Jugendschutz im Visier: Experten aus 17 Ländern beraten über Online-Risiken
KI-GENERIERTIn Malta trafen sich Vertreter aus 17 Nationen, um neue Strategien gegen Online-Glücksspielsucht bei Jugendlichen zu entwickeln. Im Fokus standen Prävention und grenzübergreifende Kooperation.
Die digitale Welt verändert sich rasant, und mit ihr wachsen die Herausforderungen für den Jugendschutz. In Valletta, Malta, kamen am 22. und 23. September 2026 hochrangige Experten und Regierungsvertreter aus insgesamt 17 Ländern zusammen, um über den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Risiken des Online-Glücksspiels und des digitalen Gamings zu debattieren. Die Konferenz markiert einen wichtigen Meilenstein in der europäischen Zusammenarbeit, da sie unter der Schirmherrschaft des Europarates und in Kooperation mit der Europäischen Kommission stattfand. Es geht längst nicht mehr nur um lokale Probleme, sondern um eine globale Strategie gegen Suchtgefahren.
Besonders auffällig war bei den Gesprächen in Malta, dass die klassische Trennung zwischen Videospielen und Glücksspiel immer weiter aufweicht. Mechanismen wie Lootboxen oder kostenpflichtige Zufallselemente in Videospielen führen dazu, dass junge Menschen bereits früh mit glücksspielähnlichen Strukturen in Kontakt kommen. Die Teilnehmer betonten, dass die psychische Gesundheit der nächsten Generation direkt davon abhängt, wie effektiv Regulierungsbehörden und soziale Dienste auf diese Entwicklungen reagieren. Dabei wurden nicht nur Gefahren wie finanzielle Verluste, sondern auch toxisches Verhalten, Hassrede und politische Einflussnahme in Spielumgebungen thematisiert.
Zahlen und Fakten
An der Konferenz nahmen Fachleute aus Ländern wie Deutschland, Dänemark, Portugal, Polen, Finnland und der Schweiz teil. Ein zentrales Dokument der Beratungen war der Review of International Practices, der im Rahmen des TSI-Projekts (Technical Support Instrument) erstellt wurde. Dieser Bericht identifiziert übertragbare Ansätze in den Bereichen Prävention, Behandlung und Schadensminderung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Gaming-Störungen und Glücksspielsucht bereits in das Klassifikationssystem ICD-11 aufgenommen, was die medizinische Relevanz unterstreicht.
Mia Mardešić, Leiterin der Abteilung für Glücksspiel- und Internetsuchtprogramme am kroatischen Institut für öffentliche Gesundheit, betonte die Bedeutung des Treffens:
„Ich fand die Konferenz in Malta äußerst wertvoll, insbesondere als Gelegenheit für Peer-Learning, Wissensaustausch und die Stärkung der Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Ländern. Der Zeitpunkt der Konferenz war für mich besonders wichtig, da wir derzeit die Machbarkeits- und Kontextbewertung der identifizierten Interventionen durchführen und uns in Richtung ihrer Vorauswahl für die nationale Umsetzung bewegen.“ - Mia Mardešić, Croatian Institute of Public Health
Hintergrund
Die Konferenz wurde durch das Projekt „Promoting the mental health of children and youth by addressing the risks of online gambling and gaming“ unterstützt. Ein wesentlicher Teil der Arbeit findet in der sogenannten Pompidou-Gruppe statt, einer Expertengruppe des Europarates für Suchtfragen. Diese hat spezielle Richtlinien entwickelt, um die Rechte von Kindern im digitalen Umfeld gemäß der Empfehlung CM/Rec(2018)7 zu schützen. Ein großes Problem bleibt die hohe Suizidgefahr bei problematischem Glücksspiel sowie die Tatsache, dass Online-Glücksspieler oft jünger und männlicher sind als Spieler in landbasierten Casinos.
