Sündensteuer im Visier: Wie hohe Abgaben den Glücksspielmarkt verändern
KI-GENERIERTWährend Kolumbien fast eine Milliarde Britische Pfund durch Steuern für die Gesundheit sammelt, kämpfen die Niederlande mit einem Rückgang der Kanalisierung auf 49 Prozent.
Die Besteuerung von sogenannten Lastern ist kein Phänomen der Neuzeit. Schon Papst Leo X. finanzierte seinen opulenten Lebensstil während der Renaissance teilweise durch Abgaben auf Prostitution in der Heiligen Stadt. Heute stehen Alkohol, Tabak und vor allem das Online-Glücksspiel im Fokus der Finanzbehörden. Die Logik dahinter ist simpel: Der Staat generiert dringend benötigte Einnahmen, während gleichzeitig der Konsum schädlicher Güter durch hohe Preise oder geringere Attraktivität eingedämmt werden soll. Doch die Realität im Jahr 2026 zeigt, dass dieser Plan nicht immer aufgeht. Besonders im Bereich des digitalen Glücksspiels führt eine zu hohe Steuerlast oft zu einem unerwünschten Nebeneffekt, nämlich der Flucht der Spieler zu illegalen Anbietern ohne jeglichen Schutz.
In der aktuellen globalen Landschaft sehen wir eine enorme Diskrepanz zwischen den Ansätzen verschiedener Nationen. Während einige Länder die Einnahmen gezielt für das Gemeinwohl einsetzen, kämpfen andere mit der Stabilität ihrer regulierten Märkte. Die Debatte wird hitzig geführt, da die Industrie vor einem Zusammenbruch der Kanalisierungsraten warnt, wenn die Abgaben die 40-Prozent-Marke erreichen. Dennoch zeigen Beispiele aus Südamerika und den USA, dass hohe Steuern nicht zwangsläufig das Ende eines Marktes bedeuten müssen, sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
Zahlen und Fakten
Ein Blick auf die konkreten Daten verdeutlicht die Dimensionen. In Kolumbien wurden seit 2022 über 4,01 Billionen COP, was knapp unter einer Milliarde Britischen Pfund entspricht, durch Glücksspielsteuern für das öffentliche Gesundheitswesen eingenommen. Dies geschah unter der Aufsicht der nationalen Regulierungsbehörde Coljügos. Im Gegensatz dazu stehen die Niederlande, wo die Steuer schrittweise von 30,5 Prozent im Jahr 2024 auf 37,8 Prozent in diesem Jahr angehoben wurde. Inklusive einer zusätzlichen Umlage von 1,95 Prozent liegt die Gesamtbelastung nun bei fast 40 Prozent. Die niederländische Behörde KSA meldete, dass man für 2025 Mehreinnahmen von 108 Millionen Euro erwartet hatte, tatsächlich aber nur 2 Millionen Euro zusätzlich verbuchen konnte.
Im Vereinigten Königreich wurde die Steuer für Fernspielaktivitäten im letzten Budget von 21 Prozent auf massive 40 Prozent fast verdoppelt. Ziel der Regierung ist die Finanzierung von Maßnahmen zum Kindeswohl. Dies ist eine der stärksten steuerlichen Veränderungen, die der britische Markt je erlebt hat. Dennoch wuchs der Rohertrag (Gross Gambling Yield) in Großbritannien im Zeitraum von 12 Monaten bis März 2024 auf 16,8 Milliarden Britische Pfund an, was einer Steigerung von 7,35 Prozent entspricht.
Hintergrund
Das Hauptargument gegen hohe Sündensteuern ist das sogenannte Offshoring. Wenn die legalen Anbieter aufgrund der Abgabenlast ihre Quoten verschlechtern oder Boni kürzen müssen, wandern Spieler auf unregulierte Plattformen ab. Rob Wood, CFO und stellvertretender CEO der Entain Group, warnte in einem offenen Brief davor, die Fehler der niederländischen Nachbarn zu wiederholen. Er sieht einen direkten Zusammenhang zwischen den Steuererhöhungen und dem Erstarken des Schwarzmarktes.
„Man sollte den Fehler unserer niederländischen Cousins nicht wiederholen.“ - Rob Wood, CFO bei Entain Group
Interessanterweise widersprechen einige wissenschaftliche Untersuchungen dieser Branchenerzählung. Eine Studie aus dem Jahr 2024, die 29 europäische Märkte analysierte, fand keine starken Beweise für eine Korrelation zwischen hohen Steuern und sinkender Kanalisierung. Tatsächlich deutete ein Modell darauf hin, dass die Spielerbindung in regulierten Märkten bei Steuersätzen zwischen 28 und 37 Prozent sogar am höchsten sein könnte. New York dient hierbei als Paradebeispiel: Trotz einer Steuer von 51 Prozent auf Sportwetten bleibt der Bundesstaat der größte Markt der USA.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist diese Diskussion von zentraler Bedeutung, da Deutschland mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits einen sehr streng regulierten Weg eingeschlagen hat. Die in Deutschland geltende Einsatzsteuer von 5,3 Prozent auf Online-Slots und Poker wird oft kritisiert, da sie direkt vom Umsatz und nicht vom Bruttörtrag abgezogen wird. Dies führt in der Praxis dazu, dass die Auszahlungsquoten (RTP) in legalen GGL-Casinos oft niedriger sind als bei MGA- oder Curacao-Anbietern.
Spieler müssen sich an das strikte Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat halten, das über das zentrale System LUGAS überwacht wird. Zudem gilt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei virtuellen Automatenspielen. Eine weitere Erhöhung der Steuerlast, wie sie in anderen europäischen Ländern beobachtet wird, könnte den Druck auf die legalen deutschen Betreiber weiter erhöhen. Dies würde das Risiko steigern, dass deutsche Kunden vermehrt versuchen, die Sperrsysteme wie OASIS zu umgehen, um auf dem Schwarzmarkt attraktivere, aber unsichere Bedingungen zu finden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen vor der Herausforderung, trotz hoher Abgaben wettbewerbsfähig zu bleiben. Während Steuergelder in Kolumbien Krankenhäuser finanzieren, dienen sie in Deutschland auch dazu, die Kosten für das Überwachungssystem LUGAS und die Suchtprävention zu decken. Anbieter müssen transparent machen, dass die Abgaben direkt in den Spielerschutz fließen.
Bill Miller, Präsident der American Gaming Association, betont, dass die Glücksspielindustrie oft höhere Steuern zahlt als jede andere Branche in den jeweiligen US-Bundesstaaten. Für deutsche GGL-Anbieter bedeutet dies: Sie müssen den Mehrwert der Lizenz betonen. Nur in einem lizenzierten Casino ist sichergestellt, dass Gewinne rechtssicher ausgezahlt werden und der Jugendschutz gewahrt bleibt. Der Vergleich mit den Niederlanden zeigt jedoch, dass die GGL und der deutsche Fiskus die Grenze der steuerlichen Belastbarkeit genau beobachten müssen, um die Kanalisierungsrate nicht zu gefährden.
Häufige Fragen
Was versteht man unter einer Sündensteuer beim Glücksspiel?
Es handelt sich um zusätzliche Abgaben auf Dienstleistungen, die als gesellschaftlich schädlich wahrgenommen werden, wie etwa Glücksspiel, Alkohol oder Tabak. Ziel ist es, Einnahmen zu generieren und gleichzeitig die Nutzung durch höhere Kosten einzudämmen.
Wie wirken sich hohe Steuern auf den Schwarzmarkt aus?
Branchenvertreter warnen, dass zu hohe Steuern Spieler in den illegalen Markt treiben, da legale Anbieter schlechtere Quoten anbieten müssen. In den Niederlanden sank die Kanalisierungsrate basierend auf den Bruttörträgen laut Berichten auf unter 50 Prozent, nachdem die Steuern stiegen.
Wofür werden die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel verwendet?
Die Verwendung variiert je nach Land; in Kolumbien flossen seit 2022 fast eine Milliarde Pfund in das Gesundheitswesen, während Großbritannien die Steuern zur Förderung des Kindeswohls erhöht hat. In vielen Fällen dienen die Gelder der allgemeinen Staatsfinanzierung oder speziellen Sozialprojekten.
Welchen Einfluss hat die Steuer auf deutsche Online-Casinos?
In Deutschland führt die Umsatzsteuer von 5,3 Prozent dazu, dass legale GGL-Casinos oft geringere Auszahlungsquoten anbieten als unregulierte Anbieter. Spieler sind durch den GlüStV 2021 zwar besser geschützt, müssen aber strikte Limits wie das 1.000 Euro Einzahlungslimit und das 1 Euro Einsatzlimit akzeptieren.
Teilen
Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
Whitelist erlaubter Online-Anbieter
Redaktionsrichtlinien Lustich.de
BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700
Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).
Verwandte Themen
Weiterführende Artikel
KI-GENERIERTBrasiliens Fußball unter Schock: Wettlogos verschwinden bis 5. Oktober von Trikots
Nach einer Regierungsmaßnahme müssen brasilianische Klubs Wettwerbung entfernen. Es drohen Verluste von über 1 Milliarde BRL (191 Millionen Dollar).
KI-GENERIERTBrasilien vor Glücksspiel-Verbot: Präsident Lula gegen die Fußball-Clubs
Brasiliens Präsident Lula unterzeichnete eine Notverordnung zum Stopp von Online-Wetten, was Sponsoring-Deals im Wert von 200 Millionen US-Dollar gefährdet.
KI-GENERIERTGlücksspiel-Klage gegen Fanatics Live: Sind Card Breaks illegale Lotterien?
Eine Whistleblower-Klage in Kalifornien beschuldigt Fanatics Live, durch 'Card Breaking' unlizenzierte Lotterien zu veranstalten. Kläger investierten bis zu 4 Millionen US-Dollar in die fragwürdigen Formate.











