Pascal sammelt 9 Millionen Dollar für institutionelle Prognosemärkte ein

Das New Yorker Startup Pascal sicherte sich in einer Series-A-Finanzierungsrunde frische 9 Millionen US-Dollar, um die Infrastruktur für professionelle Trader im Bereich der Prognosemärkte auszubauen.
Die Welt der Prognosemärkte bekommt einen neuen, finanzstarken Mitspieler, der sich ganz bewusst von der breiten Masse abhebt. Das in New York ansässige Startup Pascal hat den Abschluss einer Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 9 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Angeführt wurde die Investition von der renommierten Wagniskapitalgesellschaft Union Square Ventures (USV), die bereits für ihr glückliches Händchen bei Unternehmen wie Coinbase oder Twitter bekannt ist. Mit diesem frischen Kapital steigt die Gesamtfinanzierung von Pascal auf stolze 15 Millionen US-Dollar an, nachdem bereits im August des Vorjahres eine Seed-Runde über 6 Millionen US-Dollar abgeschlossen wurde.
Während der Markt derzeit von Giganten wie Polymarket oder Kalshi dominiert wird, schlägt Pascal einen technologisch anspruchsvolleren Weg ein. Das Unternehmen konzentriert sich nicht auf den Massenmarkt der Gelegenheitsspieler, sondern auf professionelle Händler und institutionelle Akteure. Dabei setzt das Team auf eine Infrastruktur, die eher an moderne Krypto-Derivate-Börsen erinnert als an klassische Wettplattformen. Es geht um Geschwindigkeit, Liquidität und verlässliche Ausführungen, um die Volatilität von Ereignissen handelbar zu machen.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die Details der Finanzierung zeigt, dass Pascal namhafte Unterstützer hinter sich weiß. Neben dem Lead-Investor Union Square Ventures beteiligten sich auch Wintermute Ventures und DBA an dem Projekt. Diese Verbindung zur Kryptowelt ist kein Zufall, da die technische Basis von Pascal auf der Solana-Blockchain fußt. Dadurch können Transaktionen extrem schnell und kosteneffizient abgewickelt werden. Das System nutzt eine sogenannte Off-Chain Matching Engine, bei der die Aufträge in Millisekunden zusammengeführt werden, während die Sicherheit durch On-Chain Sicherheiten gewährleistet bleibt.
Obwohl sich die Plattform erst seit Juni in einer privaten Beta-Phase befindet, sind die ersten Zahlen beeindruckend. Laut Investorenkreisen wurden bereits über 2 Millionen Kontrakte verarbeitet. Das Besondere daran ist, dass kein künstliches Marketing oder Belohnungssysteme für das Handelsvolumen eingesetzt wurden. Die Aktivität entstand rein organisch durch das Interesse der Nutzer. Das Startup verfolgt dabei ein mathematisch fundiertes Konzept und benannte sich nach dem französischen Mathematiker Blaise Pascal. Dieser legte im 17. Jahrhundert mit seinen Arbeiten zur Wahrscheinlichkeitsrechnung den Grundstein für das, was wir heute unter statistischer Risikoanalyse verstehen.
Hintergrund
Die Köpfe hinter Pascal sind keine Neulinge im Finanzsektor. Die Gründer Ivo Crnkovic-Rubsamen und Matthew Downey bringen jahrelange Erfahrung aus dem algorithmischen Handel und dem Kryptosektor mit. Crnkovic-Rubsamen war zuvor als quantitativer Händler bei Schwergewichten wie Bridgewater Associates und D.E. Shaw tätig, bevor er 2024 die Leitung der Krypto-Börse dYdX übernahm. Diese Expertise fliest direkt in die Entwicklung von Pascal ein. Das Ziel ist es, die Mechanik von Perpetual Futures auf Ereignisverträge zu übertragen.
„Ich würde gerne eine Welt sehen, in der es liquide Märkte für die Arten von Risiken gibt, denen echte Unternehmen ausgesetzt sind und an deren Absicherung sie interessiert sind.“ - Ivo Crnkovic-Rubsamen, Mitgründer von Pascal
In den USA stehen Prognosemärkte derzeit unter verstärkter Beobachtung durch die Regulierungsbehörden. Es wird intensiv debattiert, ob Wetten auf politische Ereignisse oder Sportereignisse als Glücksspiel oder als Finanzatükt zu werten sind. Da Pascal jedoch auf institutionelle Kunden setzt und Funktionen wie Maker-Rebates, APIs für Algorithmen und eine Order-Matching-Zeit von 50 Millisekunden bietet, positioniert sich das Unternehmen eher im Bereich der Finanztechnologie. Dennoch bleibt die rechtliche Einordnung in den verschiedenen US-Bundesstaaten eine Herausforderung, der sich das Team stellen muss.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Situation bei Prognosemärkten wie Pascal komplex. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sind Wetten auf politische Ereignisse oder sonstige nicht-sportliche Ereignisse in Deutschland streng reglementiert oder oft gar nicht zulässig. Plattformen wie Pascal, die primär auf institutionelle Trader und Krypto-Mechaniken setzen, fallen in eine Grauzone zwischen Finanzmarktregulierung und Glücksspielrecht. Deutsche Privatnutzer, die sich für solche Märkte interessieren, sollten wissen, dass diese Portale keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) besitzen.
Ohne GGL-Lizenz entfallen wichtige Schutzmechanismen wie der Anschluss an das Sperrsystem OASIS oder die Überwachung durch das LUGAS-System. Auch die gewohnten Limits, wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots, greifen hier nicht, da es sich um eine völlig andere Produktkategorie handelt. Da Pascal zudem auf der Blockchain-Technologie basiert, erfolgt die Abwicklung meist über Kryptowährungen, was zusätzliche Risiken hinsichtlich der Volatilität und der rechtlichen Durchsetzbarkeit von Ansprüchen birgt. Wer in Deutschland rechtssicher spielen möchte, sollte sich stets an die Whitelist der GGL halten.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die etablierten Online-Casinos mit GGL-Lizenz beobachten solche Entwicklungen mit Interesse, aber auch mit einer gewissen Skepsis. Prognosemärkte könnten langfristig eine Konkurrenz zu klassischen Sportwetten darstellen, sofern sie für Privatkunden zugänglicher werden. Doch die harten Auflagen für deutsche Anbieter verhindern derzeit ohnehin, dass solche innovativen Krypto-Finanzprodukte einfach in das Portfolio aufgenommen werden können. Deutsche Anbieter konzentrieren sich weiterhin auf das Kerngeschäft unter Einhaltung der strengen Regeln zu Jugendschutz und Suchtprävention. Das Modell von Pascal zeigt jedoch, wohin die Reise technisch gehen könnte: weg von einfachen Quoten hin zu dynamischen Orderbüchern, die wie eine Börse funktionieren. Für den deutschen regulierten Markt bleibt dies vorerst Zukunftsmusik.
Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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