Wales schreibt 142.056 Euro für zweisprachige Sperrsoftware aus
KI-GENERIERTPublic Health Wales sucht nach rechtlichem Streit eine neue Sperrsoftware für 142.056 Euro, die sowohl Walisisch als auch Englisch unterstützt.
In Wales sorgt die Beschaffung von Spielerschutz-Software für erhebliche Unruhe in der Branche. Die nationale Gesundheitsbehörde Public Health Wales hat ein neues Vergabeverfahren für eine Glücksspiel-Sperrsoftware eingeleitet, die ab April 2027 zum Einsatz kommen soll. Mit einem geschätzten Auftragswert von 142.056 Euro inklusive Mehrwertsteuer zielt das Projekt darauf ab, Hilfesuchenden ein effektives Werkzeug an die Hand zu geben, um den Zugang zu Online-Casinos und Wettanbietern technisch zu unterbinden. Eine Besonderheit dieser Ausschreibung ist die strikte Anforderung an die Zweisprachigkeit: Die Software muss sowohl in englischer als auch in walisischer Sprache vollumfänglich funktionieren.
Der Schritt zur Neuausschreibung erfolgt nicht ohne Grund. Zuvor gab es heftige Kritik an der ursprünglichen Auftragsvergabe. Im Februar 2026 hatte Public Health Wales einen Vertrag über 258.826 Euro direkt an das Unternehmen Gamban vergeben. Damals behauptete die Behörde, Gamban sei das einzige Produkt seiner Art, das derzeit in Wales in Gebrauch und verfügbar sei. Diese Darstellung wurde jedoch von Wettbewerbern wie BetBlocker scharf angegriffen. Die gemeinnützige Organisation BetBlocker wies darauf hin, dass sie bereits im Jahr 2025 über 1.000 Nutzer in Wales unterstützte und durch Fördergelder von GambleAware bereits eine kostenlose Lösung anbot. Dieser Konflikt führte dazu, dass nun ein offener Wettbewerb stattfinden muss, um die rechtliche Integrität der öffentlichen Mittel zu wahren.
Zahlen und Fakten
Die neue Vertragslaufzeit ist für den Zeitraum vom 1. April 2027 bis zum 30. März 2028 angesetzt. Der veranschlagte Wert von 142.056 Euro zeigt, dass der Staat bereit ist, signifikante Summen in den technischen Spielerschutz zu investieren. Die Software soll über die nationale Glücksspiel-Helpline und andere spezialisierte Behandlungswege kostenlos verteilt werden. Eine zentrale technische Hürde ist die Manipulationssicherheit: Die Anbieter müssen nachweisen, dass ihre Software schwer von Endgeräten zu entfernen und kaum zu umgehen ist. Gamban hat bereits angekündigt, sich erneut um den Auftrag zu bewerben, während BetBlocker durch juristische Berater in London sicherstellen ließ, dass das Verfahren diesmal fair und transparent abläuft.
Der Streit zwischen den beiden Anbietern ist dabei nicht nur auf Wales begrenzt. Auch in den Niederlanden gab es ähnliche Auseinandersetzungen. Die niederländische Glücksspielbehörde KSA musste eine Entscheidung für BetBlocker zurückziehen, nachdem Gamban rechtliche Einwände erhoben hatte. Letztlich wurden dort beide Angebote für ungültig erklärt, da technische Mängel im Einreichungssystem TenderNed.nl auftraten. Diese globalen Konflikte zeigen, wie hart umkämpft der Markt für staatlich geförderte Sperrsysteme geworden ist, insbesondere seit Gamban in einigen Regionen auf ein Abonnement-Modell umgestellt hat.
Hintergrund
Seit April 2026 verfolgt Wales einen koordinierten nationalen Ansatz zur Bekämpfung von Glücksspielschäden. Dazu gehört eine 24-Stunden-Helpline und klinische Behandlungsdienste, die vom Betsi Cadwaladr University Health Board geleitet werden. In diesem Ökosystem spielt die Sperrsoftware eine entscheidende Rolle als erste Barriere. Matt Zarb-Cousin von Gamban betonte, dass die Installation solcher Programme oft der erste Schritt auf dem Weg zur Genesung sei. Die Integration der walisischen Sprache ist dabei ein politisches Statement und eine Notwendigkeit für die Inklusion aller Bürger des Landes.
