Ksa Chef Michel Groothuizen warnt Big Tech vor illegaler Glücksspielwerbung
KI-GENERIERTFünf Jahre nach der Marktöffnung in den Niederlanden zieht Ksa-Vorsitzender Michel Groothuizen Bilanz. Trotz 90 Prozent Kanalisierungsrate fließt noch jeder zweite Euro in den Schwarzmarkt.
Fünf Jahre nach dem Start des regulierten Online-Glücksspielmarktes in den Niederlanden steht die Aufsichtsbehörde Kansspelautoriteit (Ksa) vor einer paradoxen Situation. Während die überwältigende Mehrheit der Nutzer den Weg in die Legalität gefunden hat, versickern enorme Summen weiterhin in dunklen Kanälen. Michel Groothuizen, der seit Juni 2024 als Vorsitzender des Vorstands die Geschicke der Ksa leitet, macht deutlich, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt nun in eine neue Phase tritt. Dabei stehen vor allem die sogenannten Very Large Online Platforms (VLOPs) im Fadenkreuz, die trotz strenger Gesetze immer wieder Werbung für nicht lizenzierte Anbieter ausspielen.
Die Herausforderung ist komplex, da Akteure wie Google oder Meta über nahezu unerschöpfliche finanzielle Mittel verfügen, um sich gegen regulatorische Maßnahmen zu wehren. Groothuizen, der zuvor als stellvertretender Direktor der niederländischen Justizvollzugsanstalten tätig war, setzt daher auf eine Doppelstrategie. Einerseits sucht er den konstruktiven Dialog mit den Tech-Konzernen, andererseits bereitet er die rechtliche Konfrontation vor, falls die freiwilligen Maßnahmen der Plattformen nicht den gewünschten Erfolg bringen. Das Ziel ist klar: Der Schutz minderjähriger und gefährdeter Personen muss auch im digitalen Raum oberste Priorität haben.
Zahlen und Fakten
Die aktuellen Daten der Ksa zeichnen ein zweigeteiltes Bild. Zwar entscheiden sich rund 90 Prozent der niederländischen Online-Glücksspieler für Anbieter mit einer offiziellen Lizenz, doch die finanziellen Erträge spiegeln diesen Erfolg nicht wider. Laut Groothuizen herrscht bei den Umsätzen eine Parität, die Sorgen bereitet. Für jeden Euro, der im legalen Kreislauf gesetzt wird, fließt schätzungsweise ein weiterer Euro in den illegalen Sektor. Diese Diskrepanz zeigt, dass besonders umsatzstarke Spieler oder solche mit problematischem Spielverhalten weiterhin massiv von Schwarzmarktanbietern umworben werden.
Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Ksa in Dublin eine gemeinsame Task Force mit Vertretern von Google und Meta ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe entwickelt derzeit eine offizielle EU-Whitelist für lizenzierte Betreiber. Diese Liste soll es den Algorithmen der Suchmaschinen und sozialen Netzwerke ermöglichen, nicht gelistete Entitäten automatisch zu erkennen und deren Werbeanzeigen zu blockieren. Dies ist eine Reaktion auf die Forderungen von Politikern wie dem VVD-Abgeordneten Bart Bikkers und Experten wie dem Anwalt Justin Franssen, die härtere Strafen für Plattformen fordern, die gegen den Digital Services Act (DSA) der EU verstoßen.
Hintergrund
Michel Groothuizen bringt für diese Aufgabe eine umfangreiche juristische Expertise mit. Er hält Master-Abschlüsse in Rechtswissenschaften und öffentlicher Verwaltung der Universität Leiden. Bevor er zur Ksa stieß, leitete er unter anderem das Niederländische Institut für Forensische Psychiatrie und Psychologie (NIFP). Diese Erfahrung im Umgang mit komplexen rechtlichen und psychologischen Sachverhalten nutzt er nun, um den Regulierungsansatz der Niederlande zu verschärfen. Die Marktöffnung im Jahr 2021 war erst der Anfang, nun geht es um die Feinjustierung und die Durchsetzung der Regeln gegenüber global agierenden Konzernen.
