Steuer-Hammer in Großbritannien: HMRC plant radikale Reform für Online-Boni
KI-GENERIERTDie britische Finanzbehörde HMRC will die Besteuerung von Freispielen und Bonusangeboten grundlegend ändern. Ab April 2027 könnten neue Regeln für die Remote Games Duty gelten.
Die britische Finanzbehörde HM Revenue and Customs, kurz HMRC, sorgt aktuell für ordentlich Wirbel in der Online-Glücksspielbranche. Mit einem neuen Strategiepapier wird eine tiefgreifende Änderung der Remote Games Duty, kurz RGD, angestrebt. Im Kern geht es darum, wie Gratisangebote, Freispiele und Bonusguthaben steuerlich behandelt werden. Bisher gab es hier oft juristischen Spielraum, den Betreiber geschickt nutzten, um ihre Steuerlast zu drücken. Damit soll nun Schluss sein, denn die Behörde möchte die Gesetze aus dem Jahr 2014 massiv verschärfen.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Vor Kurzem erst musste die HMRC eine herbe Niederlage vor dem Upper Tribunal einstecken. Der Anbieter Jumpman Gaming konnte dort erfolgreich gegen eine Steuerforderung in Höhe von 3,2 Millionen Pfund klagen. Das Gericht entschied, dass die HMRC die Steuerregeln für erneut eingesetzte Bonusgewinne falsch angewendet hatte. Dieser Fall hat eine Lücke im System offengelegt, die nun mit dem Finance Bill 2026 und 2027 gestopft werden soll. Für die Betreiber bedeutet das vor allem eines: Weniger Spielraum bei der steuerfreien Gestaltung von Promotionen.
Zahlen und Fakten
Die geplanten Änderungen sind Teil eines größeren Reformpakets. Ab dem 1. April 2027 sollen die neuen Regeln in Kraft treten. Dabei geht es nicht nur um Wortklaubereien, sondern um handfeste Beträge. Die General Betting Duty soll von aktuell 15 Prozent auf satte 25 Prozent steigen. Auch die Machine Games Duty für die Kategorie B wird von 20 auf 25 Prozent angehoben. Ziel ist eine Harmonisierung der Steuersätze. Aktuell liegt die RGD bei 21 Prozent, während Sportwetten nur mit 15 Prozent besteuert werden. Branchenkenner befürchten, dass diese Angleichung nach oben die Rentabilität vieler Anbieter gefährdet.
„Any potential further increase in taxes on our members, so soon after a white Paper which cost the sector over a billion pounds in lost revenue, will not raise more money for the treasury.“ - Grainne Hurst, CEO bei Betting and Gaming Council (BGC)
Besonders spannend ist die neue Definition von sogenannten Restricted Plays. So möchte die HMRC den Begriff Freeplays ersetzen, um klarzustellen, dass diese Gelder strengen Regeln unterliegen. Ein Gewinn aus einem Freispiel soll künftig nur dann von der Steuerbemessungsgrundlage abgezogen werden dürfen, wenn er ausschließlich für weiteres Remote Gaming genutzt wird und keine sekundären Vorteile wie das Auslösen weiterer Boni generiert.
Hintergrund
Der britische Glücksspielmarkt gilt als einer der am besten regulierten der Welt, steht aber unter konstantem finanziellem Druck. Das Finanzministerium schätzt, dass das Online-Glücksspiel im Vereinigten Königreich einen jährlichen Bruttospielertrag (Gross Gaming Yield, GGY) von etwa 15,6 Milliarden Pfund erwirtschaftet. Davon fließen bereits jetzt rund 3,4 Milliarden Pfund in Form von Verbrauchssteuern an den Staat. Experten wie Dan Waugh von Regulus Partners weisen jedoch darauf hin, dass die Wachstumszahlen der Regierung teilweise auf methodischen Fehlern beruhen könnten, da die Besteuerung erst Ende 2014 auf das Point-of-Consumption-Modell umgestellt wurde.
Die HMRC möchte mit den neuen Befugnissen für ihre Kommissare sicherstellen, dass Zahlungen für Glücksspiele nicht einfach als verzichtet oder ignoriert gewertet werden können. Auch die Definition eines Preises wird verengt. Ein Betrag gilt nur dann als Preis, wenn er strikt nach den veröffentlichten Regeln eines Spiels ausgezahlt wird. Das klingt nach bürokratischer Kleinarbeit, hat aber massive Auswirkungen auf die Berechnung des steuerpflichtigen Gewinns der Casinos.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden, die bei Anbietern mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) spielen, hat die britische Steuerreform keine direkten Auswirkungen auf ihre Einsätze. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) alles Wesentliche. Hierzulande wird die Spieleinsatzsteuer von 5,03 Prozent direkt vom Einsatz abgezogen oder vom Anbieter übernommen. Die britischen Pläne zeigen jedoch einen globalen Trend: Regierungen versuchen verstärkt, die sprudelnden Einnahmen aus dem Online-Sektor zur Haushaltskonsolidierung zu nutzen. Deutsche Spieler profitieren bei GGL-lizenzierten Anbietern von hohen Sicherheitsstandards, wie dem Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an Slots. Diese Regeln dienen dem Spielerschutz, während die britische Reform primär fiskalische Interessen verfolgt.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos auf der Whitelist müssen sich zwar nicht nach der HMRC richten, beobachten solche Entwicklungen aber genau. Sollten internationale Konzerne, die sowohl in UK als auch in Deutschland tätig sind, durch die höheren Steuern in Großbritannien unter Druck geraten, könnten Bonusangebote auch hierzulande knapper ausfallen. Der Fokus auf LUGAS und die strikte Einhaltung der deutschen Gesetze schützt die hiesigen Anbieter jedoch vor solchen unerwarteten Steuernachzahlungen, wie sie Jumpman Gaming in London erleben musste. In Deutschland sind die Steuerregeln für Boni und Einsätze durch das Rennwettin- und Lotteriegesetz bereits sehr klar definiert, was für Rechtssicherheit sorgt, die man in Großbritannien nun erst mühsam durch neue Gesetze wiederherstellen will.
Häufige Fragen
Was ändert sich bei der Besteuerung von Freispielen in Großbritannien?
Die HMRC plant, Freispiele in Restricted Plays umzubenennen und die Regeln für deren Abzugsfähigkeit zu verschärfen. Boni sollen nur noch unter sehr strengen Bedingungen nicht zum steuerpflichtigen Umsatz zählen.
Warum kommt diese Gesetzesänderung gerade jetzt?
Auslöser war ein verlorener Prozess gegen den Anbieter Jumpman Gaming, bei dem es um 3,2 Millionen Pfund Steuern ging. Die Behörde will nun rechtliche Lücken schließen, um künftige Einnahmen zu sichern.
Wie hoch sollen die Steuersätze in UK steigen?
Geplant ist eine Anhebung der General Betting Duty auf 25 Prozent ab April 2027. Auch die Machine Games Duty für bestimmte Kategorien soll auf diesen Wert steigen.
Hat das Auswirkungen auf Online-Casinos in Deutschland?
Direkt nicht, da deutsche Anbieter der GGL-Aufsicht und dem deutschen Steuerrecht unterliegen. Indirekt könnten internationale Anbieter jedoch ihre globalen Bonusstrategien anpassen.
Sind Bonusangebote in Deutschland sicher?
Ja, in Deutschland sind Boni durch den GlüStV 2021 reguliert. Spieler sollten nur in Casinos mit GGL-Lizenz spielen, da hier die Einhaltung aller steuerlichen und rechtlichen Vorgaben garantiert ist.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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