EU plant neue Abgabe für Online Glücksspiel: Milliardeneinnahmen bis 2029 im Visier
KI-GENERIERTEin Brüsseler Think Tank schlägt eine EU-weite Abgabe auf Online-Glücksspiel vor, die bis 2029 rund 4,7 Milliarden Euro in die Gemeinschaftskasse spülen könnte.
In Brüssel braut sich eine finanzpolitische Entscheidung zusammen, die das Gesicht des europäischen Online-Glücksspielmarktes nachhaltig verändern könnte. Das European Centre for International Political Economy (ECIPE), ein einflussreicher Think Tank, hat einen konkreten Vorschlag unterbreitet, um das wachsende Segment der Online-Wetten und digitalen Casinos als neue Eigenressource für den EU-Haushalt zu erschließen. Ziel ist es, den kommenden Mehrjährigen Finanzrahmen für die Jahre 2028 bis 2034 durch eine zusätzliche Einnahmequelle zu stützen, die weniger rechtliche Hürden aufweist als eine direkte harmonisierte Steuer. Die Idee dahinter ist simpel: Statt nationale Steuersouveränität anzugreifen, soll eine Abgabe auf Ebene der Bruttospielerträge (Gross Gaming Revenue, GGR) erhoben werden.
Die Dringlichkeit dieses Vorhabens ergibt sich aus dem enormen Finanzierungsbedarf der Union, insbesondere für die Rückzahlung der Corona-Schulden. Bisher stützt sich die EU vor allem auf Beiträge basierend auf dem Bruttonationaleinkommen, Zöllen, der Mehrwertsteuer und einer Plastikabgabe. Online-Glücksspiel wird nun als attraktives Ziel gesehen, da es im Vergleich zum landbasierten Sektor ein grenzüberschreitendes Wachstum aufweist und bereits jetzt einen erheblichen wirtschaftlichen Einfluss hat. Die Diskussion gewinnt an Fahrt, da auch die Europäische Kommission bereits interne Dokumente erstellt hat, die sogar noch deutlich höhere Summen als der Think Tank in Aussicht stellen.
Zahlen und Fakten
Die Prognosen des ECIPE stützen sich auf Daten der European Gaming and Betting Association (EGBA) und skizzieren zwei Hauptszenarien. Bei einem Abgabesatz von 3,5 Prozent auf den GGR könnten jährlich etwa 1,7 Milliarden Euro generiert werden. Sollte sich die EU für einen Satz von 10 Prozent entscheiden, würde die Summe bis zum Jahr 2029 auf stolze 4,7 Milliarden Euro ansteigen. Besonders interessant ist der Vergleich mit Schätzungen der EU-Kommission, die laut internen Papieren bei einer Steuer von 3 Prozent auf den Nettoumsatz sogar von 1,9 Milliarden Euro pro Jahr ausgeht, was über den gesamten Siebenjahreszeitraum des Budgets etwa 13,3 Milliarden Euro entspräche.
Ein wesentlicher Streitpunkt bleibt die Kanalisierung. Während Branchenvertreter warnen, dass höhere Lasten Spieler in den Schwarzmarkt treiben könnten, widerspricht der ECIPE-Bericht dieser Ansicht deutlich.
„Obwohl argumentiert wurde, dass Steuererhöhungen zu einer Verschiebung von lizenziertem Glücksspiel zu illegalem Glücksspiel führen könnten, ist dies weitgehend nicht der Fall, abgesehen von Problemspielern und Hochrisikospielern, die höheren Auszahlungen nachjagen.“ - Unbenannter Autor, ECIPE-Vorschlag
Laut Bericht machen unregulierte Anbieter derzeit etwa 91,6 Milliarden Euro des EU-weiten Bruttospielertrags aus, während regulierte Anbieter auf 36,5 Milliarden Euro kommen. Diese Diskrepanz verdeutlicht den Druck, unter dem die legalen Betreiber stehen.
Hintergrund
Die politische Gemengelage in Brüssel ist kompliziert. Neue Eigenressourcen benötigen die Einstimmigkeit aller 27 Mitgliedstaaten. Länder wie Malta, deren Wirtschaft stark vom iGaming-Sektor abhängt, dürften sich gegen eine zusätzliche Belastung sperren. Frankreich hingegen signalisiert, dass es keinem Budget zustimmen wird, das keine signifikanten neuen Eigenressourcen enthält. Der Vorschlag einer Glücksspielabgabe steht in Konkurrenz oder Ergänzung zu anderen Ideen wie einer Krypto-Steuer, die zwischen 3 und 4 Milliarden Euro einbringen könnte, oder Abgaben auf Tech-Giganten wie Google und Amazon.
