Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Technik

PAF und Meta starten Pilotprojekt gegen illegalen Glücksspielmarkt in der Schweiz

30. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
PAF und Meta starten Pilotprojekt gegen illegalen Glücksspielmarkt in der SchweizKI-GENERIERT

Der skandinavische Glücksspielanbieter PAF kooperiert mit dem Tech-Riesen Meta, um illegale Anbieter auf Plattformen wie Facebook und Instagram effektiver zu sperren.

Der Kampf gegen den illegalen Glücksspielmarkt erreicht eine neue technologische Stufe. Jesper Eliasson, Direktor beim skandinavischen Anbieter PAF, hat auf dem SBC Summit in Lissabon eine ungewöhnliche Allianz verkündet. In einem experimentellen Pilotprojekt arbeitet PAF direkt mit dem US-amerikanischen Tech-Giganten Meta zusammen, um die Präsenz unlizenzierter Anbieter in der Schweiz einzudämmen. Diese Nachricht sorgt in der Branche für Aufsehen, da soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram bisher oft als Einfallstor für illegale Werbung galten, gegen das staatliche Regulierungsbehörden nur schwer ankommen konnten.

Die Zusammenarbeit konzentriert sich darauf, dem Meta-Konzern klare Datenpunkte zu liefern, mit denen die Plattformbetreiber ihre Filtermechanismen schärfen können. Eliasson betonte, dass der Schwarzmarkt durch zunehmend enge Steuersysteme und feindselige Rahmenbedingungen in den regulierten Märkten befeuert wird. Spieler werden oft über soziale Medien gezielt zu unlizenzierten Betreibern geleitet. Durch den direkten Austausch von Informationen soll nun die Sichtbarkeit dieser illegalen Angebote massiv eingeschränkt werden. Das Ziel ist es, die kreativen Inhalte des Schwarzmarktes zu eliminieren und das Wachstum unlizensierter Akteure zu stoppen.

Zahlen und Fakten

Im Kern der Vereinbarung steht der Austausch von verifizierten Lizenzdokumenten und spezifischen URLs. Meta nutzt diese Daten, um ein präziseres Bild davon zu erstellen, wer reguliert ist und wer nicht. Dies betrifft nicht nur die Betreiber der Casinos selbst, sondern auch deren Werbepartner, die sogenannten Affiliates. Dass dieser Schritt dringend notwendig ist, zeigen andere Stimmen vom Summit. Björn Fuchs, Vorsitzender des niederländischen Verbands VNLOK, kritisierte die aktuelle Situation scharf. Er bezeichnete die von der niederländischen KSA veröffentlichte Kanalisierungsrate von 90 Prozent als ein „Wiegenlied, das wir nicht glauben sollten“.

Fuchs berichtete zudem von den frustrierenden Erfahrungen seines Verbands. VNLOK habe in den letzten fünf Jahren versucht, Meta zum Handeln zu bewegen, erhielt jedoch meist nur automatisierte Antworten. Dies führte letztlich dazu, dass der Verband rechtliche Schritte gegen den Konzern einleitete. Eliasson hingegen setzt auf Kooperation statt Konfrontation.

„Man könnte sagen, dass Dialog und Zusammenarbeit langfristig effektiv sind, aber nach fünf Jahren sehen wir keine Verbesserung und die Werbeanzeigen werden schlimmer. Deshalb haben wir den Schritt gewagt, vor Gericht zu gehen und den niederländischen Richter zu bitten, sich der Sache anzunehmen." - Björn Fuchs, Vorsitzender bei VNLOK

Hintergrund

Die Schweiz dient in diesem Experiment als Testmarkt. Sollte das Projekt erfolgreich sein, hat PAF die klare Ambition, das Modell auf andere europäische Märkte auszuweiten. Die Dringlichkeit wird auch durch Entwicklungen in Großbritannien unterstrichen. Richard Clarke, Geschäftsführer bei Paddy Power Betfair, berichtete von Treffen mit der ehemaligen Glücksspielministerin Baroness Twycross. Er betonte, dass die Erfahrung von Kunden auf dem Schwarzmarkt „entsetzlich“ sei und mehr Aufklärung über die Risiken unlizenzierter Angebote nötig ist. Die Zusammenarbeit zwischen einem Betreiber wie PAF und einem Plattformbetreiber wie Meta könnte hier einen Präzedenzfall schaffen, der die Durchsetzung von Glücksspielrecht im digitalen Raum grundlegend verändert.

