KI-Gefahr für Jobs: EU-Abgeordneter warnt Glücksspielbranche vor Entlassungen
KI-GENERIERTDavid Casa kritisiert den Ersatz von Fachkräften durch künstliche Intelligenz. Während Gambling.com 25 Prozent der Stellen streicht, fordert der Politiker Investitionen in Menschen.
Die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz sorgt in der europäischen Glücksspielbranche für erhebliche Unruhe. Während technologische Innovationen wie automatisierte Kundenbetreuung und KI-generierter Code die Effizienz steigern sollen, wächst die Sorge um die Arbeitsplatzsicherheit tausender Beschäftigter. Inmitten dieser Umbruchphase hat sich nun eine prominente politische Stimme zu Wort gemeldet. David Casa, das dienstälteste maltesische Mitglied des Europäischen Parlaments, richtete auf der SiGMA World Konferenz in Rom einen dringenden Appell an die Betreiber von Online-Casinos und Sportwetten-Plattformen. Er fordert, den menschlichen Faktor nicht dem Algorithmus zu opfern.
Casa, der der Nationalistischen Partei und damit der EVP-Fraktion angehört, betonte, dass Berichte über Entlassungen aufgrund von KI-Implementierungen die volle Aufmerksamkeit der Politik verdienen. Er erkennt zwar das Potenzial der Technologie an, etwa bei der Betrugserkennung oder der Zeitersparnis, warnt jedoch vor den sozialen Folgen einer rücksichtslosen Automatisierung. Für den Abgeordneten ist klar, dass hinter jedem Arbeitsplatz ein Mensch, eine Familie und eine Lebensplanung stehen. Die Branche müsse sich fragen, ob sie die Menschen, die ihren Erfolg erst ermöglicht haben, nun einfach durch Software ersetzt.
Zahlen und Fakten
Die Realität in der Industrie zeichnet bereits ein deutliches Bild des Wandels. Die Gambling.com Group gab im Mai bekannt, dass sie ihre Belegschaft im Rahmen einer KI-gesteuerten Umstrukturierung um 25 Prozent reduzieren wird. Dies entspricht etwa 150 Mitarbeitern und soll jährliche Einsparungen von 13 Millionen US-Dollar einbringen. Kevin McCrystle, der künftige CEO des Unternehmens, erklärte gegenüber Investoren, dass bereits 80 Prozent des neuen Codes der Firma durch KI generiert werden. Die Umstellung auf KI-Prinzipien erlaube eine Neustrukturierung der Teams, die erhebliche Kostenvorteile verspreche.
Auch Branchenriesen wie Flutter sind betroffen, wenngleich hier verschiedene Faktoren zusammenwirken. Flutter kündigte den Abbau von bis zu 1.400 Stellen in seiner Abteilung für Großbritannien und Irland an. Betroffen sind Standorte in Leeds, Dublin sowie Offshore-Zentren in Porto und Cluj-Napoca. Während das Unternehmen primär die Steuererhöhungen für Online-Glücksspiel in Großbritannien verantwortlich macht, sehen Analysten wie Ollie Woodward von BDO Corporate Finance auch die KI als treibende Kraft. Besonders in den Bereichen Codierung, Kundensupport und CRM (Customer Relationship Management) verändere die Automatisierung die Teamstrukturen grundlegend.
„Ein Werkzeug mag helfen, schneller zu arbeiten, aber ein erfahrenes Team weiß, wenn etwas schief gelaufen ist, wenn ein Spieler Hilfe benötigt und wenn eine Entscheidung eine menschliche Wahl und eine menschliche Stimme erfordert.“ - David Casa, Mitglied des Europäischen Parlaments
Hintergrund
Ein weiteres Beispiel liefert der Plattformanbieter Cubeia aus Stockholm. Das Unternehmen hat sich das Ziel gesetzt, bis August allen neuen Code für Funktionen und Veröffentlichungen von KI schreiben zu lassen. Stefan Grenstad, der Chief Operating Officer, berichtete, dass bei einer Gehaltsüberprüfung auffiel, dass Entwickler, die KI nutzen, deutlich produktiver waren. Zwei oder drei Entwickler lieferten fast 60 Prozent der Ergebnisse. Grenstad sieht in diesem Übergang eine Notwendigkeit für das wettbewerbliche Überleben, auch wenn er betont, dass es nicht primär um den Abbau von Köpfen gehe.
