Polymarket Hack: Krypto-Plattform nimmt Handel nach Millionenverlust wieder auf
KI-GENERIERTNach einem Sicherheitsleck bei einem Drittanbieter wurden 710 Wallets auf Polymarket kompromittiert. Rund 2,43 Millionen Euro wurden unbefugt entwendet, bevor der Handel gestoppt wurde.
Die Krypto-Wettplattform Polymarket erlebte am 29. Oktober einen turbulenten Tag, als unbefugte Abhebungen aus Nutzer-Wallets das Unternehmen zwangen, den Handel vorübergehend einzustellen. Der Vorfall ereignete sich in einer kritischen Phase, nur wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen, einem Zeitpunkt, an dem das Handelsvolumen auf solchen Prognosemärkten traditionell massiv ansteigt. Nach einer etwa einstündigen Unterbrechung konnte der Betrieb gegen 15:00 Uhr Eastern Time wieder aufgenommen werden, nachdem das Sicherheitsleck identifiziert und geschlossen wurde.
Betroffen war laut offiziellen Angaben nur die internationale Plattform von Polymarket. Die separate US-Plattform blieb nach Unternehmensangaben unberührt. Der Vorfall wirft jedoch erneut ein Schlaglicht auf die technischen Abhängigkeiten von Drittanbietern im Web3-Bereich. Polymarket selbst verwies auf einen Sicherheitsvorfall bei einem externen Dienstleister, der für die Überwachung der Website-Performance zuständig ist.
Zahlen und Fakten
Erste Schätzungen von Blockchain-Analysefirmen wie Betting Intelligence und Polysights gehen davon aus, dass mindestens 2,43 Millionen Euro (etwa 2,7 Millionen US-Dollar) aus insgesamt 710 verschiedenen Wallets entwendet wurden. Diese Zahlen wurden zwar nicht offiziell von Polymarket bestätigt, decken sich jedoch mit Berichten von CNBC. Der Betreiber reagierte schnell auf den Vorfall und gab bekannt, dass der Fehler auf den britischen Anbieter DebugBear zurückzuführen sei. DebugBear bestätigte den Vorfall und forderte seine Kunden auf, den entsprechenden Einbettungscode von ihren Webseiten zu entfernen.
Polymarket hat bereits einen Plan zur Entschädigung der Opfer vorgelegt. Nutzer, deren Verluste unter 8.985 Euro (10.000 US-Dollar) liegen, sollen ihre Mittel bereits bis zum 30. Oktober zurückerhalten haben. Kunden mit höheren Verlusten müssen hingegen ein Freigabeformular unterzeichnen, bevor die Rückerstattung eingeleitet wird. Das Unternehmen betonte zudem die Zusammenarbeit mit den Behörden:
„Polymarket hat die Angelegenheit an die britischen Strafverfolgungsbehörden verwiesen." - Unternehmenssprecher von Polymarket gegenüber CNBC
Hintergrund
Die Situation von Polymarket ist in Europa ohnehin angespannt. Während die Plattform international wächst, gerät sie immer stärker in das Visier von Regulierungsbehörden. Die französische ANJ (Autorité Nationale des Jeux) hat bereits im Juli 2026 die Sperrung der Plattform angeordnet, da sie illegale Glücksspieldienste ohne Lizenz anbietet. Laut ANJ verzeichnete die Seite allein im Juni 205.057 einzigartige Besucher. Auch die europäische Finanzaufsicht ESMA hat klargestellt, dass binäre Prognosemärkte oft als Finanzinstrumente einzustufen sind und somit strengen EU-Richtlinien wie MiFID II unterliegen.
Die Rechtslage in den USA ist ebenfalls komplex. Während Anbieter wie Kalshi durch Gerichtsurteile in New Jersey Teilerfolge feierten, sehen indianische Glücksspielverbände (IGA) in diesen Plattformen eine Bedrohung für ihre Souveränität. Der IGA-Vorsitzende David Bean warnte in San Diego bereits davor, dass rechtliche Urteile hier Vorrang vor der öffentlichen Meinung haben werden.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Nutzung von Plattformen wie Polymarket mit erheblichen rechtlichen und finanziellen Risiken verbunden. Da Polymarket über keine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verfügt, fällt das Angebot unter illegales Glücksspiel gemäß dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). Deutsche Spieler genießen hier keinerlei Schutz durch das zentrale Sperrsystem OASIS oder die Überwachungsdatenbank LUGAS.
Zudem greifen die strengen deutschen Spielerschutzmaßnahmen, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro oder das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots, auf solchen Krypto-Plattformen nicht. Der aktuelle Hack zeigt drastisch, dass bei unregulierten Anbietern die Sicherheit der Gelder nicht garantiert ist. Im Falle eines Totalverlusts durch einen Hack haben deutsche Nutzer kaum rechtliche Handhabe, da sie sich auf einer in Deutschland nicht zugelassenen Plattform bewegt haben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für lizenzierte deutsche Online-Casinos unterstreicht dieser Vorfall die Bedeutung von strenger Regulierung und IT-Sicherheit. GGL-lizenzierte Anbieter müssen höchste Standards bei der Datensicherheit erfüllen und werden regelmäßig geprüft. Ein solcher Hack, bei dem Millionenbeträge über Drittanbieter-Skripte abfließen, wäre in dem hochregulierten deutschen Markt durch strikte Auflagen zur IT-Infrastruktur deutlich schwerer umzusetzen. Zudem bietet die GGL-Whitelist den Spielern die Gewissheit, dass sie bei seriösen Unternehmen spielen, die im Ernstfall haftbar sind. Der Fall Polymarket dient somit als mahnendes Beispiel dafür, warum der Weg über lizenzierte Anbieter trotz strengerer Limits der sicherere Pfad ist.
Häufige Fragen
Was ist bei Polymarket passiert?
Am 29. Oktober kam es zu unbefugten Abhebungen aus Nutzer-Wallets durch eine Sicherheitslücke bei einem Drittanbieter namens DebugBear. Der Handel musste daraufhin für etwa eine Stunde gestoppt werden, betraf aber laut Betreiber nur die internationale Plattform.
Wie hoch ist der finanzielle Schaden durch den Hack?
Blockchain-Analysten schätzen den Schaden auf etwa 2,43 Millionen Euro (2,7 Millionen US-Dollar). Insgesamt sollen rund 710 Wallets von den illegalen Transaktionen betroffen gewesen sein.
Werden die betroffenen Nutzer entschädigt?
Ja, Polymarket hat zugesagt, alle betroffenen Händler vollständig zu entschädigen. Kleinere Beträge bis 8.985 Euro sollten bereits bis zum 30. Oktober zurückgezahlt werden, für größere Summen ist eine formale Freigabe nötig.
Ist Polymarket in Deutschland legal?
Nein, Polymarket besitzt keine Lizenz der GGL und ist somit in Deutschland als illegal einzustufen. Die Nutzung erfolgt auf eigenes Risiko und ohne den Schutz des deutschen Glücksspielstaatsvertrags.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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