Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Regulierung

SBC Summit 2026: Glücksspiel-Giganten fordern hartes Durchgreifen gegen Schwarzmärkte

30. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
SBC Summit 2026: Glücksspiel-Giganten fordern hartes Durchgreifen gegen SchwarzmärkteKI-GENERIERT

Auf dem SBC Summit 2026 in Lissabon warnen Branchengrößen wie Flutter und BetMGM vor den Gefahren illegaler Anbieter und fordern von Big Tech mehr Verantwortung. Alea meldet unterdessen einen Anstieg der Sweepstake-Aktivität auf über 20 Prozent.

In Lissabon versammelt sich derzeit die globale Elite der Glücksspielbranche, um über die drängendsten Herausforderungen der kommenden Jahre zu debattieren. Ein zentrales Thema des SBC Summit am 30. September 2026 ist der wachsende Druck durch illegale Anbieter, die sich staatlicher Regulierung und Besteuerung entziehen. Führende Manager von Unternehmen wie Flutter Entertainment und BetMGM machen deutlich, dass der Kampf gegen den Schwarzmarkt nicht allein von den Glücksspielanbietern gewonnen werden kann. Es bedarf einer engen Kooperation mit den großen Technologieplattformen und Zahlungsdienstleistern, um den Zugang zu nicht lizenzierten Webseiten effektiv zu unterbinden.

Besonders kritisch wird die Lage in Märkten gesehen, in denen die Steuerlast für lizenzierte Unternehmen steigt. Andy Wright, Managing Director für Großbritannien und Irland bei BetMGM, verdeutlichte die Dimensionen der aktuellen Herausforderungen. Die Branche müsse reagieren, um das Risiko zu verringern, dass Kunden zu illegalen Alternativen abwandern. Dabei steht viel auf dem Spiel: Sowohl die Rentabilität der Unternehmen als auch der Schutz der Verbraucher geraten ins Wanken, wenn die Kanalisierungsraten in den regulierten Märkten weiter sinken.

Zahlen und Fakten

Die wirtschaftlichen Auswirkungen regulatorischer Eingriffe sind massiv. BetMGM kalkuliert für das kommende Jahr mit finanziellen Folgen in Höhe von rund 500 Millionen US-Dollar, die direkt auf steuerliche Änderungen zurückzuführen sind. Gleichzeitig zeigt sich in anderen Segmenten ein rasanter Wandel. Das Unternehmen Alea gab bekannt, dass der Anteil der Sweepstake-Aktivitäten am Gesamtgeschäft massiv gestiegen ist. Lag dieser Wert vor April 2026 noch bei 10 Prozent, so stieg er im Zeitraum von April bis August 2026 auf über 17 Prozent und erreichte schließlich die Marke von 20 Prozent. Mit 1,5 Millionen einzigartigen Spielern und einem Wetteinsatzvolumen von 2,3 Milliarden Einheiten unterstreicht dieser Bereich die Dynamik des Marktes.

Ein weiterer Brennpunkt ist der skandinavische Raum. Anders Dorph, Direktor der dänischen Regulierungsbehörde Spillemyndigheden, betonte die Notwendigkeit von Meetings mit Big-Tech-Unternehmen und europäischen Partnerregulierern. Ziel sei es, den Druck auf Konzerne wie Meta zu erhöhen und neue Wege beim Payment Blocking zu gehen. Ohne diese Maßnahmen, so Dorph, werde der Schwarzmarkt in Dänemark dauerhaft Bestand haben. Auch in Schweden beobachtet Fredrik Wastenson von LeoVegas mit Sorge die kontinuierlich sinkenden Kanalisierungsraten.

Hintergrund

Die Debatte um Werbung und ethische Verantwortung nimmt ebenfalls an Schärfe zu. Peter Marcus, CEO von Savvy Hill Marketing, kritisierte das aggressive Vorgehen einiger Marktteilnehmer in der Vergangenheit. Er verwies darauf, dass extreme Werbeexzesse letztlich zu Verboten führen, wie man sie derzeit in Ländern wie Brasilien, den Niederlanden, Belgien oder Spanien beobachten kann. Der Vorteil einer Lizenz, etwa im Vergleich zu Standorten wie Curaçao, Panama oder Anjouan, bestehe primär darin, legal werben zu dürfen. Geht dieses Privileg durch Verbote verloren, schwindet der Anreiz für die Einhaltung strenger Regeln.

