Kritik an KSA: Jurist wirft niederländischer Behörde Untätigkeit gegen Meta vor
KI-GENERIERTRechtsanwalt Justin Franssen kritisiert die niederländische Glücksspielbehörde scharf. Trotz rechtlicher Handhabe lässt die KSA die Branche allein gegen illegale Werbung auf Plattformen wie Meta kämpfen.
In der niederländischen Glücksspielbranche brodelt es gewaltig. Während die legalen Betreiber Millionen an Gebühren für die Regulierung zahlen, fühlen sie sich im Kampf gegen den blühenden Schwarzmarkt im Stich gelassen. Im Zentrum der Kritik steht die Aufsichtsbehörde Kansspelautoriteit (KSA). Einem Experten zufolge schaut die Behörde tatenlos zu, wie soziale Netzwerke illegale Glücksspielwerbung verbreiten, obwohl die gesetzlichen Werkzeuge für ein Einschreiten längst vorhanden wären. Die Frustration ist so groß, dass die Industrie nun selbst die Initiative ergreift und den Mutterkonzern von Facebook und Instagram vor Gericht zerrt.
Justin Franssen, Partner bei der Kanzlei Franssen Tolboom Attorneys at Law, fand auf dem SBC Summit im Oktober deutliche Worte für das Verhalten der Aufsicht. Er bezeichnete es als absolut unbegreiflich, dass eine Behörde, die von den lizenzierten Betreibern mit erheblichen Summen finanziert wird, ständig über fehlende Kompetenzen klage. Der Vorwurf wiegt schwer: Die KSA verstecke sich hinter bürokratischen Hürden, anstatt die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, die das niederländische Recht zur Bekämpfung der Förderung illegalen Glücksspiels bietet. Franssen betonte, dass das Gesetz ursprünglich nur das Werben verbot, später aber auf das bloße Erleichtern beziehungsweise Ermöglichen ausgeweitet wurde. Was Plattformen wie Meta tun, sei reine Beihilfe.
Zahlen und Fakten
Die rechtliche Auseinandersetzung nimmt bereits konkrete Züge an. Der Branchenverband VNLOK hat Meta offiziell verklagt, um die Einhaltung des EU-Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, DSA) zu erzwingen. Auch staatliche Akteure wie die Nederlandse Loterij sind bereits aktiv geworden. Sie gingen zivilrechtlich gegen illegale Anbieter vor, namentlich gegen Lalabet im März 2025 und Qbet im April 2026. Gegen Lalabet konnte im Juni bereits ein Sieg errungen werden. Trotz dieser Erfolge privater und staatlicher Akteure bleibt die KSA bei ihrer Linie, lieber den Dialog mit Meta zu suchen, als harte Sanktionen zu verhängen.
„Für mich ist es absolut unbegreiflich, dass wir einen Regulator haben, der von den Betreibern einen beachtlichen Geldbetrag erhält und sich ständig darüber beschwert, dass er nicht über genügend Durchsetzungsfähigkeiten verfügt.“ - Justin Franssen, Partner bei Franssen Tolboom Attorneys at Law
Die Problematik wird durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verschärft. Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden zeigt auf, wie tief verwurzelt das Problem ist. Zehn führende KI-Assistenten wurden getestet, darunter auch Meta AI. Das erschreckende Ergebnis: Jeder einzelne nannte mindestens einen nicht lizenzierten Betreiber. Drei der KI-Systeme stellten diese Seiten sogar so dar, als seien sie legal. Besonders Microsoft Copilot fiel negativ auf, indem eine Liste der 50 besten legalen Casinos erstellt wurde, die jedoch zahlreiche Marken ohne KSA-Lizenz enthielt.
Hintergrund
Der Konflikt in den Niederlanden ist symptomatisch für eine europaweite Entwicklung. Björn Fuchs, Vorsitzender von VNLOK, berichtete, dass Versuche des Dialogs mit Meta oft nur mit automatisierten Antworten endeten. Deshalb sei der Gang vor das Bezirksgericht Amsterdam unvermeidlich gewesen. Fuchs wies darauf hin, dass das politische Klima gegenüber Tech-Giganten rauer wird. Er zog Parallelen zu den USA, wo Meta wegen Suchtgefahren vor Gericht steht, und zu Frankreich und Deutschland, wo Zivilgerichte die Plattform bereits für illegale Glücksspielwerbung haftbar gemacht haben.
„Es war wirklich erstaunlich zu lesen, dass die Glücksspielbehörde in einer nationalen Zeitung erklärte, sie würde lieber mit Meta reden und kooperieren, weil das langfristig effektiver sei. Wir haben die letzten fünf Jahre gesehen; das geht nicht auf.“ - Björn Fuchs, Vorsitzender von VNLOK
Die Industrie wirft der Politik und den Regulierungsbehörden vor, der Realität etwa drei Jahre hinterherzuhinken. Während illegale Anbieter Technologien wie Cloaking und kurzlebige Anzeigen nutzen, um wie kriminelle Organisationen unter dem Radar zu fliegen, mahlen die Mühlen der Behörden zu langsam. VNLOK steht daher in engem Austausch mit Verbänden aus Dänemark, Schweden, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Spanien, um den Druck auf europäischer Ebene zu erhöhen. Das Ziel ist eine Einbindung von Institutionen wie Interpol, da der Schwarzmarkt längst ein grenzüberschreitendes Problem ist.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist diese Entwicklung von hoher Relevanz, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) ähnliche strenge Regeln verfolgt. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) kämpft ebenfalls mit der Sichtbarkeit illegaler Angebote in sozialen Netzwerken. Wer in Deutschland spielt, sollte zwingend auf die GGL-Whitelist achten. Nur dort ist sichergestellt, dass das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System eingehalten wird und der Spielerschutz durch das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei Slots gewährleistet ist. Illegale Werbung auf Meta oder durch KI-Empfehlungen kann Spieler auf Seiten ohne deutschen Schutzschirm locken, wo keine Aufsicht durch die GGL stattfindet.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Anbieter mit GGL-Lizenz stehen vor der gleichen Herausforderung wie ihre niederländischen Kollegen. Sie müssen teure Lizenzen erwerben, Steuern zahlen und strenge Spielerschutzvorgaben erfüllen, während sie im digitalen Raum mit Anbietern konkurrieren, die sich an keine Regeln halten. Wenn Regulatoren wie die KSA oder die GGL nicht konsequent gegen die Ermöglicher wie Meta vorgehen, entsteht ein unfairer Wettbewerb. Deutsche lizenzierte Casinos können sich jedoch durch den Hinweis auf ihre Rechtssicherheit und den Anschluss an das Sperrsystem OASIS abheben. Ein starkes gemeinsames Vorgehen der europäischen Regulierer, wie von Björn Fuchs gefordert, wäre auch für den deutschen Markt der einzige Weg, um die legale Kanalisierung langfristig zu sichern.
Häufige Fragen
Warum verklagt der Verband VNLOK den Konzern Meta?
VNLOK wirft Meta vor, gegen den EU Digital Services Act zu verstoßen, indem die Plattform illegale Glücksspielwerbung zulässt. Vorherige Versuche einer Kommunikation scheiterten an automatisierten Antworten des Konzerns.
Was ist die Kritik des Anwalts Justin Franssen an der KSA?
Er kritisiert, dass die Behörde trotz gesetzlicher Grundlagen gegen das Ermöglichen von illegalem Glücksspiel nicht konsequent gegen Werbeplattformen vorgeht. Er bezeichnet es als unbegreiflich, dass eine finanzstarke Behörde über mangelnde Macht klagt.
Welche Rolle spielt KI bei illegaler Glücksspielwerbung?
Eine niederländische Studie belegt, dass KI-Assistenten wie Meta AI oder Microsoft Copilot illegale Anbieter empfehlen. Teils wurden nicht lizenzierte Casinos fälschlicherweise als legal deklariert, was den Schwarzmarkt fördert.
Wie erkennt man als Spieler in Deutschland ein legales Online-Casino?
Legale Anbieter müssen auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Zudem erkennt man sie an Pflichtfunktionen wie dem 1-Euro-Limit pro Spin und dem Anschluss an LUGAS und OASIS.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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