„Rechtsstreitigkeiten gegen Gegner mit unerschöpflichen finanziellen Mitteln zu führen, kann zu langwierigen, mehrjährigen Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang führen." - Michel Groothuizen, Vorsitzender der Kansspelautoriteit
Diese Einschätzung erklärt, warum die Ksa nicht sofort mit massiven Bußgeldern agiert, sondern zunächst auf Kooperation setzt. Ein jahrelanger Rechtsstreit durch alle Instanzen würde den Spielerschutz im Hier und Jetzt nicht verbessern. Dennoch betont die Behörde, dass sie nicht zögern wird, den Klageweg zu beschreiten, wenn die Plattformen ihre Verantwortung zur Filterung illegaler Inhalte dauerhaft vernachlässigen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in den Niederlanden weist verblüffende Parallelen zur deutschen Rechtslage auf. Seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 (GlüStV 2021) kämpft auch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit der Sichtbarkeit illegaler Angebote. Für deutsche Spieler bedeutet die niederländische Initiative, dass der Druck auf Plattformen wie Facebook oder Google EU-weit wächst, nur noch Werbung von Whitelist-Anbietern zuzulassen. In Deutschland ist das Spiel bei Anbietern ohne GGL-Lizenz illegal und birgt erhebliche Risiken, da weder das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat noch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots garantiert sind.
Wer in Deutschland sicher spielen möchte, muss zwingend auf die GGL-Whitelist achten. Anbieter, die dort nicht geführt werden, sind nicht an das zentrale Sperrsystem LUGAS oder die Sperrdatei OASIS angeschlossen. Die niederländischen Bemühungen um eine automatisierte Sperrung illegaler Werbung könnten langfristig auch den deutschen Markt sauberer halten, da die großen Tech-Plattformen ihre Filtermechanismen meist für den gesamten europäischen Wirtschaftsraum vereinheitlichen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der GGL ist die Entwicklung in den Niederlanden ein positives Signal. Legale Anbieter leiden massiv unter der unfairen Konkurrenz durch Schwarzmarkt-Casinos, die keine Steuern zahlen und sich nicht an restriktive Spielerschutzregeln halten müssen. Wenn es der Ksa gelingt, Google und Meta zu einer strikten Durchsetzung der Whitelist-Vorgaben zu bewegen, sinken die Akquisekosten für legale Anbieter, da sie nicht mehr gegen illegale Werbung anbieten müssen, die oft mit irreführenden Bonusversprechen lockt.
Häufige Fragen
Wie viele Spieler in den Niederlanden nutzen legale Online-Casinos?
Etwa 90 Prozent der niederländischen Online-Glücksspieler nutzen legale Anbieter. Dennoch fließen etwa 50 Prozent der Gesamteinsätze weiterhin in den illegalen Markt.
Was ist die Aufgabe der neuen Task Force in Dublin?
Die Task Force arbeitet mit Google und Meta zusammen, um eine EU-weite Whitelist für lizenzierte Glücksspielanbieter zu erstellen. Damit soll illegale Werbung auf Plattformen automatisch blockiert werden.
Wer ist Michel Groothuizen?
Michel Groothuizen ist der Vorsitzende des Vorstands der niederländischen Glücksspielbehörde Kansspelautoriteit (Ksa). Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Justizverwaltung und Forensik.
Warum verklagt die Ksa Google und Meta nicht sofort?
Die Behörde fürchtet langwierige und teure Gerichtsprozesse gegen die finanziell überlegenen Tech-Giganten. Sie setzt daher zunächst auf eine Kombination aus Dialog und technischer Zusammenarbeit.
Warum ist das Spielen bei Anbietern ohne deutsche GGL-Lizenz riskant?
Ohne Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder greifen wichtige Schutzmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Limit oder die LUGAS-Überwachung nicht. Spieler haben zudem keine rechtliche Sicherheit bei der Auszahlung von Gewinnen.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
Whitelist erlaubter Online-Anbieter
Redaktionsrichtlinien Lustich.de
BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTLouisiana verlängert DraftKings Lizenz unter strengen Vorbehalten bis Februar
Die Glücksspielaufsicht in Louisiana verschiebt die volle Lizenzverlängerung für DraftKings bis zum 19. Februar, während Vorwürfe zum KI-Einsatz geprüft werden.
KI-GENERIERTGeldwäsche in Angola: Aufsichtsbehörde ISJ stuft neun Glücksspielanbieter als risikoreich ein
Angolas Glücksspielaufsicht ISJ warnt vor massiven Geldwäsche-Risiken. Neun Unternehmen erhielten eine Hochrisiko-Bewertung bei einem Durchschnittswert von 0,741.
KI-GENERIERTGlücksspiel-Monopol in Gabun: Intransparenz und neue Gebühren werfen Fragen auf
In Gabun wächst die Kritik an der staatlichen Glücksspielbehörde GDJ. Nach dem Entzug privater Lizenzen am 7. April 2026 bleibt unklar, wer künftig online wetten darf.











