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Spielerschutz

US-Spielerschützer NCPG verteidigen Fokus auf Vorhersagemärkte trotz massiver Kritik

23. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
US-Spielerschützer NCPG verteidigen Fokus auf Vorhersagemärkte trotz massiver KritikKI-GENERIERT

Der National Council on Problem Gambling (NCPG) hält an einer neuen Mitgliedschaftskategorie für Vorhersagemärkte fest, die durch eine 2-Millionen-Dollar-Spende finanziert wird.

Die Debatte um die rechtliche Einordnung von sogenannten Vorhersagemärkten (Prediction Markets) erreicht in den USA einen neuen Höhepunkt. Der National Council on Problem Gambling (NCPG) sieht sich mit wachsendem Widerstand konfrontiert, da die Organisation eine eigene Unterkategorie für Finanzdienstleistungen und Handel eingeführt hat. Der Anlass für die Kontroverse ist brisant, denn die Einführung dieser Kategorie ging mit einer Zuwendung von 2 Millionen US-Dollar aus der Branche der Vorhersagemärkte einher. Während Aufsichtsbehörden wie die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) diese Plattformen als Swap-Plattformen und somit als Finanzinvestitionen betrachten, beharrt der NCPG auf einer anderen Sichtweise.

Für den NCPG steht nicht das juristische Etikett im Vordergrund, sondern das tatsächliche Verhalten der Nutzer. Die Organisation argumentiert, dass das Platzieren von Geld auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse funktional identisch mit traditionellem Glücksspiel sei. Diese Haltung hat jedoch einen Preis. Mehrere staatliche Institutionen, darunter das Ohio Casino Control Commission und das Nevada Council on Problem Gambling, haben ihre Zusammenarbeit mit dem NCPG bereits beendet oder lassen ihre Mitgliedschaften derzeit ruhen. Die Kritiker werfen der Organisation vor, durch die Annahme der Millionenspende ihre Neutralität zu gefährden und Aktivitäten zu legitimieren, die in vielen Bundesstaaten rechtlich umstritten sind.

Zahlen und Fakten

Im Zentrum der neuen Strategie steht die Initiative für Gesundheit und Sicherheit von Finanzhändlern. Diese wird durch den genannten 2-Millionen-Dollar-Zuschuss finanziert, der unter anderem eine Stelle für einen Senior Manager im Bereich Finanzdienstleistungen und Handelsinitiativen ermöglicht. Eine im Juni durchgeführte Harris-Umfrage im Auftrag des NCPG stützt den Kurs der Organisation. Laut dieser Umfrage sind 85 Prozent der US-Amerikaner der Meinung, dass Menschen auf Vorhersagemärkten süchtiges oder ungesundes Verhalten entwickeln können. Zudem fordern 84 Prozent der Befragten, dass für diese Plattformen ähnliche Verbraucherschutzstandards wie für das Glücksspiel gelten sollten.

Interessant ist auch die Diskrepanz in der Wahrnehmung. Während 45 Prozent der US-Bürger Vorhersagemärkte direkt mit Glücksspiel vergleichen, sehen nur 27 Prozent darin eine Form der Investition. Trotz des Risikobewusstseins gaben in der Umfrage nur 56 Prozent an, dass sie wüssten, wo sie Hilfe suchen könnten, falls sie ein Problem mit diesen Plattformen entwickeln würden. Der NCPG sieht hier eine gefährliche Lücke in der Präventionsarbeit.

Hintergrund

Präsident Derek Longmeier verdeutlichte am 22. September, dass die Mission des NCPG nicht von regulatorischen Urteilen abhängt. Die Organisation betont ihre Neutralität gegenüber der Legalität von Glücksspiel, fordert aber den Schutz der Konsumenten überall dort, wo Schäden entstehen.

