Glücksspiel-Debatte um Sammelkarten: Leon Xiao fordert strengere Regulierung
KI-GENERIERTEin Experte für Videospielrecht kritisiert, dass 80 Prozent der Sammelkarten-Packs keine Wahrscheinlichkeitsangaben enthalten und fordert eine Einstufung als Glücksspiel.
Die Grenze zwischen harmloser Sammlerleidenschaft und riskantem Glücksspiel verschwimmt immer mehr. Wer heute ein Päckchen Sammelkarten kauft, tut dies oft in der Hoffnung auf eine seltene Karte, die auf dem Zweitmarkt Hunderte oder Tausende Euro wert sein kann. Leon Y. Xiao, Assistenzprofessor an der City University of Hong Kong und Visiting Research Fellow am King’s College London, schlägt nun Alarm. Er argumentiert, dass viele dieser Produkte bereits unter die bestehenden Glücksspielgesetze fallen, von den Behörden jedoch sträflich ignoriert werden. Die Jagd nach den sogenannten Chase-Cards erinnert stark an das Ziehen an einem Spielautomaten, wobei der Einsatz oft deutlich höher liegt als bei einer herkömmlichen Slot-Runde.
Besonders kritisch sieht Xiao die mangelnde Transparenz der Hersteller. In seiner jüngsten Untersuchung, die im Journal of Behavioral Addictions veröffentlicht wurde, nahm er 50 verschiedene physische Sammelkarten-Produkte unter die Lupe. Das Ergebnis ist ernüchternd und zeigt ein klares Versagen beim Verbraucherschutz. Während die Industrie Milliarden umsetzt, bleiben die Käufer über ihre tatsächlichen Gewinnchancen weitestgehend im Unklaren. Diese Intransparenz betrifft nicht nur Nischenprodukte, sondern zieht sich durch den gesamten Markt der Sport- und Fantasy-Sammelkarten.
Zahlen und Fakten
Die Studie von Xiao liefert belegbare Daten für die Kritik. Von den 50 untersuchten Sammelkarten-Packs in Hong Kong enthielten 80 Prozent keinerlei Informationen über die Wahrscheinlichkeiten auf der Verpackung. Die restlichen 20 Prozent lieferten Informationen, die unvollständig, schwer zu finden oder potenziell irreführend waren. Besonders brisant: Kein einziges untersuchtes Pack gab die Wahrscheinlichkeit für jede einzelne enthaltene Karte an. Diese Geheimniskrämerei erschwert es Konsumenten, den finanziellen Wert ihres Kaufs realistisch einzuschätzen.
Xiao betont, dass der Kern des Glücksspiels darin besteht, Geld für ein zufälliges Ergebnis zu riskieren, bei dem man entweder gewinnt oder verliert. Sammelkarten erfüllen dieses Kriterium perfekt. Er stellt klar:
„Karten-Packs sollten sowohl nach der Definition des gesunden Menschenverstandes als auch nach der rechtlichen Definition als Glücksspiel gelten, aber die Regulierungsbehörden setzen das Glücksspielrecht nicht ordnungsgemäß durch."
Ein weiterer problematischer Trend ist die Zunahme von Online-Breaks und Repacks. Hierbei zahlen Nutzer Geld, um einen Anteil an einer Box-Öffnung zu erhalten, die von einem Dritten live gestreamt wird. Xiao warnt davor, dass hier das Risiko für Betrug und finanziellen Schaden noch deutlich höher liegt als beim Kauf normaler Packungen im Laden.
Hintergrund
Die Gamblifizierung des Marktes wurde laut Xiao durch die Covid-Pandemie beschleunigt. Ein Zustrom von Kapital, primär von Erwachsenen, hat die Preise für Sammlerstücke in die Höhe getrieben. Dies hat dazu geführt, dass Produkte immer teurer werden und der Fokus sich von der Freude am Sammeln hin zur finanziellen Spekulation verschoben hat. Regulierungsbehörden ziehen die Grenze bisher oft dort, wo Preise an Dritte übertragen werden können und somit einen realen Geldwert besitzen. Da Karten auf Plattformen wie eBay problemlos zu Geld gemacht werden können, ist dieser reale Wert zweifellos gegeben.
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist das Glücksspielwesen durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) streng geregelt. Während Online-Casinos und Sportwettenanbieter eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) benötigen und strenge Auflagen wie das 1.000 Euro Einzahlungslimit pro Monat sowie das 1 Euro Einsatzlimit bei Slots erfüllen müssen, bewegen sich Sammelkarten-Packs in einer rechtlichen Grauzone. Deutsche Spieler, die solche Packs kaufen oder an Breaks teilnehmen, genießen aktuell nicht den Schutz durch Systeme wie LUGAS oder OASIS. Sollte die Forderung von Experten wie Xiao Gehör finden, müssten Anbieter dieser Karten eventuell ähnliche Alterskontrollen und Limits einführen, wie sie für GGL-lizenzierte Anbieter gelten. Bisher werden diese Produkte oft als Spielzeug vermarktet, was den Zugang für Minderjährige extrem einfach macht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz stellt die aktuelle Situation einen unfairen Wettbewerb dar. Während lizenzierte Casinos jeden Aspekt ihrer Spiele offenlegen müssen und strengen Werbeverboten unterliegen, können Sammelkarten-Anbieter mit glücksspielähnlichen Mechaniken fast ohne Einschränkungen agieren. Eine strengere Regulierung von Lootboxen und Sammelkarten könnte dazu führen, dass der legale Glücksspielmarkt gestärkt wird, da klare Regeln für alle Produkte gelten würden, die auf Zufall und Geldwert basieren. Es bleibt abzuwarten, ob die deutsche Rechtsprechung der Argumentation von Xiao folgt und physische Sammelprodukte künftig als erlaubnispflichtiges Glücksspiel einstuft.
Häufige Fragen
Sind Sammelkarten laut Gesetz Glücksspiel?
Laut Leon Xiao erfüllen sie die rechtlichen Kriterien, da Geld für ein zufälliges Ergebnis mit realem Geldwert riskiert wird. Aktuell werden sie von den Behörden jedoch meist noch als Sammlerstücke und nicht als Glücksspiel reguliert.
Welche Probleme gibt es bei den Gewinnchancen?
Eine Studie zeigte, dass 80 Prozent der untersuchten Packungen keine Angaben zu Wahrscheinlichkeiten machten. Selbst bei den restlichen 20 Prozent waren die Informationen oft lückenhaft oder irreführend versteckt.
Was sind Card Breaks und warum sind sie gefährlich?
Bei Card Breaks kaufen Teilnehmer Anteile an einer Box, die von einem Streamer geöffnet wird. Dieses Modell erhöht das Risiko für finanziellen Verlust und Betrug im Vergleich zum normalen Kauf deutlich.
Wie werden Spieler in Deutschland geschützt?
Spieler in lizenzierten Online-Casinos werden durch den GlüStV 2021, LUGAS und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro geschützt. Für Sammelkarten gelten diese strengen Spielerschutzmaßnahmen bisher nicht, da sie nicht als Glücksspiel eingestuft sind.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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