Die Experten wiesen darauf hin, dass die Verfügbarkeit von Online-Angeboten rund um die Uhr die Hemmschwelle massiv senkt. Während in stationären Spielhallen soziale Kontrolle stattfindet, verschwindet diese im digitalen Raum fast vollständig. Daher wird nun an einer Toolbox von Interventionen gearbeitet. In den kommenden Monaten sollen länderübergreifend spezifische Maßnahmen getestet werden, um zu sehen, welche Präventionsprogramme in der Praxis tatsächlich funktionieren und welche nur auf dem Papier gut aussehen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler und insbesondere Eltern bedeutet dieser internationale Austausch eine weitere Bestätigung des strengen Kurses der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Deutschland gilt mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits als Vorreiter bei vielen Schutzmaßnahmen. Die in Malta diskutierten Ansätze wie Selbstsperrsysteme sind in Deutschland durch das OASIS-System bereits Realität. Dennoch zeigen die internationalen Berichte, dass technische Sperren allein nicht ausreichen. Die geforderten Maßnahmen zur Medienkompetenz und zur Sensibilisierung von Lehrkräften dürften in Zukunft auch hierzulande stärker gewichtet werden.
Die strengen Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten sowie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das LUGAS-System überwacht wird, sind genau die Art von regulatorischen Hürden, die auf europäischer Ebene als Best-Practice-Beispiele diskutiert werden. Deutsche Spieler müssen sich darauf einstellen, dass die Identitätsprüfung (KYC-Verfahren) eher noch strenger wird, um Minderjährige konsequent aus den Echtgeld-Bereichen fernzuhalten. Der Schutz vor Sucht steht hier klar über dem Komfort des schnellen Zugangs.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit einer deutschen Lizenz der GGL müssen ihre Verantwortung für den Jugendschutz weiterhin sehr ernst nehmen. Die Konferenz hat klargestellt, dass die Aufsichtsbehörden in Europa enger zusammenrücken. Casinos, die in Deutschland legal agieren, haben einen Wettbewerbsvorteil durch Rechtssicherheit, müssen aber auch mit hohen Kosten für Compliance und Spielerschutz-Algorithmen rechnen. Illegale Anbieter aus dem MGA-Raum (Malta Gaming Authority) oder aus Curacao, die oft schwächere Kontrollen beim Jugendschutz aufweisen, geraten zunehmend ins Visier internationaler Strafverfolgungsbehörden. Der Austausch in Valletta hat gezeigt, dass die Kooperation zwischen den Regulierern, wie etwa der dänischen Spillemyndigheden und der deutschen GGL, intensiviert wird, um Schwarzmarkt-Angebote effektiv zu bekämpfen.
Häufige Fragen
Wer nahm an der Konferenz in Malta teil?
Vertreter und Experten aus 17 Ländern, darunter Deutschland, Dänemark, Kroatien und die Schweiz, trafen sich in Valletta. Ziel war der Austausch über Prävention und Behandlung von Online-Sucht bei Jugendlichen.
Was ist das Hauptziel des vorgestellten TSI-Projekts?
Das Projekt soll die psychische Gesundheit von Kindern fördern, indem es Risiken von Online-Glücksspiel und Gaming minimiert. Es identifiziert evidenzbasierte Methoden, die in nationale Gesetze übernommen werden können.
Warum verschwimmen die Grenzen zwischen Gaming und Glücksspiel?
Videospiele enthalten immer öfter Elemente wie Lootboxen, bei denen Spieler echtes Geld für zufällige Belohnungen ausgeben. Diese Mechanismen ähneln dem klassischen Glücksspiel und können die Suchtgefahr erhöhen.
Welche Rolle spielt der Europarat bei diesem Thema?
Der Europarat setzt Standards für eine sicherere digitale Umgebung und schützt Kinderrechte durch spezielle Empfehlungen. Er koordiniert die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten über die Pompidou-Gruppe.
Wie werden diese Erkenntnisse in Deutschland umgesetzt?
In Deutschland regelt der GlüStV 2021 den Markt streng über die GGL-Whitelist und Systeme wie LUGAS oder OASIS. Die Erkenntnisse aus Malta stützen die Notwendigkeit dieser strengen Kontrollen und Limits.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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