch das neue Gesetz 2025 ändert nichts an der Tatsache, dass für den deutschen Markt ausschließlich deutsches Recht maßgeblich ist.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Casinos mit deutscher GGL-Lizenz bedeutet die Entwicklung in Gibraltar eine Stabilisierung der Wettbewerbsbedingungen. Da große Konzerne ihre Strukturen in Gibraltar straffen und die regulatorischen Anforderungen dort steigen, sinkt der Anreiz, den deutschen Markt über Graumarkt-Angebote zu bedienen. Die Erhöhung der Substanzanforderungen in Gibraltar durch den Gambling Act 2025 zwingt Unternehmen dazu, ihre Compliance-Abteilungen ernsthafter zu besetzen, was indirekt auch der Einhaltung deutscher Regeln zugutekommt. Die Einführung des Gambling Appeals Tribunal in Gibraltar zeigt zudem, dass auch dort die Rechtssicherheit für Betreiber gestärkt wird, was den gesamten europäischen Markt für seriöse Investoren attraktiver macht.
Häufige Fragen
Warum bauen Glücksspielanbieter in Gibraltar Stellen ab?
Hauptgründe sind Effizienzsteigerungen durch KI und Automatisierung sowie die Erhöhung der britischen Glücksspielsteuer auf bis zu 40 Prozent. Unternehmen wie Entain und bet365 reagieren damit auf den steigenden Kostendruck im internationalen Wettbewerb.
Was ändert das neue Gambling Act 2025 in Gibraltar?
Das Gesetz modernisiert die Regulierung und verlangt von Lizenznehmern eine echte wirtschaftliche Präsenz vor Ort statt reiner Briefkastenfirmen. Zudem werden Senior-Manager persönlich lizenziert und neue Kategorien wie Prognosemärkte rechtlich abgesichert.
Ist eine Lizenz aus Gibraltar in Deutschland gültig?
Nein, für das Angebot von Online-Glücksspiel in Deutschland ist zwingend eine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erforderlich. Gibraltar-Lizenzen allein berechtigen nicht zum legalen Betrieb auf dem deutschen Markt.
Wie wird der Spielerschutz in Gibraltar kontrolliert?
Der Gambling Commissioner Andrew Lyman überwacht die Einhaltung der Regeln und verfügt über weitreichende Befugnisse wie Bußgelder und Lizenzentzüge. Ein neues Berufungsgericht ermöglicht es Unternehmen zudem, regulatorische Entscheidungen unabhängig prüfen zu lassen.
Was müssen deutsche Spieler beim Spielen in GGL-Casinos beachten?
Spieler unterliegen in Deutschland strengen Schutzmaßnahmen wie dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro und dem Anschluss an die Sperrdatenbank OASIS. Diese Regeln gelten unabhängig davon, ob der Hauptsitz des Unternehmens in Gibraltar oder einem anderen Land liegt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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