Skandal um Kangwon Land: Spielersperren steigen um 86 Prozent
KI-GENERIERTSüdkoreas einziges Casino für Einheimische gerät massiv unter Druck. Die Zahl der gesperrten Personen stieg auf 5.612, während verpflichtende Therapien fehlen.
Das südkoreanische Casino Kangwon Land steht aktuell im Zentrum einer hitzigen Debatte über die Wirksamkeit von Spielerschutzmaßnahmen. Als einzige Spielbank des Landes, die Einheimischen den Zutritt gestattet, trägt das Unternehmen eine besondere soziale Verantwortung. Aktuelle Daten zeigen jedoch eine besorgniserregende Lücke im System. Bisher ist es möglich, dass Personen, deren Einlasssperre abgelaufen ist, ohne jegliche psychologische Begutachtung oder verpflichtende Suchtbehandlung wieder aktiv am Spielbetrieb teilnehmen können. Diese Praxis stößt auf massiven Widerstand in der Politik, insbesondere da die Zahl der Problemspieler rapide ansteigt.
Die Abgeordnete Jin Sun-mee von der regierenden Demokratischen Partei hat diesen Missstand nach der Auswertung von Daten des Ministeriums für Kultur, Sport und Tourismus öffentlich gemacht. Die Unterlagen belegen, dass das Casino explizit angab, Beratungs- und Bildungsverfahren vor der Aufhebung von Einlassbeschränkungen nicht anzuwenden. Dies wirft grundlegende Fragen zur Sorgfaltspflicht des Betreibers auf, der zwar ein eigenes Zentrum für Suchthilfe unterhält, dieses aber offenbar nicht konsequent in den Prozess der Wiederzulassung integriert.
Zahlen und Fakten
Die statistische Auswertung der letzten drei Jahre zeichnet ein düsteres Bild der Entwicklung vor Ort. Während die allgemeinen Besucherzahlen im Kangwon Land moderat um 19 Prozent zulegten, schoss die Anzahl der gesperrten Personen im gleichen Zeitraum um 86 Prozent in die Höhe. Im Jahr 2025 erreichte die Zahl der gesperrten Spieler einen Höchststand von 5.612 Personen. Im krassen Gegensatz dazu steht die Zahl derer, die tatsächlich eine Behandlung suchten. Diese stieg zwar ebenfalls an, liegt mit 680 Personen aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau.
Interessant ist auch die personelle Ausstattung des Kangwon Land Addiction Care Center (KLACC). Die Anzahl der professionellen Berater wurde in den letzten drei Jahren von 9 auf 13 aufgestockt. Trotz dieser personellen Verstärkung ist die Arbeitsbelastung massiv gestiegen. Statistisch gesehen stieg die Anzahl der Programmteilnehmer pro Berater von 34 auf 52 Personen. Dies deutet darauf hin, dass der Bedarf an Unterstützung schneller wächst als die Kapazitäten der Einrichtung.
Hintergrund
Kangwon Land nimmt eine Sonderstellung in Südkorea ein. Es ist die einzige Einrichtung, in der südkoreanische Staatsbürger legal spielen dürfen, während alle anderen Casinos im Land ausschließlich ausländischen Touristen vorbehalten sind. Das Unternehmen befindet sich mehrheitlich in öffentlicher Hand. Etwa 51 Prozent der Anteile der Kangwon Land Corporation werden kollektiv von der Mine Reclamation Corporation, der Gangwondo Development Corp und vier regionalen autonomen Regierungen gehalten. Die Mine Reclamation Corporation untersteht dabei direkt dem Ministerium für Handel, Industrie und Energie.
Die Abgeordnete Jin Sun-mee fordert nun eine grundlegende Reform der Abläufe. Sie schlägt vor, dass vor jeder Aufhebung einer Sperre verpflichtende Beratungsgespräche, Schulungen und eine umfassende Risikobewertung stattfinden müssen.
