Tunesien schreibt neue Plattform für Sportwetten und Lotterien aus
KI-GENERIERTDer staatliche Anbieter Promosport sucht eine neue Multichannel-Lösung. Das Projekt soll dem tunesischen Staat jährlich rund 3,25 Millionen US-Dollar einbringen.
In Tunesien bahnt sich eine technologische Erneuerung auf dem staatlichen Glücksspielmarkt an. Der nationale Betreiber Promosport hat offiziell eine Ausschreibung für eine neue Multichannel-Plattform gestartet. Das Projekt mit der Referenznummer 20260901807-TUNEPS zielt darauf ab, die Bereiche Sportwetten, Lotterien und verschiedene Glücksspiele unter einem technologischen Dach zu vereinen. Unternehmen, die sich für diesen Auftrag interessieren, müssen ihre Unterlagen bis zum 5. November einreichen. Die Ausschreibung wird über das tunesische Online-System für das öffentliche Beschaffungswesen abgewickelt und steht unter der Aufsicht des Ministeriums für Jugend und Sport.
Die aktuelle Entwicklung ist besonders interessant, da sie in eine Phase fällt, in der Tunesien seine gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Glücksspiel grundlegend überdenkt. Bereits im Januar reichten 23 Parlamentsmitglieder einen Vorschlag zur Änderung des Dekrets aus dem Jahr 1974 ein, das bisher die Basis für Lotterien und Wetten im Land bildet. Ziel dieser Reformen ist es, den Markt an die Anforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen und klare Regeln für das Online-Glücksspiel zu schaffen. Promosport, das unter staatlicher Aufsicht steht, fungiert hierbei als zentraler Akteur.
Zahlen und Fakten
Die wirtschaftlichen Erwartungen an die neue Plattform sind hoch gesteckt. Laut früheren Aussagen von Adel Zeramdini, dem Vorsitzenden und Geschäftsführer von Promosport, könnte das Projekt über einen Zeitraum von zehn Jahren Einnahmen in Höhe von 100 Millionen tunesischen Dinar (TND) generieren. Dies entspricht etwa 32,5 Millionen US-Dollar insgesamt oder jährlich rund 3,25 Millionen US-Dollar für den tunesischen Staat. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung des Glücksspielsektors für die nationale Wirtschaft, insbesondere in Zeiten knapper öffentlicher Kassen.
Interessanterweise folgt diese Ausschreibung auf einen bereits im September 2025 gestarteten Prozess. Damals wurde ein Vertrag für eine ähnliche Multichannel-Lösung ausgeschrieben und im Dezember 2025 vergeben. Die Arbeiten daran sollten eigentlich im Januar beginnen und 360 Tage dauern. Warum nun eine erneute Ausschreibung erfolgt, bleibt unklar. Es wird spekuliert, ob es sich um eine Erweiterung der bestehenden Infrastruktur oder um einen kompletten Richtungswechsel handelt. Promosport hat sich bisher nicht dazu geäußert, wie die neue Ausschreibung mit dem bestehenden Auftrag an den früheren Partner zusammenhängt.
Hintergrund
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Promosport bereits internationale Expertise eingebunden hat. Im September 2022 gewann Sisal, ein Teil von Flutter Entertainment, einen Vertrag über das Management des tunesischen Glücksspielmarktes für eine Laufzeit von zehn Jahren. Damals betonte man die Bedeutung dieses Meilensteins für die internationale Strategie.
„Der Gewinn der Ausschreibung in Tunesien ist ein bedeutender Erfolg für Sisal. Er zeigt nicht nur unsere Kompetenz im Lotteriebereich auf lokaler und internationaler Ebene, sondern beweist auch die Umsetzung unserer strategischen Ambition, in Regionen mit erheblichen Wachstumschancen vorzustoßen." - Marco Caccavale, Sisal International Managing Director
Ob die neue technologische Ausschreibung die Rolle von Sisal ergänzt oder ob hier ein neuer Wettbewerb um die technische Hoheit entsteht, ist derzeit offen. Die Aufsicht über Promosport bleibt jedoch fest in staatlicher Hand. Im März wurde Najeh Delalli per Ministerbeschluss als Vertreter des Finanzministeriums in den Vorstand berufen, was die enge Verzahnung mit der Regierungspolitik unterstreicht.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für Spieler in Deutschland haben Entwicklungen in Tunesien keine direkten Auswirkungen auf den Alltag, dienen aber als interessantes Vergleichsbeispiel für staatlich regulierte Märkte. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) das maßgebliche Regelwerk. Während Tunesien noch an der Modernisierung seiner Gesetze aus den 70er Jahren arbeitet, hat Deutschland bereits strikte Vorgaben für den Online-Sektor etabliert. Deutsche Kunden müssen sich an das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System halten und dürfen pro Spielrunde an Slots maximal 1 Euro einsetzen. Diese Maßnahmen dienen dem Spielerschutz und der Suchtprävention, ähnlich wie es die tunesischen Reformen im Bereich der Lotterien und Wetten anstreben.
Was das für GGL-Casinos heißt
Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) beobachten internationale Ausschreibungen wie die von Promosport genau, da sie Trends in der Glücksspieltechnologie aufzeigen. Während Tunesien auf eine Multichannel-Lösung setzt, müssen GGL-lizenzierte Casinos in Deutschland hochspezialisierte Schnittstellen bedienen, um die Anforderungen an den Spielerschutz und die Überwachung zu erfüllen. Der tunesische Weg der staatlich kontrollierten Ausschreibung erinnert an die Strukturen deutscher Lotteriegesellschaften, zeigt aber auch, wie wichtig eine klare Trennung zwischen Technologieanbieter und staatlicher Aufsicht ist. Wer in Deutschland spielt, sollte ausschließlich auf Anbieter setzen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen, um Rechtssicherheit zu genießen.
Häufige Fragen
Wann endet die Frist für die Ausschreibung in Tunesien?
Interessierte Technologieanbieter müssen ihre Gebote bis zum 5. November 2026 einreichen. Die Einreichung erfolgt elektronisch über das tunesische System TUNEPS.
Welche Einnahmen erwartet der tunesische Staat?
Es wird mit Einnahmen von etwa 10 Millionen tunesischen Dinar pro Jahr gerechnet. Über eine Laufzeit von zehn Jahren soll die Plattform insgesamt 100 Millionen Dinar für den Staat generieren.
Welche Spiele werden über die neue Plattform angeboten?
Die Ausschreibung umfasst mehrere Bereiche, darunter Sportwetten, Lotterien und verschiedene Glücksspiele. Es soll sich um eine Multichannel-Plattform handeln, die verschiedene Vertriebswege abdeckt.
Gibt es bereits internationale Partner in Tunesien?
Ja, Sisal, ein Unternehmen der Flutter-Gruppe, sicherte sich bereits im Jahr 2022 einen Zehnjahresvertrag für das Management des Glücksspielmarktes. Die neue Ausschreibung scheint sich spezifisch auf die technische Infrastruktur zu beziehen.
Dürfen deutsche Spieler bei tunesischen Anbietern wetten?
Nein, für Spieler mit Wohnsitz in Deutschland sind nur Anbieter legal, die eine Lizenz der GGL besitzen. Das Wetten bei ausländischen staatlichen Anbietern wie Promosport ist nach dem GlüStV 2021 nicht erlaubt und bietet keinen deutschen Rechtsschutz.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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