Vom Broker zum Buchmacher: IG Group beantragt britische Glücksspiellizenz
KI-GENERIERTDie IG Group plant für 2027 den Einstieg in Prognosemärkte für Sport, Politik und Unterhaltung. Dafür wurde bereits eine UK-Lizenz beantragt.
Die IG Group, ein Schwergewicht im Bereich des Online-Brokerage, vollzieht einen bemerkenswerten Strategiewechsel. Das an der Londoner Börse notierte Unternehmen hat offiziell eine Glücksspiellizenz im Vereinigten Königreich beantragt. Ziel ist es, sogenannte Prognosemärkte (Prediction Markets) zu etablieren, die weit über das klassische Finanztrading hinausgehen. Ab Anfang 2027 sollen Kunden auf Ausgänge in den Bereichen Sport, Politik und Unterhaltung setzen können. Dieser Schritt verdeutlicht, wie sehr die Grenzen zwischen Investieren und Wetten in der modernen digitalen Wirtschaft verschwimmen.
Die Expansion erfolgt in Phasen und ist eng mit regulatorischen Hürden verknüpft. Bereits im vierten Quartal 2026 möchte die IG Group Finanzprognosemärkte für professionelle Kunden in Großbritannien einführen. Hierbei geht es um Positionen auf finanzielle Ereignisse, die unter die Aufsicht der Financial Conduct Authority (FCA) fallen könnten. Doch für die geplanten Wetten auf Fußballspiele, Wahlergebnisse oder Preisverleihungen ist die UK Gambling Commission (UKGC) zuständig. Die IG Group passt sich damit einer Klarstellung der UKGC vom Februar 2026 an, wonach viele Prognosemarkt-Modelle als Wettvermittlung eingestuft werden.
Zahlen und Fakten
Ein zentraler Baustein der globalen Strategie ist die geplante Übernahme des US-Unternehmens Underdog, das auf Daily Fantasy Sports und Prognosemärkte spezialisiert ist. Dieser Deal hat ein potenzielles Gesamtvolumen von etwa 1,3 Milliarden US-Dollar. Die Transaktion wurde bereits im Juli 2026 angekündigt und soll Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen werden. Die wirtschaftliche Relevanz dieser Neuausrichtung zeigen die aktuellen Geschäftszahlen: Die Zahl der aktiven Kunden im britischen Consumer-Bereich wuchs in den letzten 21 Monaten doppelt so schnell wie im Rest der Sparte. Zudem generieren Kunden, die mehrere Produkte nutzen, etwa das Dreifache des durchschnittlichen Umsatzes pro Nutzer (ARPU) im Vergleich zu Single-Produkt-Kunden.
Breon Corcoran, CEO der IG Group, sieht in der Verschmelzung von Märkten die Zukunft des Unternehmens. In einem Statement während einer Kapitalmarktveranstaltung am 22. Oktober betonte er das Potenzial dieser Entwicklung:
„Trading, Investieren und Unterhaltung wachsen zusammen, und IG ist gut aufgestellt, um diese Chance zu nutzen. Wir werden heute darlegen, wie wir unsere nächste Wachstumsphase einleiten - durch die Verbreiterung und Bereicherung unserer Angebote, Investitionen in unsere Marken und die Steigerung der Effizienz.“ - Breon Corcoran, CEO der IG Group
Hintergrund
Die IG Group hat ihre Struktur in drei Geschäftsbereiche neu geordnet: IG Consumer, IG Securities und tastytrade. Diese Umstrukturierung soll das internationale Wachstum fördern und die Integration von Trading, Investment und Krypto-Diensten erleichtern. Die Notwendigkeit zur Diversifizierung wurde auch durch einen Rückgang des Umsatzes im dritten Quartal um 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr deutlich. Durch den Einstieg in den Bereich der Sportwetten und politischen Wetten versucht das Unternehmen, neue Zielgruppen zu erschließen und die Abhängigkeit von der Volatilität an den Finanzmärkten zu verringern. In den USA hat der Ableger tastytrade bereits Finanzprognosemärkte gestartet, dort allerdings ohne Sportverträge.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Kunden ändert sich kurzfristig nichts, da der Antrag sich explizit auf den britischen Markt bezieht. In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng definiert. Anbieter von Sportwetten oder anderen Glücksspielen müssen auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Prognosemärkte, wie sie IG plant, müssten in Deutschland als Wetten eingestuft und lizenziert werden, was aufgrund der strikten Trennung von Finanzprodukten und Glücksspiel regulatorisch komplex wäre. Deutsche Spieler profitieren bei lizenzierten Anbietern von Schutzmaßnahmen wie dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Slots. Die Anbindung an LUGAS und OASIS stellt zudem sicher, dass Spielerschutz oberste Priorität hat. Ein Angebot der IG Group ohne GGL-Lizenz wäre für deutsche Nutzer illegal.
Was das für GGL-Casinos heißt
Sollte ein Finanzriese wie die IG Group jemals den deutschen Markt ins Visier nehmen, würde der Konkurrenzdruck auf bestehende GGL-lizenzierte Betreiber massiv steigen. Die enorme Kapitalkraft und die technologische Infrastruktur eines etablierten Brokers könnten den Markt für Sportwetten und Spezialwetten aufwirbeln. Derzeit konzentriert sich die GGL jedoch stark auf die Durchsetzung des GlüStV 2021, insbesondere im Hinblick auf Spielerschutz und die Bekämpfung von Schwarzmarktangeboten aus Malta oder Curacao. Ein seriöser Akteur, der bereits FCA-reguliert ist, würde vermutlich den legalen Weg über eine GGL-Lizenz suchen, was den legalen Markt stärken könnte. Dennoch bleibt abzuwarten, ob die IG Group ihre Strategie über die Grenzen von UK und USA hinaus auf den restriktiven EU-Kontinentalmarkt ausweitet.
Häufige Fragen
Welche neuen Märkte will die IG Group erschließen?
Das Unternehmen plant den Einstieg in Prognosemärkte für sportliche Ereignisse, politische Entwicklungen und Unterhaltungsthemen. Diese sollen das bisherige Angebot aus Finanztrading und Investments ergänzen.
Wann sollen die neuen Wetten verfügbar sein?
Finanzprognosemärkte für professionelle Kunden in UK sind für das vierte Quartal 2026 geplant. Die breitere Einführung für Sport und Politik soll nach Erhalt der Lizenz Anfang 2027 erfolgen.
Wie teuer war die Übernahme des US-Partners Underdog?
Die IG Group hat vereinbart, das US-Unternehmen für eine potenzielle Gesamtsumme von bis zu 1,3 Milliarden US-Dollar zu übernehmen. Der Abschluss dieser Transaktion wird für den Jahreswechsel 2026 auf 2027 erwartet.
Darf ich als deutscher Spieler bei der IG Group wetten?
Aktuell ist das Angebot auf den britischen Markt ausgerichtet und besitzt keine Lizenz der GGL für Deutschland. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern wetten, die auf der offiziellen Whitelist stehen, um rechtlich abgesichert zu sein.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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