Der Vorteil einer Glücksspiel-Abgabe gegenüber einer harmonisierten Steuer liegt in der Vermeidung rechtlicher Komplikationen. Da die Steuersätze in den Mitgliedstaaten bereits stark variieren, wäre eine EU-weite Abgabe ein neuer, eigenständiger Einnahmestrom. Dies könnte den Widerstand einiger Staaten mindern, da die nationale Steuerhoheit formal unangetastet bleibt, auch wenn der wirtschaftliche Effekt für die Betreiber identisch ist.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler, die in Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) aktiv sind, könnte eine solche EU-Abgabe indirekte Folgen haben. Deutschland gilt laut ECIPE-Bericht neben Italien und Frankreich als einer der größten potenziellen Beitragszahler. Da der deutsche Markt durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) bereits streng reguliert ist, inklusive des 1-Euro-Einsatzlimits pro Spin bei Slots und des monatlichen Einzahlungslimits von 1.000 Euro über das LUGAS-System, ist der Margendruck für legale Anbieter hierzulande schon jetzt extrem hoch.
Sollte eine zusätzliche EU-Abgabe von bis zu 10 Prozent kommen, müssten lizenzierte Anbieter diese Kosten möglicherweise durch schlechtere Auszahlungsquoten (RTP) oder reduzierte Bonusangebote an die Kunden weitergeben. Da deutsche Spieler bereits jetzt streng überwacht werden, besteht das Risiko, dass der Preisabstand zu illegalen Anbietern ohne GGL-Lizenz weiter wächst. Dies könnte die mühsam aufgebaute Kanalisierungsquote gefährden, wenn Freizeitspieler den finanziellen Nachteil bei legalen Anbietern als zu hoch empfinden.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die Betreiber auf der GGL-Whitelist stünden vor einer schwierigen Kalkulation. Eine zusätzliche EU-Abgabe würde die Rentabilität im deutschen Markt weiter schmälern. Da die GGL bereits hohe Anforderungen an Technik, Spielerschutz und Steuern stellt, könnten weitere Abgaben dazu führen, dass internationale Konzerne ihre Investitionen in den deutschen Markt überdenken oder die Marketingausgaben drastisch kürzen. Es bleibt abzuwarten, ob die EU-Kommission eine solche Abgabe so gestaltet, dass bereits hoch besteuerte Märkte wie Deutschland nicht doppelt bestraft werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der legalen Anbieter gegenüber dem Schwarzmarkt zu erhalten.
Häufige Fragen
Wie viel Geld will die EU mit der Glücksspielabgabe einnehmen?
Nach Berechnungen des Think Tanks ECIPE könnten bis zum Jahr 2029 etwa 4,7 Milliarden Euro eingenommen werden, wenn ein Satz von 10 Prozent auf den Bruttospielertrag angewendet wird. Die EU-Kommission schätzt in internen Papieren sogar Einnahmen von bis zu 1,9 Milliarden Euro pro Jahr bei einer 3-prozentigen Umsatzsteuer.
Warum plant die EU eine solche Abgabe gerade jetzt?
Die EU benötigt neue Eigenressourcen, um den Haushalt für die Jahre 2028 und 2034 zu finanzieren und die Schulden aus den Corona-Wiederaufbauprogrammen zu begleichen. Online-Glücksspiel wächst stetig und gilt im Vergleich zu anderen Sektoren als politisch leichter durchsetzbares Ziel für neue Abgaben.
Führt eine höhere Steuer nicht zu mehr illegalem Glücksspiel?
Der Think Tank ECIPE behauptet in seinem Vorschlag, dass es kaum Belege dafür gibt, dass Steuererhöhungen die Kanalisierung zum Schwarzmarkt schwächen. Kritiker aus der Branche warnen jedoch, dass unregulierte Anbieter mit einem GGR von 91,6 Milliarden Euro bereits jetzt eine enorme Konkurrenz darstellen, die durch höhere Kosten für legale Anbieter gestärkt werden könnte.
Welche Länder wären von der Abgabe am stärksten betroffen?
Laut den Prognosen würden Italien, Frankreich, Deutschland und die Niederlande die größten Beiträge leisten. Länder wie Malta könnten den Vorschlag ablehnen, da der Glücksspielsektor dort einen besonders großen Teil der nationalen Wirtschaftsleistung ausmacht.
Was bedeutet der Vorschlag für Spieler in Deutschland?
Spieler in Deutschland könnten indirekt betroffen sein, da Anbieter mit GGL-Lizenz die zusätzlichen Kosten möglicherweise durch geringere Gewinnquoten oder weniger Boni ausgleichen müssen. Die strengen Regeln des GlüStV 2021 wie das 1.000-Euro-Limit bleiben davon unberührt, aber der Preisvorteil illegaler Casinos könnte attraktiver werden.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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