„Es sollten Verfahren eingeführt werden, die Beratung, Ausbildung und Risikobewertung vor der Aufhebung jeglicher Beschränkungen vorsehen.“ - Jin Sun-mee, Abgeordnete der Demokratischen Partei Südkoreas
Darüber hinaus empfiehlt sie ein Managementprogramm, das die Behandlung direkt mit einer Nachsorge verknüpft, sobald die Beschränkung aufgehoben wurde. Der Schutz der Spieler dürfe nicht an der Casinotür enden, sondern müsse als fortlaufender Prozess verstanden werden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist diese Entwicklung eine wichtige Mahnung zur Bedeutung des Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV 2021). In Deutschland ist durch das OASIS-Sperrsystem sichergestellt, dass eine Selbst- oder Fremdsperre nicht einfach per Zeitablauf endet. Ein Spieler muss aktiv einen Antrag auf Entsperrung stellen, der geprüft wird. Während in Südkorea kritisiert wird, dass es keine Hürden für die Rückkehr gibt, setzt die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) auf strikte Kontrolle durch LUGAS und die Whitelist. In Deutschland lizenzierte Casinos müssen Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin und monatliche Einzahlungslimits von 1.000 Euro technisch umsetzen. Wer in einem Casino mit GGL-Lizenz spielt, genießt somit einen deutlich höheren Schutzstandard als im Kangwon Land, wo die soziale Kontrolle durch die staatliche Beteiligung offenbar nicht ausreicht, um die steigenden Suchtzahlen abzufedern.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Anbieter auf der Whitelist müssen diesen Fall als Warnsignal verstehen. Wenn die Diskrepanz zwischen Besucherzuwachs und Sperren zu groß wird, gerät die Regulierung unter Druck. Die GGL überwacht streng, ob Anbieter ihre Früherkennungssysteme für Spielsucht pflegen. Der Fall Kangwon Land zeigt, dass rein statistische Zuwächse bei den Beratern nicht ausreichen, wenn die Prozesse zur Wiedereingliederung lückenhaft sind. GGL-lizenzierte Betreiber sind gut beraten, ihre Algorithmen zur Erkennung von problematischem Spielverhalten ständig zu optimieren, um gar nicht erst in die Schlagzeilen der Politik zu geraten. Ein effektives Sperrmanagement ist das wichtigste Instrument, um die legale Kanalisierung des Glücksspiels langfristig zu sichern.
Häufige Fragen
Warum steht das Casino Kangwon Land in der Kritik?
Das Casino erlaubt es gesperrten Spielern, nach Ablauf ihrer Sperrfrist ohne verpflichtende Suchtberatung oder Risikoanalyse an den Spielbetrieb zurückzukehren. Dies wird von Politikern als grober Mangel im Spielerschutz gewertet.
Wie haben sich die Sperrzahlen im Kangwon Land entwickelt?
Innerhalb von drei Jahren ist die Anzahl der Einlasssperren um 86 Prozent gestiegen und erreichte im Jahr 2025 insgesamt 5.612 betroffene Personen. Das ist ein deutlich stärkeres Wachstum als bei den allgemeinen Besucherzahlen.
Wer ist für die Aufsicht des Casinos in Südkorea zuständig?
Die Daten stammen vom Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus. Zudem halten staatliche Organisationen wie die Mine Reclamation Corporation über 51 Prozent der Anteile am Unternehmen.
Gibt es in Südkorea Unterstützung für spielsüchtige Menschen?
Ja, das Kangwon Land Addiction Care Center (KLACC) bietet Hilfe an und hat sein Personal von 9 auf 13 Berater aufgestockt. Dennoch stieg die Belastung pro Berater auf 52 Teilnehmer an.
Ist das deutsche Sperrsystem OASIS sicherer als das koreanische Modell?
Ja, in Deutschland ist der Spielerschutz durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und das OASIS-System strenger geregelt, da eine Entsperrung nicht automatisch erfolgt, sondern aktiv beantragt und geprüft werden muss. Deutsche Spieler sollten daher nur bei Anbietern mit GGL-Lizenz spielen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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