Wettspekulationen als ETF: Neue Anträge setzen US-Börsenaufsicht SEC unter Druck
KI-GENERIERTDie SEC prüft derzeit 128 neue ETF-Anträge für Prognosemärkte, darunter Wetten auf NHL-Spiele. Experten von Cornerstone Research mahnen jedoch zur Vorsicht.
Die Finanzwelt und die Glücksspielbranche rücken immer näher zusammen. Aktuell steht die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission, kurz SEC, vor einer gewaltigen Herausforderung. Eine Welle von Anträgen für börsengehandelte Fonds, sogenannte ETFs, die auf Prognosemärkten basieren, sorgt für Unruhe. Diese Produkte würden es Anlegern ermöglichen, indirekt auf den Ausgang von Wahlen, wirtschaftliche Daten oder sogar Sportergebnisse zu wetten, verpackt in ein klassisches Börseninstrument. Bisher hat die SEC jedoch keinem dieser Anträge zugestimmt und zögert die Entscheidung weiter hinaus.
Das Interesse der Investmentgesellschaften ist enorm. Es geht nicht mehr nur um einfache Wetten, sondern um hochkomplexe Finanzderivate, die auf Ja-Nein-Fragen basieren. Während die SEC noch prüft, wächst der Druck durch Branchengrößen wie Roundhill Investments, Bitwise und GraniteShares. Die Aufsichtsbehörde bezeichnet die vorgeschlagenen Strukturen als neuartig und sieht erheblichen Klärungsbedarf, bevor solche Produkte für den Massenmarkt zugelassen werden können. Besonders brisant ist dabei die Ausweitung auf den Sportbereich, was eine völlig neue Ebene der Spekulation eröffnet.
Zahlen und Fakten
Die Dimensionen der aktuellen Anträge sind beeindruckend. Mindestens drei verschiedene Emittenten haben Pläne für insgesamt 128 ETFs eingereicht. In diesem Paket sind allein 32 gehebelte Fonds enthalten, die es Investoren ermöglichen würden, auf die Leistung von Teams in der National Hockey League, der NHL, zu setzen. Experten der wirtschaftswissenschaftlichen Beratungsfirma Cornerstone Research weisen darauf hin, dass die Konzepte weit über politische Ereignisse hinausgehen. Die Anträge umfassen Vorhersagen zu Entlassungen im Technologiesektor, Rezessionsrisiken sowie Preisentwicklungen bei Kryptowährungen und auf dem Ölmarkt. Sogar klimabezogene Ereignisse und politische Entscheidungen sollen als Basiswerte für Event-Kontrakte dienen.
Die SEC hat eine öffentliche Kommentierungsfrist eingerichtet, die Ende August 2026 ausläuft. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sofortige Maßnahmen folgen. Cornerstone Research gibt zu bedenken, dass die Aufforderung zur Stellungnahme nicht an einen konkreten Regelvorschlag gebunden ist. Zudem spielt die Commodity Futures Trading Commission, kurz CFTC, eine entscheidende Rolle. Die CFTC arbeitet an einer eigenen Regelung für Prognosemärkte, die für Juni 2026 geplant ist. Dieser regulatorische Flickenteppich wird durch laufende Gerichtsverfahren weiter verkompliziert, etwa im Fall der Plattform Kalshi, die trotz Anordnungen aus New York ihre Produkte weiterhin anbietet.
Hintergrund
Warum zögert die SEC so stark? Die Bedenken sind vielfältig und betreffen fundamentale Marktmechanismen. Analysten warnen vor mangelnder Liquidität und einer zu starken Konzentration in diesen speziellen Nischenmärkten. Ein großes Problem stellt die Gefahr von Insiderhandel dar. Wenn ein ETF auf politischen Entscheidungen oder Firmenentlassungen basiert, könnten Personen mit Vorabwissen den Markt manipulieren. Zudem ist völlig unklar, wie die US-Steuerbehörde IRS diese Produkte behandeln wird. Handelt es sich um Kapitalerträge oder um Gewinne aus Glücksspiel? Diese Unsicherheit schreckt konservative Investoren ab, während spekulative Anbieter auf eine schnelle Öffnung drängen.
„Die Emittenten erweitern das Konzept über die Politik hinaus auf wirtschaftliche Ergebnisse, die mit Entlassungen im Technologiesektor, Rezessionsrisiken und Preisen auf den Kryptowährungs- und Ölmärkten verknüpft sind.“ - Analysten, Cornerstone Research
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler und Anleger ist die Situation eindeutig: Solche Produkte haben aktuell keine Chance auf eine Zulassung in Deutschland. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) setzt sehr enge Grenzen für das, was als legales Glücksspiel gilt. In Deutschland sind Sportwetten und Online-Casino streng reguliert. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) achtet penibel darauf, dass nur Anbieter auf der offiziellen Whitelist agieren. Ein ETF, der im Kern eine Sportwette auf NHL-Spiele darstellt, würde in Deutschland sofort an den strengen Spielerschutzregeln scheitern. Das Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über das LUGAS-System und das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten zeigen, wie wichtig dem deutschen Gesetzgeber die Prävention ist. Eine Umgehung dieser Regeln durch Finanzprodukte wird nicht geduldet.
Was das für GGL-Casinos heißt
Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz müssen sich vorerst keine Sorgen um Konkurrenz durch solche Finanzprodukte machen. Während in den USA die Grenzen zwischen Wetten und Investieren verschwimmen, bleibt der deutsche Markt klar getrennt. Anbieter in Deutschland profitieren von der Rechtssicherheit, die die GGL-Lizenz bietet. Sie müssen sich jedoch bewusst sein, dass internationale Trends langfristig auch die hiesigen Diskussionen beeinflussen könnten. Dennoch gilt: Wer in Deutschland legal spielen möchte, findet auf der Whitelist die einzige sichere Anlaufstelle. Produkte von MGA- oder Curacao-Anbietern, die oft mit weniger strengen Regeln werben, bleiben in Deutschland illegal und bieten keinen Schutz durch deutsche Behörden.
Häufige Fragen
Was sind Prognosemarkt-ETFs?
Es handelt sich um börsengehandelte Fonds, die den Ausgang von Ereignissen wie Wahlen oder Sportereignissen als Basiswert nutzen. Anleger kaufen Anteile an diesen Fonds und spekulieren so auf den Eintritt bestimmter Szenarien. In den USA gibt es derzeit 128 Anträge für solche Produkte.
Warum genehmigt die SEC diese Fonds bisher nicht?
Die Behörde hat Bedenken hinsichtlich der Liquidität, der Marktkonzentration und der Gefahr von Insiderhandel. Zudem wird geprüft, ob diese neuartigen Strukturen überhaupt mit den bestehenden Finanzmarktregeln vereinbar sind. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Kann man mit diesen ETFs auf Sport wetten?
Ja, die neuen Anträge beinhalten unter anderem 32 gehebelte Fonds, die auf den Ergebnissen der NHL basieren. Damit würde die Grenze zwischen klassischen Finanzinvestments und Sportwetten fast vollständig aufgelöst. In den USA wird dies als „Event Contracts“ bezeichnet.
Sind diese Wett-ETFs in Deutschland legal?
Nein, solche spekulativen Finanzprodukte mit Wettcharakter besitzen in Deutschland keine Zulassung. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 regelt Glücksspiel streng über die GGL-Whitelist. Deutsche Spieler sollten nur bei lizenzierten Anbietern spielen, um von den Schutzmaßnahmen wie LUGAS zu profitieren.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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