Glücksspiel-Steuer im Visier: Flutter warnt vor gefährlichem Schwarzmarkt-Boom
KI-GENERIERTDie Erhöhung der britischen Online-Glücksspielsteuer auf 40 Prozent setzt Anbieter unter Druck. Flutter erwartet für das nächste Jahr eine finanzielle Belastung von rund 500 Millionen Pfund.
Die Landschaft des digitalen Glücksspiels in Großbritannien steht vor einem drastischen Umbruch. Seit dem 1. April dieses Jahres ist die Steuer für Online-Glücksspiele von zuvor 21 Prozent auf stolze 40 Prozent geklettert. Diese Entscheidung der Politik sorgt für erhebliche Unruhe unter den Betreibern, da die Gewinnmargen massiv zusammengeschmolzen sind. Große Marktteilnehmer versuchen nun, ihre Kostenstrukturen anzupassen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Während die Branchengrößen über die nötige Finanzkraft verfügen, um solche Stürme zu überstehen, droht kleineren Unternehmen das wirtschaftliche Aus.
Die aktuelle Entwicklung führt zu einer Konsolidierung des Marktes. Experten beobachten, dass die sogenannten Tier-One-Betreiber bereits zwei Drittel des britischen Marktes kontrollieren. Dieser Anteil könnte in naher Zukunft auf bis zu 80 Prozent steigen. Doch dieser Zuwachs an Marktanteilen ist für die legalen Anbieter kein Grund zur Freude. Vielmehr wächst die Sorge, dass die Kombination aus hohen Steuern und strengen regulatorischen Auflagen ein gefährliches Vakuum schafft, das immer häufiger von illegalen Offshore-Anbietern gefüllt wird.
Zahlen und Fakten
Richard Clarke, Geschäftsführer der zu Flutter gehörenden Marken Paddy Power und Betfair, äußerte sich auf dem SBC Summit in Lissabon besorgt über die finanziellen Dimensionen. Er rechnet für das kommende Jahr mit einer Belastung von 500 Millionen Pfund durch die neuen steuerlichen Rahmenbedingungen. Diese Auswirkungen seien bereits in diesem Jahr spürbar und erforderten aktives Management. Wettbewerber wie Entain haben bereits reagiert und planen den Abbau von etwa 400 Stellen im Kundenservice in elf Ländern, darunter Großbritannien, Irland und Kontinentaleuropa. Dies entspricht rund 20 Prozent der dortigen Belegschaft im Support-Bereich. Zuvor hatte Entain bereits 500 Stellen in den Bereichen Technik und Produkt gestrichen.
„Wenn wir am Ende in einer Situation landen, in der Flutter Marktanteile gewinnt, während der Schwarzmarkt schneller wächst als die regulierte Industrie, kann das nichts sein, worüber sich irgendjemand freuen sollte. Wir sollten uns darauf konzentrieren, die Ursachen für den Schwarzmarkt anzugehen.“ - Richard Clarke, Geschäftsführer bei Flutter (Paddy Power und Betfair)
Hintergrund
Das Hauptproblem der legalen Branche ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Schwarzmarktanbietern, die weder Steuern zahlen noch Spielerschutzregeln einhalten. Ein Test des Betrugsexperten Alex Wood verdeutlichte die Absurdität: Er konnte bei einem in Curacao ansässigen Anbieter Konten für fiktive Personen wie den 213-jährigen Charles Dickens oder eine siebenjährige Bo Peep eröffnen. Ohne VPN-Sperren oder Altersprüfung konnten Wetten in Höhe von 50 Pfund platziert werden. Solche Anbieter werben gezielt damit, außerhalb von Schutzsystemen wie GamStop zu agieren. Flutter setzt dem entgegen, dass man 550 Mitarbeiter in Vollzeit für den Bereich sicheres Glücksspiel beschäftigt, um den Schutz der Kunden zu gewährleisten.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Die Situation in Großbritannien bietet eine wichtige Lehre für den deutschen Markt und die hiesige Regulierung durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021). In Deutschland gibt es bereits strikte Regeln wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und den maximalen Einsatz von 1 Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Diese Maßnahmen werden durch das zentrale Aufsichtssystem LUGAS überwacht. Wenn die steuerliche oder regulatorische Last in Deutschland zu hoch wird, besteht auch hier die Gefahr, dass Spieler in den Schwarzmarkt abwandern. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) führt eine Whitelist, auf der alle legalen Anbieter stehen. Spieler sollten diese Liste stets prüfen, da nur GGL-lizenzierte Casinos die strengen deutschen Sicherheitsstandards erfüllen. Ein Ausweichen auf MGA- oder Curacao-Casinos bietet keinerlei rechtliche Sicherheit bei Auszahlungskonflikten, wie die britischen Beispiele zeigen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für Betreiber mit einer deutschen Lizenz der GGL ist die Debatte um die Verhältnismäßigkeit von Steuern und Spielerschutz essenziell. Aktuell wird in Deutschland eine Steuer auf Spieleinsätze erhoben, die bereits einen hohen Druck auf die Kanalisierung ausübt. Wenn legale Anbieter gezwungen sind, ihre Auszahlungsquoten (RTP) aufgrund hoher Steuern massiv zu senken, wird der illegale Markt attraktiver. Die deutschen Behörden müssen daher den schmalen Grat zwischen strenger Überwachung und der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der legalen Angebote finden. Nur ein starker, lizenzierter Markt kann die Ziele des Spielerschutzes und der Suchtprävention langfristig erreichen, ohne dass Kunden massenhaft zu unkontrollierten Offshore-Plattformen abwandern, die keinerlei Kontrollinstanz unterliegen.
Häufige Fragen
Warum steigen die Steuern für Online-Glücksspiele in Großbritannien?
Die britische Regierung hat die Steuer für Fernspielangebote am 1. April von 21 auf 40 Prozent erhöht. Ziel ist es, die Staatseinnahmen zu steigern, was jedoch zu massiven Gewinnkürzungen bei legalen Betreibern führt.
Wie reagieren große Unternehmen wie Flutter und Entain auf die Steuererhöhung?
Flutter erwartet eine jährliche Zusatzbelastung von 500 Millionen Pfund, während Entain bereits den Abbau von rund 400 Stellen im Kundenservice angekündigt hat. Viele Firmen strukturieren um, um die gestiegenen Kosten abzufangen.
Was ist das größte Risiko der aktuellen Regulierung?
Experten wie Richard Clarke warnen, dass Kunden vermehrt zu illegalen Schwarzmarktanbietern abwandern könnten. Diese bieten keinen Spielerschutz und umgehen Identitätsprüfungen sowie Selbstsperrsysteme.
Können Minderjährige auf Schwarzmarkt-Webseiten spielen?
Ein Praxistest zeigte, dass illegale Anbieter aus Regionen wie Curacao kaum Kontrollen durchführen. Es konnten Konten auf Namen von Kindern eröffnet und Wetten platziert werden, ohne dass ein Identitätsnachweis verlangt wurde.
Welchen Schutz haben Spieler in Deutschland gegenüber dem Schwarzmarkt?
In Deutschland dürfen nur Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) legal operieren. Diese Unternehmen sind auf einer offiziellen Whitelist verzeichnet und müssen strenge Limits sowie Schutzsysteme wie LUGAS und OASIS einhalten.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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