Duncan Garvie, Treuhänder und Gründer von BetBlocker, kritisierte die Behörden deutlich für ihr bisheriges Vorgehen. Die Behauptung, es gäbe keine Alternativen zu Gamban, nannte er schlichtweg falsch. Laut Garvie ist es essenziell, dass öffentliche Gelder effektiv und ohne Überbezahlung von Anbietern eingesetzt werden. Das Zitat unterstreicht die Frustration über die mangelnde Marktkenntnis der Behörden:
„Gamban erhielt einen Direktauftrag von Public Health Wales mit der Begründung, es sei das einzige Produkt seiner Art, das derzeit in Wales in Betrieb sei. Dies ist eindeutig falsch, da BetBlocker mehrere Finanzierungsrunden erhalten hatte, um kostenlose Sperrsoftware im gesamten Vereinigten Königreich bereitzustellen und 2025 über 1.000 walisische Nutzer unterstützte." - Duncan Garvie, Gründer von BetBlocker
Was heißt das für deutsche Spieler?
In Deutschland ist die Situation durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) noch strenger geregelt als in Großbritannien. Während in Wales externe Softwarelösungen wie Gamban oder BetBlocker staatlich gefördert werden, setzt Deutschland auf das zentrale Sperrsystem OASIS. Jeder Spieler, der sich in Deutschland sperren lässt, ist automatisch bei allen Anbietern auf der GGL-Whitelist blockiert. Dies gilt für Online-Casinos, Sportwetten und sogar für stationäre Spielhallen. Deutsche Spieler müssen sich also nicht zwingend auf Drittanbieter-Software verlassen, da das gesetzliche System bereits einen umfassenden Schutz bietet.
Zudem gelten in Deutschland harte Limits, wie das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro, das über das IT-System LUGAS überwacht wird. Auch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten ist ein fester Bestandteil des deutschen Spielerschutzes. Wer bei einem legalen, von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) lizenzierten Anbieter spielt, ist in ein engmaschiges Netz aus Kontrollen eingebunden. Dennoch können Tools wie Gamban eine sinnvolle Ergänzung sein, um auch den Zugang zu illegalen, nicht lizenzierten Schwarzmarkt-Angeboten aus Curacao oder Malta technisch zu erschweren, die versuchen, die deutschen Schutzmechanismen zu umgehen.
Was das für GGL-Casinos heißt
Für lizenzierte deutsche Online-Casinos bedeutet die Entwicklung in Wales vor allem eines: Der Fokus auf technische Barrieren wächst stetig. Betreiber müssen sicherstellen, dass ihre Plattformen mit gängigen Sperrprogrammen kompatibel sind und keine Schlupflöcher bieten. Da die GGL in Halle (Saale) streng auf die Einhaltung der Werberichtlinien und den Jugendschutz achtet, ist die Kooperation mit Präventionsdiensten oft ein Teil der Compliance-Strategie. Deutsche Anbieter sollten die Debatte um die Wirksamkeit von Sperrsoftware genau verfolgen, da die GGL theoretisch ähnliche Anforderungen an die Interoperabilität mit Schutz-Tools stellen könnte.
Häufige Fragen
Warum wird die Sperrsoftware in Wales neu ausgeschrieben?
Die Neuausschreibung erfolgt nach Kritik an einer vorherigen Direktvergabe an Gamban. Wettbewerber wiesen darauf hin, dass es andere kostenlose Alternativen gibt, was ein offenes und faires Tenderverfahren notwendig macht.
Wie teuer ist der neue Auftrag für die Software?
Public Health Wales schätzt den Wert des neuen Vertrags auf 142.056 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Der Vertrag soll eine Laufzeit von einem Jahr ab April 2027 haben.
Welche besonderen Funktionen muss die Software bieten?
Die Software muss zwingend zweisprachig (Walisisch und Englisch) sein. Zudem muss sie technisch so stabil sein, dass sie nur schwer von Geräten entfernt oder umgangen werden kann.
Können deutsche Spieler diese walisische Software nutzen?
Grundsätzlich stehen Tools wie Gamban weltweit zur Verfügung, jedoch bietet das deutsche OASIS-System bereits eine gesetzlich verankerte Sperrmöglichkeit. In Deutschland lizenzierte Casinos müssen Spieler bei einer Sperre sofort ausschließen.
Welche Rolle spielt die GGL beim Spielerschutz in Deutschland?
Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) überwacht die Einhaltung des Glücksspielstaatsvertrags. Sie führt die Whitelist legaler Anbieter und stellt sicher, dass Schutzmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Limit und das OASIS-System funktionieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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