Kalshi unter Druck: Zweifel an Erklärung für 9,81 Milliarden Dollar Handelsvolumen
KI-GENERIERTEine Datenanalyse von Kalshi-Transaktionen stellt die offizielle Begründung für auffällige Ether-Trades in Frage. 55,9 Prozent des Handelsvolumens basierten auf starren Beträgen.
Die Welt der Krypto-Derivate und Prognosemärkte sieht sich mit neuen Fragen zur Marktintegrität konfrontiert. Eine detaillierte Untersuchung des Ether-Perpetual-Marktes auf der Handelsplattform Kalshi hat Muster aufgedeckt, die den offiziellen Erklärungen des Unternehmens widersprechen. Im Zentrum stehen Transaktionen in einem Gesamtwert von 9,81 Milliarden Dollar, die zwischen dem 1. August und dem 30. September beobachtet wurden. Diese Summe macht stolze 55,9 Prozent des gesamten gehandelten Nominalwerts des Ether-Kontrakts aus. Besonders auffällig ist, dass sich diese gewaltigen Summen auf nur sechs spezifische Handelsgrößen konzentrierten.
Kalshi hatte zuvor erklärt, dass dieses Verhalten durch ein Anreizprogramm für Market-Maker entstanden sei. Laut dieser Darstellung hätten professionelle Händler Aufträge in Mindestgröße platziert, um Boni zu kassieren. Schnellere Akteure hätten diese dann abgegriffen, wenn die Kurse auf anderen Börsen bereits weitergezogen waren, bevor der Market-Maker reagieren konnte. Doch die vorliegenden Datenanalysen zeigen ein anderes Bild. Händler, die diese fixen Größen handelten, schlugen den spot-implizierten Preis von Ether nur in 33 Prozent der Fälle. Ein reiner Zufallsvergleich kam auf 35 Prozent. Das bedeutet, dass die vermeintlichen Profi-Trader schlechter abschnitten als ein statistischer Münzwurf.
Zahlen und Fakten
Die Analyse von 5,35 Millionen Trades ergab, dass die Konzentration auf bestimmte Handelsgrößen bei Kalshi im Vergleich zu reifen Märkten wie Binance oder Hyperliquid extrem hoch ist. Während auf Binance die meistgehandelte Größe eines Tages lediglich etwa 1,68 Prozent des Volumens ausmacht, lag dieser Wert bei Kalshi bei bis zu 55,8 Prozent. Selbst am Tag mit der geringsten Konzentration übertraf Kalshi mit 9,3 Prozent noch die Spitzenwerte der Konkurrenz. Die dominanten Handelsgrößen, darunter Beträge wie 5.500 Dollar, 5.425 Dollar oder 4.025 Dollar, änderten sich im Beobachtungszeitraum fünfmal. Interessanterweise geschahen vier dieser Wechsel kurz vor Mitternacht zwischen 23:07 Uhr und 23:58 Uhr ET.
Besonders kritisch wird die Rolle der Market-Maker gesehen. Der Wirtschaftsprofessor Rajiv Sethi vom Barnard College hatte ursprünglich die Theorie des tolerierten Snipings unterstützt. Er vermutete, dass Market-Maker kleine Verluste durch veraltete Kurse hinnehmen, weil die Prämien des Incentive-Programms diese Verluste übersteigen. Nach Sichtung der neuen Daten äußerte er jedoch erhebliche Zweifel an dieser These.
„Ich denke, nur die Konto-Identifikatoren könnten dies entscheidend klären, aber ich fange an, Zweifel an meiner Erklärung zum tolerierten Sniping zu haben." - Rajiv Sethi, Wirtschaftsprofessor am Barnard College
Hintergrund
Ein Perpetual Future, oft einfach Perp genannt, ist eine Wette auf den Preis eines Vermögenswertes ohne Ablaufdatum. Bei Kalshi geriet dieser Markt in den Fokus, nachdem das Wall Street Journal über fast eine Million nahezu identische Trades berichtete. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat Berichten zufolge eine Untersuchung eingeleitet. Kalshi selbst gab an, keine Beweise für Absprachen oder Wash Trading gefunden zu haben. Dennoch kündigte das Unternehmen am 28. September an, sein Volumen-Incentive-Programm zum 13. Oktober zu beenden. Obwohl die Daten keine direkte Manipulation belegen, bleibt die Frage offen, warum Trader Milliarden in Strategien stecken, die kaum einen Marktvorteil bieten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die sich für Krypto-Assets oder Prognosemärkte interessieren, unterstreicht dieser Fall die Risiken auf nicht ausreichend regulierten Plattformen. In Deutschland ist das Online-Glücksspiel streng durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) geregelt. Wer legal und sicher spielen möchte, sollte ausschließlich Anbieter nutzen, die auf der Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese lizenzierten Casinos unterliegen strengen Kontrollen, um Manipulationen wie Wash Trading oder unfaire Spielbedingungen zu verhindern.
Im Gegensatz zu den intransparenten Vorgängen auf Krypto-Börsen bietet der deutsche Markt durch das LUGAS-System und das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat einen hohen Schutz vor finanzieller Überforderung. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei virtuellen Automaten stellt sicher, dass das Risiko überschaubar bleibt. Wer auf Plattformen ohne GGL-Lizenz spielt, etwa bei Anbietern aus Curacao oder Malta, hat im Streitfall kaum rechtliche Handhabe, falls Handelsdaten oder Gewinnchancen nicht der Realität entsprechen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die GGL-lizenzierten Anbieter in Deutschland müssen höchste Anforderungen an die Transparenz ihrer Zufallsgeneratoren und Spielabläufe erfüllen. Fälle wie bei Kalshi zeigen, wie wichtig eine staatliche Aufsicht ist, die im Verdachtsfall Zugriff auf die Identität der Akteure und die vollständigen Datensätze hat. Während Krypto-Plattformen oft mit Anreizprogrammen arbeiten, die künstliches Volumen erzeugen können, ist dies im deutschen Lizenzmodell streng untersagt. Marketing-Aktionen müssen genehmigt werden und dürfen Spieler nicht zu unvernünftigem Handeln verleiten. Für die Branche in Deutschland bedeutet dies einen Wettbewerbsvorteil durch Vertrauen, auch wenn die regulatorischen Hürden höher sind als im Ausland.
Häufige Fragen
Was wurde bei der Untersuchung von Kalshi entdeckt?
Es wurde festgestellt, dass über 55 Prozent des Handelsvolumens bei Ether-Futures auf nur sechs festen Handelsgrößen basierten. Diese Trades zeigten kaum wirtschaftliche Vorteile gegenüber dem Zufall, was die offizielle Erklärung der Börse infrage stellt.
Wer untersucht die Vorfälle bei der Krypto-Börse Kalshi?
Die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) prüft den Sachverhalt laut Medienberichten. Kalshi selbst hat zudem sein Bonusprogramm für Market-Maker nach dem Bekanntwerden der Auffälligkeiten eingestellt.
Was ist ein Perpetual Future bei Ether?
Ein Perpetual Future ist ein Finanzinstrument, mit dem auf den Preis von Ether gewettet wird, ohne dass der Vertrag ein festes Ablaufdatum hat. Es handelt sich um eine Form von Derivat, die oft auf Krypto-Plattformen gehandelt wird.
Sind solche Handelsplattformen in Deutschland für Glücksspiel legal?
In Deutschland dürfen nur Anbieter mit einer Lizenz der GGL legal Glücksspiel oder ähnliche Wetten anbieten. Plattformen ohne diese Lizenz agieren auf dem grauen oder schwarzen Markt und bieten nicht den Schutz des GlüStV 2021.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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