Anjouan-Lizenz-Skandal: Illegales Glücksspiel-Netzwerk aus London enttarnt
KI-GENERIERTErmittlungen decken auf, wie britische Geschäftsleute die Identität der Insel Anjouan für illegale Casino-Lizenzen missbrauchen. Die Comoros-Zentralbank warnt vor kriminellen Aktivitäten.
Die malerische Insel Anjouan, gelegen im Indischen Ozean zwischen Mosambik und Madagaskar, ist eigentlich für den Export von Vanille und Ylang-Ylang-Öl bekannt. Doch hinter der tropischen Fassade hat sich ein dunkles Geschäft etabliert, das die Insel ins Zentrum der internationalen Schattenwirtschaft für Online-Glücksspiel rückt. Eine aktuelle Untersuchung enthüllt, dass eine Gruppe britischer Geschäftsleute von einem unscheinbaren Büroblock im Londoner Vorort Finchley aus agiert, um inoffizielle Lizenzen für Banking, Kryptohandel und Glücksspiel unter dem Namen Anjouans zu verkaufen. Diese Praktiken ziehen nicht nur zweifelhafte Anbieter an, sondern untergraben auch die Bemühungen internationaler Regulierungsbehörden, den Schwarzmarkt einzudämmen.
Die Zentralbank der Komoren hat sich nun deutlich von diesen Aktivitäten distanziert und spricht von einem elaborierten Betrug. Laut einem Sprecher der Behörde handelt es sich um illegale Aktivitäten von Personen, die den Namen der Komoren missbräuchlich verwenden, um sich eine scheinbare Legitimität zu verleihen. Die Sorge ist groß, dass diese Strukturen für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung genutzt werden. Während die Inselregierung rechtliche Schritte einleitet, fokussiert sich die Aufmerksamkeit auf die Drahtzieher in London, die das System der Anjouan Corporate Services (ACS) steuern sollen.
Zahlen und Fakten
Im Zentrum der Vorwürfe steht die Familie Sorsky. Elliot Sorsky, der Geschäftsführer der Sherm Group, und sein Sohn Toby Sorsky werden mit dem Verkauf der Lizenzen in Verbindung gebracht. Die finanziellen Dimensionen sind beachtlich: Das Bankguthaben der Firma ACS Global Custodian stieg im Jahr 2025 sprunghaft von 13.130 Pfund auf 614.826 Pfund an. Dieser Zuwachs fiel exakt mit einem Ansturm von Online-Casinos zusammen, die eine Lizenz aus Anjouan erwerben wollten. Eine solche Lizenz ist bereits für etwa 19.000 Pfund zu haben, was im Vergleich zu den Kosten in anderen Offshore-Jurisdiktionen wie Curacao, wo bis zu 80.000 Pfund fällig werden, ein Schnäppchen für illegale Betreiber darstellt.
Auf dem öffentlichen Register der Anjouan Gaming Authority finden sich mittlerweile fast 1.500 Lizenzinhaber. Prominente Namen wie BC.Game, ein ehemaliger Sponsor von Leicester City, tauchen dort auf. Besonders brisant ist der Fall des Anbieters BetBolt, der mit umstrittenen Werbeaktionen auffiel. Unter anderem soll das Casino der Pornodarstellerin Bonnie Blue 1,2 Millionen Dollar (ca. 910.000 Pfund) gezahlt haben, um den Namen ihres Neugeborenen zu bestimmen. Auch der Rechtsextremist Tommy Robinson trat als Gast-Croupier für die Marke auf. Trotz dieser globalen Marketingstunts behaupten die Betreiber oft, keine Kunden aus regulierten Märkten wie Großbritannien anzunehmen, was Testkäufe jedoch regelmäßig widerlegen.