Interessanterweise zeigt die Datenlage von Meta in der Schweiz ein gemischtes Bild. Während der Konzern im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) in Zürich forscht, gibt es strenge Auflagen durch den Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (EDÖB). So bestätigte Meta gegenüber dem EDÖB am 21. Juni 2024, dass Daten von Schweizer Nutzern vorerst nicht zum Training von KI-Modellen verwendet werden. Diese vorsichtige Haltung gegenüber Schweizer Regulierungsbehörden könnte Meta dazu bewogen haben, bei der Glücksspielkontrolle nun kooperativer aufzutreten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist diese Entwicklung von hoher Relevanz, da der hiesige Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) extrem streng reguliert ist. In Deutschland dürfen nur Anbieter agieren, die auf der sogenannten Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Diese lizenzierten Casinos müssen strenge Regeln befolgen, darunter das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat sowie das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Zudem erfolgt eine Überwachung durch das LUGAS-System, um Spielerschutz zu gewährleisten.

Ein Erfolg des PAF-Meta-Modells in der Schweiz könnte dazu führen, dass Meta auch in Deutschland enger mit der GGL oder lizenzierten Betreibern zusammenarbeitet. Bisher werden deutsche Nutzer auf sozialen Plattformen oft noch mit Werbung für Curacao-Casinos oder MGA-Anbieter ohne deutsche Lizenz konfrontiert. Ein automatisierter Abgleich von Werbeanzeigen mit der deutschen Whitelist würde den Spielerschutz massiv stärken, da deutsche Kunden dann nur noch legale, staatlich geprüfte Angebote sehen würden. Dies würde den Schwarzmarkt austrocknen, da die Neukundengewinnung über Facebook und Instagram für illegale Anbieter erheblich erschwert würde.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für Betreiber mit einer GGL-Lizenz wäre eine solche Kooperation ein Segen für den fairen Wettbewerb. Aktuell leiden legale Anbieter unter den hohen Kosten für regulatorische Compliance und Steuern, während illegale Konkurrenten ohne diese Lasten aggressiv um Kunden werben können. Wenn Meta in Zukunft Werbeanzeigen von Anbietern ohne GGL-Lizenz automatisiert blockiert, steigen die Kanalisierungsraten in den legalen Markt. Dies sichert langfristig die Rentabilität der legalen Unternehmen und schützt die Integrität des deutschen Marktes. Es würde zudem die Rechtssicherheit für Affiliates erhöhen, die sich strikt an die Werberichtlinien der GGL halten müssen.

Häufige Fragen

Warum arbeiten PAF und Meta zusammen?

Die beiden Unternehmen testen in der Schweiz ein Verfahren, um illegale Glücksspielanbieter auf Facebook und Instagram besser zu identifizieren und zu blockieren. PAF liefert dafür Lizenzdaten und URLs an Meta.

Wie reagieren andere Verbände auf Meta?

Der niederländische Verband VNLOK ist skeptisch und hat rechtliche Schritte eingeleitet, da Meta in den vergangenen fünf Jahren kaum auf Beschwerden über illegale Werbung reagiert hat.

Wird das Projekt auf andere Länder ausgeweitet?

Jesper Eliasson von PAF hat die Hoffnung geäußert, dass das Schweizer Experiment als Vorbild für ganz Europa dienen könnte, um den Schwarzmarkt effektiver zu bekämpfen.

Welche Rolle spielt die KI bei Meta in diesem Zusammenhang?

Obwohl Meta KI-Forschung in Zürich betreibt, wurde dem Schweizer Datenschutzbeauftragten zugesichert, dass Nutzerdaten aus der Schweiz vorerst nicht für das Training von KI-Modellen verwendet werden.

Was bedeutet das für den Spielerschutz in Deutschland?

Ein Erfolg des Projekts könnte die Durchsetzung des GlüStV 2021 verbessern, da illegale Werbung für Casinos ohne GGL-Lizenz auf sozialen Medien durch technische Filter unterbunden werden könnte.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich →

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel