Underdog verklagt Tennessee im Streit um Vorrang von Bundesrecht
KI-GENERIERTDer US-Anbieter Underdog zieht gegen Tennessee vor Gericht. Der Streitpunkt: Darf der Bundesstaat Prognosemärkte regulieren, wenn das Bundesrecht Vorrang beansprucht?
Der juristische Kampf um die Deutungshoheit über sogenannte Prognosemärkte hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Underdog, ein bekannter Akteur im Bereich der Sportwetten und Vorhersageplattformen, hat eine Bundesklage gegen den Bundesstaat Tennessee eingereicht. Das Unternehmen wehrt sich damit gegen die Versuche der staatlichen Behörden, seine Angebote unter den lokalen Glücksspielgesetzen zu regulieren. In der beim US-Bezirksgericht für den mittleren Distrikt von Tennessee in Nashville eingereichten Beschwerde wird argumentiert, dass die Bundesbehörden den Vorrang bei der Aufsicht haben müssten.
Die Klage richtet sich namentlich gegen den Generalstaatsanwalt Jonathan Skrmetti sowie gegen die Mitglieder des Tennessee Sports Wagering Council. Underdog sieht sich durch die drohende Durchsetzung staatlicher Gesetze in seiner Existenz bedroht. Das Unternehmen spricht von einer Situation, in der jede Entscheidung zu irreparablen Schäden führen würde. Es ist ein klassischer Konflikt zwischen den Befugnissen der einzelnen US-Bundesstaaten und der zentralen Bundesgesetzgebung, der nun die Gerichte beschäftigt.
Zahlen und Fakten
Der Kern des Streits liegt in der Definition von sogenannten Event-Kontrakten. Während Unternehmen wie Underdog und Kalshi argumentieren, dass es sich um Finanzprodukte handelt, die der Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unterliegen, sehen staatliche Regulierer darin schlichtes Glücksspiel. Ein Urteil des US-Berufungsgerichts für den Sechsten Bezirk Ende September gab den Regulierern in Tennessee und Ohio zunächst Rückenwind. Richterin Julia Smith Gibbons lehnte die Argumentation ab, dass Sportverträge automatisch als Swaps im Sinne des Commodity Exchange Act (CEA) gelten.
Underdog beschreibt die aktuelle Lage drastisch. In der Klageschrift heißt es zur drohenden Durchsetzung durch die Behörden:
„Die drohende versuchte Durchsetzung des Gesetzes von Tennessee stellt eine direkte und unmittelbare Bedrohung für das Geschäft von Underdog und seine Nutzer dar und lässt Underdog vor einer 'Hobson's Choice' stehen, bei der beide Optionen irreparablen Schaden verursachen werden.“ - Underdog-Rechtsvertretung, Klageschrift eingereicht in Nashville
Besonders brisant ist, dass die CFTC am 9. Oktober eine vorläufige Schlussregel erlassen hat, die traditionelle Glücksspielprodukte ausdrücklich von der Definition eines Swaps ausschließt. Gleichzeitig hat die Behörde dem Office of Management and Budget (OMB) im Weißen Haus zwei Regeln zur Klärung der Aufsicht vorgelegt. Die Unsicherheit ist groß: Während Richterin Katherine Menendez in Minnesota der CFTC recht gab, dass einige Kontrakte exklusiv unter Bundesrecht fallen, widersprach Richter William Griesbach in Wisconsin dieser Ansicht nur einen Tag später.
Hintergrund
Die Expansion von Prognosemärkten hat in den USA eine Klagewelle ausgelöst. Neben Tennessee steht auch New York im Fokus, wo Generalstaatsanwältin Letitia James gegen Kalshi klagt, um den Betrieb wegen illegalen Glücksspiels dauerhaft zu schließen. Die Plattformen argumentieren oft mit dem CEA, um sich dem Zugriff der strengen staatlichen Glücksspielbehörden zu entziehen. Für Anbieter wie Underdog geht es um viel Geld und Marktanteile, insbesondere da große Player wie IG Group Interesse an einer Übernahme signalisiert haben und Unternehmen wie Robinhood oder Coinbase wachsende Nutzerzahlen in diesem Sektor melden.