Hintergrund
Das Geschäftsmodell hinter der Anjouan-Lizenz basiert auf der Täuschung von Spielern und Zahlungsdienstleistern. Alun Bowden, Analyst bei Eilers & Krejcik Gaming, erklärt den Nutzen für die Betreiber sehr treffend:
„Es bietet den Spielern ein gewisses Maß an Beruhigung und einen scheinbaren regulatorischen Rahmen, der Banken, Zahlungsanbieter und andere kommerzielle Partner dazu bringen kann, sich bei Geschäften mit ihnen wohler zu fühlen.“ - Alun Bowden, Analyst bei Eilers & Krejcik Gaming
In Wahrheit bieten diese Lizenzen jedoch keinerlei Schutz. Viele der lizenzierten Seiten werben gezielt damit, nicht an Sperrsystemen wie dem britischen GamStop teilzunehmen. Damit werden gezielt spielsüchtige Menschen angesprochen, die sich eigentlich selbst vom Glücksspiel ausgeschlossen haben. Testberichte zeigen, dass solche Casinos oft keine Auszahlungen leisten oder Kunden mit hunderten von Anrufen und E-Mails unter Druck setzen, sobald sie aufhören zu spielen.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Spieler in Deutschland ist die Situation eindeutig: Angebote mit einer Lizenz aus Anjouan sind nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) absolut illegal. Wer auf solchen Seiten spielt, begibt sich in ein rechtliches und finanzielles Niemandsland. Es gibt keinen Schutz durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), keine Anbindung an das Sperrsystem OASIS und keine Garantie, dass Gewinne jemals ausgezahlt werden. Im Gegensatz zu den streng regulierten GGL-Casinos fehlen hier die obligatorischen Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin und das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über LUGAS überwacht wird. Wer bei einem Anjouan-Anbieter spielt, riskiert nicht nur sein Geld, sondern auch seine Daten, da diese Plattformen oft in undurchsichtigen Jurisdiktionen wie Panama oder Costa Rica registriert sind. Ein Rechtsschutz bei Streitigkeiten ist faktisch nicht existent, da deutsche Gerichte gegen diese Briefkastenfirmen keine Handhabe haben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für seriöse, in Deutschland lizenzierte Anbieter bedeutet dieser Skandal eine weitere Bestätigung ihrer Marktposition, aber auch eine Warnung vor der aggressiven Konkurrenz aus dem Schwarzmarkt. Während GGL-lizenzierte Casinos hohe Steuern zahlen und komplexe Spielerschutzvorgaben erfüllen müssen, können Offshore-Anbieter ihre Kosten durch den Kauf billiger, wertloser Lizenzen extrem niedrig halten. Dies führt zu einem unfairen Wettbewerb, bei dem illegale Seiten mit unrealistischen Bonusversprechen locken. Die GGL steht hier in der Pflicht, die Netzsperren und das Verbot von Zahlungsströmen (Payment Blocking) gegen solche Anjouan-Netzwerke konsequent durchzusetzen. Für die Branche ist es essenziell, dass die Integrität des regulierten Marktes gewahrt bleibt und Spieler aktiv darüber aufgeklärt werden, dass ein „Anjouan-Siegel“ in Wahrheit gar keine staatliche Aufsicht bedeutet.
Häufige Fragen
Was ist eine Anjouan-Glücksspiellizenz?
Es handelt sich um ein Zertifikat, das von einer privaten Organisation in London unter dem Namen der Insel Anjouan verkauft wird. Die Regierung der Komoren hat klargestellt, dass dieses Lizenzsystem illegal ist und keine staatliche Anerkennung besitzt.
Sind Casinos mit Anjouan-Lizenz in Deutschland legal?
Nein, solche Casinos besitzen keine Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Das Anbieten und die Teilnahme an diesen Spielen ist in Deutschland nach dem GlüStV 2021 verboten.
Warum nutzen Anbieter diese Lizenzen?
Die Lizenzen sind mit etwa 19.000 Pfund sehr günstig und erwecken bei Spielern und Banken einen falschen Eindruck von Seriosität. Zudem ermöglichen sie es den Betreibern, wichtige Spielerschutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits oder Sperrlisten zu umgehen.
Wer steckt hinter dem Netzwerk in London?
Untersuchungen weisen auf die Sherm Group und die Familie Sorsky hin, die von London aus als Vermittler fungieren. Die beteiligte Firma ACS Global Custodian verzeichnete 2025 einen massiven Anstieg ihrer Geldbestände durch diese Geschäfte.
Wie erkenne ich ein sicheres Online-Casino?
Ein sicheres Casino für deutsche Spieler muss auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Nur dort sind wichtige Schutzmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Limit, die Anbindung an LUGAS und das Sperrsystem OASIS rechtlich garantiert.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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