In Malta, einem der wichtigsten Knotenpunkte der Branche, sind die Auswirkungen bereits spürbar. Ein ehemaliger Designer berichtete der Times of Malta, er habe seinen Job verloren, nachdem er ein KI-System trainiert hatte, von dem das Management glaubte, es könne die Hälfte des Teams ersetzen. Die Organisation GamingMalta widerspricht Darstellungen von massenhaften Entlassungen und spricht stattdessen von einer Umverteilung von Talenten. Dennoch zeigt eine Umfrage von Resume.org aus dem Dezember 2025 unter 1.000 US-Personalmanagern, dass 59 Prozent die KI als Grund für Entlassungen vorschieben, weil dies bei den Stakeholdern besser ankommt als rein finanzielle Engpässe.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die ausschließlich bei Anbietern mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) aktiv sind, hat diese Entwicklung eine besondere Relevanz. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) legt extrem hohen Wert auf den Spielerschutz. Hierzu gehören das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten. Diese Systeme werden bereits heute durch technische Lösungen wie LUGAS überwacht. Wenn jedoch menschliche Mitarbeiter im Kundenservice oder in der Spielerschutz-Abteilung durch KI ersetzt werden, könnte die Qualität der individuellen Betreuung leiden. Ein Algorithmus erkennt zwar Muster, aber die menschliche Empathie bei Anzeichen von Spielsucht kann er bisher nicht vollständig ersetzen. Deutsche Spieler sollten darauf achten, dass ihr gewählter Anbieter trotz Automatisierung weiterhin erreichbare, menschliche Ansprechpartner bietet, wie es die strengen Auflagen der GGL eigentlich vorsehen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer GGL-Lizenz stehen vor der Herausforderung, den Kostendruck durch KI-Effizienz mit den strikten deutschen Regularien in Einklang zu bringen. Während internationale Anbieter wie Gambling.com massiv Stellen streichen, müssen deutsche Lizenznehmer sicherstellen, dass ihre Sozialkonzepte nicht zur reinen Formsache verkommen. Die GGL-Whitelist bietet Spielern die Sicherheit, dass die Unternehmen kontrolliert werden. Wenn Firmen ihre erfahrenen Teams entlassen, riskieren sie, die feinen Nuancen der Suchtprävention zu verlieren, die in Deutschland entscheidend für den Lizenzerhalt sind. David Casa forderte zudem stärkere gemeinsame Standards in Europa, damit lizenzierte Betreiber nicht die vollen Kosten der Compliance tragen, während illegale Seiten ohne Angst vor Konsequenzen dieselben Spieler erreichen.
Häufige Fragen
Werden Jobs in der Glücksspielbranche durch KI ersetzt?
Ja, Unternehmen wie Gambling.com haben bereits angekündigt, ihre Belegschaft um 25 Prozent zu reduzieren, während Flutter bis zu 1.400 Stellen abbaut. Experten sehen in der Automatisierung von Codierung und Kundensupport einen wesentlichen Faktor für diese Umstrukturierungen.
Was fordert der EU-Politiker David Casa von den Unternehmen?
Casa fordert die Betreiber auf, in ihre bestehenden Mitarbeiter zu investieren und Umschulungen anzubieten, anstatt Fachkräfte einfach zu entlassen. Er betont, dass menschliche Urteilskraft und Empathie im Spielerschutz durch keine Maschine ersetzt werden können.
Welche Rolle spielt die KI bei der Softwareentwicklung im iGaming?
Die Bedeutung wächst rasant; bei Gambling.com werden bereits 80 Prozent des neuen Codes von KI generiert. Der Anbieter Cubeia plant sogar, bis August 2026 sämtliche neuen Funktionen ausschließlich durch KI-geschriebenen Code zu veröffentlichen.
Wie wirkt sich die KI-Nutzung auf den Spielerschutz aus?
KI kann zwar helfen, Betrug und problematisches Spielverhalten schneller zu erkennen, doch David Casa warnt, dass nur Menschen die nötige Stimme und Entscheidungskraft für echte Hilfe besitzen. Ein Wegfall erfahrener Teams könnte die Qualität der Suchtprävention gefährden.
Was müssen Spieler in Deutschland bei diesem Thema beachten?
Deutsche Spieler sollten Anbieter wählen, die auf der GGL-Whitelist stehen, da diese strengen Regeln zum Spielerschutz unterliegen. Trotz KI-Trends müssen diese Unternehmen sicherstellen, dass soziale Kontrollmechanismen und menschliche Ansprechpartner gemäß GlüStV 2021 erhalten bleiben.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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