Steuerstreit in Großbritannien: Leak enthüllt Zweifel an Glücksspiel-Bericht
KI-GENERIERTEin Entwurf der Social Market Foundation sorgt für Wirbel. Interne Kommentare stellen die Forderung nach 40 Prozent Steuer auf Spielautomaten infrage.
Die Social Market Foundation (SMF) sieht sich mit unangenehmen Fragen konfrontiert, nachdem ein Entwurf ihres Flaggschiff-Berichts mit internen Kommentaren der Geschäftsführung im Internet aufgetaucht ist. Der Zeitpunkt könnte für den Think Tank kaum schlechter sein, da Schatzkanzler John Healey seinen Haushalt am Mittwoch, dem 28. Oktober, vorstellt. In diesem Rahmen wird eine deutliche Erhöhung der Machine Games Duty (MGD) erwartet, wofür sich die SMF lautstark starkgemacht hat. Das Dokument wurde am Dienstag von Guido Fawkes veröffentlicht, einer für politische Leaks bekannten Website. Es scheint, als sei der Entwurf versehentlich inklusive der Bearbeitungskommentare hochgeladen worden, was nun tiefe Einblicke in die internen Zweifel der Organisation gewährt.
Besonders brisant sind die Anmerkungen von SMF-Direktor Theo Bertram. In einer Randnotiz fragte er die Autoren, auf welcher Grundlage sie die Zuversicht stützten, dass entlassene Mitarbeiter nach einer Steuererhöhung anderswo Arbeit finden würden. Der Chefökonom Gideon Salutin antwortete im Entwurf, dass es keine Garantie für einzelne Arbeiter gebe, aber die Beschäftigung national wachsen würde. Auch beim Thema Kriminalität mahnte Bertram zur Vorsicht, um die Kausalität nicht zu überbewerten. Salutin reagierte daraufhin, dass ein kausaler Zusammenhang unklar sei, und änderte die Formulierung in Korrelation um. Trotz dieser internen Bedenken blieb die radikale Kernforderung nach einer Verdopplung der Steuer bestehen.
Zahlen und Fakten
Der Bericht mit dem Titel Addressing the harm wurde bereits im Juni veröffentlicht und fordert, die MGD für Geräte der Kategorie B von 20 Prozent auf 40 Prozent zu verdoppeln. Dies soll laut Schätzungen zusätzliche Einnahmen von 275 Millionen bis 458 Millionen Pfund pro Jahr generieren. Die Branche reagiert entsetzt auf die Enthüllung, dass die wissenschaftliche Herleitung intern offenbar selbst angezweifelt wurde. Greg Knight, CEO des Buchmachers Jenningsbet, erklärte auf LinkedIn, die Social Market Foundation sei völlig diskreditiert. Er warf dem Think Tank vor, Steuern lediglich als Rauchvorhang zu nutzen, um die Abschaffung des Glücksspiels voranzutreiben.
Die Auswirkungen einer solchen Steuererhöhung wären massiv. Die British Gambling Commission (BGC) warnte bereits davor, dass eine MGD-Rate von 40 Prozent bis zu 3.800 Arbeitsplätze in Casinos gefährden könnte. Modellrechnungen von Regulus Partners deuten zudem darauf hin, dass rund 1.500 Wettbüros sofort schließen müssten. Selbst der britische Pferdesportverband British Horseracing Authority befürchtet Kosten von 92 Millionen Pfund jährlich für den Rennsport. Diese Zahlen verdeutlichen, dass es hier nicht nur um eine theoretische Debatte geht, sondern um die Existenzgrundlage Tausender Beschäftigter.
Hintergrund
Die politische Dimension des Leaks ist erheblich, da Alex Ballinger MP das Vorwort des Berichts verfasste. Er leitete zudem einen Brief von 90 Labour-Abgeordneten, die genau diese 40 Prozent Steuererhöhung fordern. Kritiker wie Carl Templeton-Smith bemängeln nun, dass Abgeordnete sich auf Forschung verlassen, deren Beweislage offensichtlich nicht ausreichend geprüft wurde. Helen Walton von G.Games ging sogar so weit zu behaupten, dass einige Beteiligte wüssten, dass Daten erfunden seien, sie aber dennoch präsentierten. Auch wenn der Leak keine direkten Zahlenfälschungen zeigt, so belegt er doch eine gezielte Aufweichung kritischer Passagen, um die politische Agenda nicht zu gefährden.
„Die Social Market Foundation wurde völlig diskreditiert. Sie nutzt Steuern als Rauchvorhang, um das Glücksspiel abzuschaffen.“ - Greg Knight, CEO von Jenningsbet
Die British Gambling Commission reagierte ebenfalls auf die Vorfälle. Ein Sprecher erklärte gegenüber City AM, dass die berichteten internen Kommentare ernsthafte Fragen über die Beweise aufwerfen, die zur Rechtfertigung weiterer Steuererhöhungen herangezogen werden. Es bleibt abzuwarten, ob Kanzler Healey sich von den 40 Prozent distanziert und eventuell bei 25 Prozent einpendelt, wie erste Berichte vermuten lassen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler zeigt dieser Vorfall in Großbritannien vor allem eines: Die Regulierung und Besteuerung von Glücksspiel ist oft ein hochpolitisches Feld, auf dem mit harten Bandagen gekämpft wird. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das Maß der Dinge. Während in UK über Automatensteuern von 40 Prozent gestritten wird, kämpfen deutsche Anbieter mit den strikten Regeln der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Hierzulande sind das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Online-Slots bereits Realität.
Die Diskussionen um Steuererhöhungen im Ausland werden oft als Blaupause für heimische Regulierungen beobachtet. Wenn Think Tanks jedoch mit fragwürdigen Daten arbeiten, gefährdet dies die Akzeptanz des legalen Marktes. Für Spieler in Deutschland bedeutet ein überregulierter oder zu hoch besteuerter legaler Markt oft die Abwanderung zu illegalen Anbietern ohne GGL-Lizenz. Dies gilt es durch eine faktenbasierte Politik zu verhindern, die den Spielerschutz ernst nimmt, ohne die Branche zu ersticken.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen sich auf die Einhaltung des LUGAS-Systems und der Sperrdatei OASIS verlassen können. Die Seriosität der zugrundeliegenden Daten für neue Gesetzesvorhaben ist essenziell für die Planungssicherheit der Unternehmen. Wenn internationale Beispiele wie das der SMF Schule machen, könnten auch in Deutschland Forderungen laut werden, die auf wackeligen Füßen stehen. Seriöse Anbieter in Deutschland setzen auf Transparenz und halten sich strikt an die Vorgaben der Whitelist, um sich von den sogenannten Schwarzmarkt-Anbietern aus Curacao oder Malta abzugrenzen. Nur ein stabiles regulatorisches Umfeld sichert langfristig faire Bedingungen für Betreiber und Kunden gleichermaßen.
Häufige Fragen
Warum ist der Bericht der Social Market Foundation umstritten?
Ein geleakter Entwurf zeigt interne Zweifel an den behaupteten Folgen einer Steuererhöhung. Führungskräfte hinterfragten die Beweise für Arbeitsplatzverluste und den Zusammenhang zwischen Spielautomaten und Kriminalität.
Wie hoch soll die Steuer auf Spielautomaten in UK steigen?
Die Social Market Foundation fordert eine Verdopplung der Machine Games Duty von 20 Prozent auf 40 Prozent. Experten schätzen, dass dies bis zu 458 Millionen Pfund pro Jahr einbringen könnte.
Welche Folgen befürchtet die Branche bei einer Steuer von 40 Prozent?
Die British Gambling Commission warnt vor dem Verlust von 3.800 Casino-Jobs. Zudem könnten laut Modellrechnungen etwa 1.500 Wettshops unmittelbar vor der Schließung stehen.
Wie reagieren Politiker auf die Enthüllungen des Leaks?
Über 90 Labour-Abgeordnete hatten sich zuvor auf den Bericht gestützt, um höhere Steuern zu fordern. Kritiker werfen ihnen nun vor, Beweise nicht ausreichend geprüft zu haben, bevor sie weitreichende Entscheidungen treffen.
Welchen Einfluss haben solche Steuerdebatten auf Spieler in Deutschland?
In Deutschland ist das Glücksspiel durch den GlüStV 2021 streng reguliert, inklusive Einsatzlimits von 1 Euro. Willkürliche Steuererhöhungen nach britischem Vorbild könnten den legalen Markt schwächen und Spieler zu illegalen Anbietern ohne GGL-Lizenz treiben.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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