„Unabhängig davon, wie Vorhersagemärkte derzeit rechtlich definiert sind, ist der NCPG der Ansicht, dass es sich funktional um Glücksspiel handelt und die Verbraucher vielen der gleichen Risiken und Schäden ausgesetzt sein können, die mit traditionellem Glücksspiel verbunden sind.“ - Derek Longmeier, Vorstandspräsident des NCPG

Longmeier fügte hinzu, dass die Schäden nicht theoretisch seien, sondern reale finanzielle und emotionale Konsequenzen für Individün und Familien hätten. Man könne nicht warten, bis Gerichte oder Behörden eine endgültige Definition gefunden haben. Besonders die Reichweite zu neuen und jungen Nutzern sei in ihrem Ausmaß und ihrer Geschwindigkeit beispiellos.

Was heißt das für deutsche Spieler?

In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sehr präzise geregelt. Vorhersagemärkte, die Wetten auf politische Ereignisse oder ähnliche Szenarien anbieten, bewegen sich oft außerhalb der deutschen Lizenzierung. Spieler in Deutschland sollten darauf achten, nur Angebote von Unternehmen zu nutzen, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese lizenzierten Anbieter unterliegen strengen Regeln wie dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, das über das System LUGAS kontrolliert wird. Zudem gilt ein Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Wetten auf Vorhersagemärkten ohne GGL-Lizenz bieten diesen Schutz nicht. Die Debatte in den USA verdeutlicht, dass auch moderne Handelsplattformen Suchtpotenziale bergen, die in Deutschland durch die strikte Aufsicht der GGL und den Anschluss an das Sperrsystem OASIS minimiert werden sollen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz bedeutet die Entwicklung in den USA eine Bestätigung ihrer strengen Auflagen. Die Einordnung von Grenzprodukten als funktionales Glücksspiel könnte auch in Europa dazu führen, dass hybride Finanzprodukte stärker reguliert werden. GGL-Casinos müssen bereits jetzt umfangreiche Sozialkonzepte vorlegen und sicherstellen, dass Minderjährige keinen Zugriff haben. Da der NCPG nun Standards für Vorhersagemärkte fordert, die in Deutschland bei lizenzierten Anbietern längst Standard sind wie etwa Einzahlungslimits, Cooling-off-Phasen und der Zugang zu Hilfsressourcen, zeigt dies den hohen Reifegrad des deutschen Regulierungsmodells. Deutsche Anbieter können sich durch die konsequente Umsetzung dieser Schutzmaßnahmen von unregulierten Schwarzmarkt-Angeboten abheben, die oft versuchen, unter dem Deckmantel von Finanzprodukten Spielerschutzregeln zu umgehen.

Häufige Fragen

Was sind Vorhersagemärkte genau?

Vorhersagemärkte sind Plattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse, wie Wahlen oder Sportereignisse, wetten können. Rechtlich werden sie oft als Finanzderivate eingestuft, funktionieren aber faktisch wie Sportwetten oder Casinospiele.

Warum ist die 2-Millionen-Dollar-Spende umstritten?

Kritiker befürchten, dass der NCPG durch das Geld der Branche seine Unabhängigkeit verliert. Mehrere staatliche Behörden in den USA haben deshalb ihre Mitgliedschaft gekündigt, da sie eine unzulässige Nähe zur Industrie sehen.

Welche Risiken sieht der NCPG bei diesen Plattformen?

Der Verband warnt vor Suchtgefahren, insbesondere für junge Nutzer, da die Plattformen sehr schnelllebig sind. Laut einer Umfrage glauben 85 Prozent der Amerikaner, dass diese Märkte zu Abhängigkeit führen können.

Wie werden Spieler in Deutschland geschützt?

In Deutschland schützt der GlüStV 2021 Spieler durch das zentrale Sperrsystem OASIS und das Limitkontrollsystem LUGAS. Nur Anbieter mit GGL-Lizenz dürfen legal Glücksspiel anbieten, wobei ein monatliches Einzahlungslimit von 1.000 Euro gilt.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

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