Die CFTC warnt zudem vor Manipulationsrisiken bei sogenannten „Mention Markets“. Hierbei wird darauf gewettet, ob eine öffentliche Person ein bestimmtes Wort sagt oder an einem Event teilnimmt. Ein prominentes Beispiel war der Fall von Gabriel Perez, der über 107.500 US-Dollar Profit durch Wetten auf die Reden von Präsident Trump erzielte und daraufhin von der CFTC zur Rückzahlung und einer Zivilstrafe von 65.000 US-Dollar verurteilt wurde. Solche Vorfälle bestärken Kritiker darin, dass diese Märkte „funktional Glücksspiel“ sind, wie es der National Council on Problem Gambling (NCPG) formuliert.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler sind diese US-amerikanischen Rechtsstreitigkeiten zunächst weit weg, doch sie zeigen die Bedeutung klarer Regulierung. In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eindeutig definiert. Wer hierzulande Sportwetten oder virtuelle Automatenspiele anbietet, benötigt eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Prognosemärkte, wie sie Underdog in den USA betreibt, haben in Deutschland kaum Spielraum für regulatorische Grauzonen. Sie müssten sich entweder als Finanzderivate unter BaFin-Aufsicht oder als Glücksspiel unter GGL-Aufsicht einordnen.
Spieler in Deutschland profitieren von strengen Schutzmaßnahmen wie dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das IT-System LUGAS überwacht wird. Zudem gilt das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spielrunde bei Slots. Anbieter ohne deutsche Lizenz, oft mit Sitz in Curacao oder Malta, bieten diesen Schutz nicht. Die US-Klagen verdeutlichen, dass mangelnde Klarheit zu langwierigen Prozessen führt, während das deutsche Modell durch die Whitelist der GGL für Rechtssicherheit sorgt. Deutsche Kunden sollten Plattformen meiden, die nicht auf dieser Liste stehen, um im Falle von Streitigkeiten rechtlich abgesichert zu sein.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für lizenzierte deutsche Casinos bedeutet die internationale Debatte eine Bestätigung ihres regulierten Weges. Während in den USA gestritten wird, ob eine Wette ein Finanzprodukt ist, haben deutsche Anbieter klare Regeln für Steuern und Spielerschutz. Die GGL überwacht streng, dass keine manipulierbaren Wetten oder unzulässigen Event-Märkte angeboten werden. Für Betreiber ist dies ein Wettbewerbsvorteil, da Kunden Vertrauen in die staatlich geprüfte Fairness haben. Der Fall Underdog zeigt jedoch auch, dass Innovationen im Wettbereich weltweit Druck auf bestehende Gesetze ausüben. Deutsche Anbieter müssen wachsam bleiben, wie die GGL neue Wettformen bewertet, um gegenüber internationalen Trends nicht den Anschluss zu verlieren, ohne dabei den hohen Spielerschutzstandard zu opfern.
Häufige Fragen
Warum verklagt Underdog den Bundesstaat Tennessee?
Underdog argumentiert, dass die Bundesbehörden den Vorrang bei der Regulierung von Prognosemärkten haben. Das Unternehmen sieht in der Durchsetzung staatlicher Glücksspielgesetze eine Bedrohung für sein Geschäft und seine Nutzer.
Was hat das Berufungsgericht im Fall Kalshi entschieden?
Richterin Julia Smith Gibbons entschied, dass Sportverträge nicht automatisch die Definition von Swaps unter dem CEA erfüllen. Damit wurde den Bundesstaaten Ohio und Tennessee erlaubt, ihre Glücksspielgesetze gegen solche Plattformen anzuwenden.
Welche Rolle spielt die CFTC in diesem Streit?
Die CFTC versucht, durch neue Regeln zu klären, welche Event-Kontrakte als Finanzprodukte (Swaps) unter ihre exklusive Aufsicht fallen. Sie warnt gleichzeitig vor Manipulationen bei Märkten, die auf Aussagen öffentlicher Personen basieren.
Können deutsche Spieler bei Underdog wetten?
Nein, Underdog verfügt über keine Lizenz der GGL für den deutschen Markt. Deutsche Spieler sollten nur bei Anbietern wetten, die auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder stehen.
Wie werden Prognosemärkte in Deutschland rechtlich bewertet?
In Deutschland unterliegen solche Angebote dem Glücksspielstaatsvertrag 2021, sofern sie als Wetten eingestuft werden. Sie benötigen eine Genehmigung der GGL und müssen strenge Spielerschutzvorgaben wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit erfüllen.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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