„Wir müssen uns auf den Schwarzmarkt konzentrieren. Wir haben vor kurzem Zeit mit dem Glücksspielminister verbracht und einige der Analysen gezeigt, die wir zum Schwarzmarkt durchgeführt haben. Die tatsächliche Erfahrung der Verbraucher als Schwarzmarktkunden ist schrecklich. Ich glaube nicht, dass die Leute immer sehen können, wie das aussieht. Daher ist Aufklärung in diesem Bereich sehr wichtig, aber ich denke, wir müssen wirklich anfangen, Maßnahmen zu ergreifen." - Richard Clarke, Managing Director bei Paddy Power Betfair

Ein interessanter technologischer Aspekt ist der Einzug von Künstlicher Intelligenz. Paris Smith, Investorin und ehemalige CEO von Pinnacle, bezeichnet KI als unverzichtbares Element bei der Bewertung von Investitionen. KI könne dabei helfen, veraltete Technologiestrukturen („Spaghetti Tech Stacks“) aufzubrechen und die Effizienz massiv zu steigern. Dies erlaube es Gründern, mit weniger Kapital mehr Anteile an ihren Unternehmen zu halten, stellt die Branche aber auch vor die Herausforderung, Produkte zu entwickeln, die nicht einfach durch KI-Modelle repliziert werden können.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler sind die Diskussionen in Lissabon von hoher Relevanz, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eines der strengsten Regelwerke weltweit besitzt. Die Warnungen der Branchenführer vor dem Schwarzmarkt spiegeln die Situation hierzulande wider. Während lizenzierte Anbieter in Deutschland strikte Limits einhalten müssen – wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten – locken illegale Anbieter ohne deutsche Lizenz oft mit höheren Limits und fehlenden Sperrmechanismen.

Der Appell der Regulierer, den Druck auf Big Tech zur Sperrung illegaler Werbung zu erhöhen, könnte auch in Deutschland Schule machen. Spieler sollten sich bewusst sein, dass der Schutz durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) nur bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist greift. Wer bei illegalen Anbietern (oft mit Lizenzen aus Curacao oder den Philippinen) spielt, setzt sich nicht nur dem Risiko von Zahlungsverweigerungen aus, sondern verliert auch den Zugriff auf die Spielerschutzsysteme wie OASIS.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz stehen vor der Herausforderung, trotz der strengen gesetzlichen Auflagen attraktiv gegenüber dem Schwarzmarkt zu bleiben. Die auf dem Summit besprochene Strategie der Effizienzsteigerung durch KI könnte auch für deutsche Betreiber ein Schlüssel sein, um die hohen Compliance-Kosten aufzufangen. Wenn internationale Schwergewichte wie BetMGM bereits über Strategien zur Abfederung von Steuernachlässen nachdenken, zeigt dies den massiven wirtschaftlichen Druck. GGL-lizenzierte Unternehmen müssen verstärkt in die Aufklärung investieren, um Spielern die Vorteile der legalen und sicheren Umgebung – trotz der 5-Sekunden-Regel und Einsatzlimits – nahezubringen. Nur wenn der legale Markt als qualitativ überlegen wahrgenommen wird, kann die Kanalisierung gelingen.

Häufige Fragen

Warum verlieren lizenzierte Casinos Kunden an den Schwarzmarkt?

Durch steigende Steuern und strenge Limits in regulierten Märkten sinkt die Attraktivität für bestimmte Spielergruppen. Illegale Anbieter werben oft mit fehlenden Einsatzlimits und ohne verpflichtende Spielpausen, was besonders High Roller anzieht.

Welche Rolle spielt Big Tech im Kampf gegen illegales Glücksspiel?

Regulierungsbehörden fordern von Plattformen wie Meta oder Google, Werbung für illegale Anbieter konsequenter zu sperren. Zudem wird über technische Unterstützung beim Payment Blocking diskutiert, um Geldflüsse zu unlizenzierten Betreibern zu unterbinden.

Wie verändert Künstliche Intelligenz die Glücksspielbranche?

KI wird zunehmend zur Optimierung interner Prozesse und zur Reduzierung von Entwicklungskosten eingesetzt. Investoren achten bei Firmenbewertungen verstärkt darauf, ob ein Geschäftsmodell gegen die Automatisierung durch KI-Agenten langfristig bestehen kann.

Was ist das Besondere an sogenannten Sweepstake-Casinos?

Diese Anbieter nutzen ein spezielles Modell mit virtuellen Währungen, das in einigen Regionen rechtlich anders bewertet wird als klassisches Glücksspiel. Laut Alea ist das Volumen in diesem Sektor bis August 2026 auf über 20 Prozent des Geschäftsanteils gestiegen.

Warum ist das Spielen in Casinos mit GGL-Lizenz in Deutschland sicherer?

Nur Anbieter auf der Whitelist der GGL unterliegen dem deutschen Glücksspielstaatsvertrag 2021, der wichtige Schutzmaßnahmen wie das LUGAS-Limit und die OASIS-Sperrdatei vorschreibt. Bei illegalen Anbietern ohne deutsche Lizenz besteht kein rechtlicher Schutz bei Streitigkeiten oder drohender Spielsucht.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich →

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel