TikTok Skandal: Kontensperren für Spielerschutz-Experten statt für illegale Werbung
KI-GENERIERTWährend illegale Krypto-Casinos auf TikTok florieren, wurde der Podcast Better Gaming Show wegen Diskussionen über Spielerschutz permanent gesperrt. Jim Curry kritisiert die Algorithmen der Plattform scharf.
Die Welt der sozialen Medien zeigt sich derzeit von einer besonders widersprüchlichen Seite. Jim Curry, der Kopf hinter dem Podcast Better Gaming Show, kämpft seit geraumer Zeit gegen eine Mauer aus Algorithmen und fehlerhaften Moderationsentscheidungen. Curry hat es sich zur Aufgabe gemacht, über ethisches Glücksspiel und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu informieren. Doch statt Unterstützung erfährt er regelmäßige Repressalien durch Plattformen wie TikTok. Jüngst gipfelte dies in einer permanenten Sperre seines Kontos, nachdem er lediglich über Lotterie-Compliance gesprochen hatte. Die Systeme der Plattform scheinen unfähig zu sein, zwischen verantwortungsvoller Aufklärung und illegaler Promotion zu unterscheiden.
Es ist eine paradoxe Situation, die Curry fast zur Verzweiflung treibt. Während sein kleiner, aber fachlich fundierter Kanal mit gerade einmal 43 Followern ins Visier der Zensur gerät, sieht er in seiner eigenen Timeline eine Flut von Inhalten, die offensichtlich gegen sämtliche Regeln verstoßen. Dazu gehören Versprechungen garantierter Gewinne durch sogenannte Tipster, aggressive Werbung für Krypto-Casinos ohne jegliche Altersprüfung und zwielichtige Influencer, die Systeme an Teenager verkaufen wollen. Die Moderationspolitik von TikTok scheint hier auf einem Auge blind zu sein, solange die Engagement-Zahlen stimmen.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen des Problems werden durch offizielle Daten untermauert. Seit dem Jahr 2024 hat das Team für illegale Märkte der britischen Gambling Commission insgesamt 447.778 URLs an Suchmaschinen gemeldet, von denen bisher 287.961 entfernt wurden. Diese enorme Zahl zeigt jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Ein Bericht aus dem Jahr 2025 legt nahe, dass Meta jährlich rund 16 Milliarden US-Dollar Umsatz durch Betrug und die Bewerbung illegaler Dienstleistungen, einschließlich Glücksspiel, generiert. Das entspricht etwa 10 Prozent des Gesamtumsatzes des Unternehmens. Besonders brisant: Interne Dokumente von Meta deuten darauf hin, dass Maßnahmen gegen solche Inhalte das Unternehmen nicht mehr als 0,15 Prozent des Gesamtumsatzes kosten dürfen, was etwa 135 Millionen US-Dollar entspricht.
„Wenn die Moderationspolitik von TikTok den Unterschied zwischen Reform und Schaden nicht erkennen kann, schützt sie eindeutig nur die Aufmerksamkeit, das Engagement und den kommerziellen Gewinn.“ - Jim Curry, Schöpfer der Better Gaming Show
Curry konnte seine Sperre erst nach einem öffentlichen Protest auf LinkedIn aufheben, als Mitarbeiter von TikTok auf seinen Beitrag aufmerksam wurden. Die Plattform selbst gab ihm gegenüber keinen konkreten Grund für die Reaktivierung an, schickte ihm aber zuvor eine Nachricht, dass die Sperre aufgrund von Glücksspielinhalten erfolgt sei. Er bezeichnet die Situation als absolut verblüffend, da Menschen, die die Branche legitim verbessern wollen, ständig blockiert werden, während illegale Anbieter Begriffe wie grape oder corn nutzen, um automatisierte Filter zu umgehen.
Hintergrund
Die Problematik beschränkt sich nicht nur auf TikTok. Auch Meta und Google stehen in der Kritik. Während seriöse Akteure enorme Hürden überwinden müssen, um legal werben zu dürfen, florieren im Schatten der Algorithmen Anbieter wie Stake oder Rainbet, obwohl diese in Märkten wie Großbritannien oder den USA teilweise blockiert sind. Untersuchungen von Organisationen wie GambleAware zeigen, dass 87 Prozent der befragten 13- bis 17-Jährigen bereits online mit Glücksspielinhalten in Berührung gekommen sind. Davon gaben 16 Prozent an, gezielt Werbung durch Influencer oder Content Creator gesehen zu haben. Die Forderung nach strengeren Regeln und einer vorübergehenden Aussetzung von Glücksspielmarketing auf sozialen Medien wird daher immer lauter.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Nutzer ist diese Entwicklung besonders relevant, da der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) sehr strenge Regeln für Werbung und Spielerschutz vorsieht. Soziale Plattformen, die illegale Krypto-Casinos ohne deutsche Lizenz dulden, untergraben das deutsche Regulierungssystem. Deutsche Spieler sollten sich ausschließlich an Anbieter halten, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen. Nur dort greifen Schutzmechanismen wie das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spiel an virtuellen Automaten.
Die Flut an illegaler Werbung auf TikTok macht es für deutsche Verbraucher schwerer, zwischen legalen Angeboten und gefährlichen Schwarzmarkt-Plattformen zu unterscheiden. Wer auf Angebote ohne LUGAS-Anbindung oder ohne Anschluss an das Sperrsystem OASIS stößt, befindet sich im illegalen Raum. Der Fall von Jim Curry zeigt, dass die Plattformen derzeit kein verlässlicher Partner im Jugend- und Spielerschutz sind, da sie Bildungsinhalte blockieren, aber illegale Lockangebote durch das Netz schlüpfen lassen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Lizenzierte deutsche Online-Casinos stehen vor der Herausforderung, ihre legale Werbung in einem Umfeld zu platzieren, das von illegalen Akteuren mit unlauteren Mitteln dominiert wird. Während GGL-konforme Anbieter sich an strikte Werbezeiten und Inhaltsbeschränkungen halten müssen, nutzen Schwarzmarkt-Anbieter auf TikTok kreative Umgehungstaktiken. Dies verzerrt den Wettbewerb massiv. Die deutschen Behörden müssen daher den Druck auf die Social-Media-Giganten erhöhen, damit diese ihre Algorithmen so anpassen, dass legale, regulierte Angebote von illegalen Machenschaften unterschieden werden können. Eine Kooperation, wie sie Meta nun von TikTok und Google fordert, um Teenager besser zu schützen, wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Häufige Fragen
Warum wurde der Account der Better Gaming Show gesperrt?
Der Account wurde gesperrt, weil die Algorithmen von TikTok die Diskussion über Lotterie-Compliance und Spielerschutz fälschlicherweise als Verstoß gegen die Glücksspielrichtlinien eingestuft haben. Jim Curry musste erst über LinkedIn protestieren, damit das Konto reaktiviert wurde.
Wie umgehen illegale Anbieter die Filter auf TikTok?
Anbieter nutzen Codewörter wie grape oder corn statt glücksspielbezogener Begriffe, um automatisierte Sperren zu umgehen. Zudem setzen sie auf subtile Botschaften und gezieltes Demografie-Marketing, um die Aufmerksamkeit von Teenagern zu gewinnen.
Wie viel verdient Meta an illegalen Werbeanzeigen?
Einem Bericht zufolge generiert Meta jährlich etwa 16 Milliarden US-Dollar durch Betrug und illegale Dienstleistungen, was rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Das Budget zur Bekämpfung dieser Inhalte ist im Vergleich dazu sehr gering angesetzt.
Wie reagieren Regulierungsbehörden auf diese Verstöße?
Die britische Gambling Commission hat bereits über 440.000 illegale URLs gemeldet. In Deutschland überwacht die GGL streng die Einhaltung der Werberegeln und geht gegen Anbieter ohne Lizenz vor, um den legalen Markt zu schützen.
Woran erkenne ich als Spieler in Deutschland ein legales Casino?
Ein legales Casino in Deutschland muss auf der Whitelist der GGL stehen und Funktionen wie LUGAS und OASIS unterstützen. Zudem gelten strikte Limits wie 1 Euro Einsatz pro Spin und eine monatliche Einzahlungsgrenze von 1.000 Euro.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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