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Regulierung

Niederlage vor Gericht: Prognosemärkte als illegales Glücksspiel eingestuft

29. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Niederlage vor Gericht: Prognosemärkte als illegales Glücksspiel eingestuftKI-GENERIERT

Ein US-Berufungsgericht bestätigt das Recht des Bundesstaates Nevada, Sportwetten-Börsen wie KalshiEX zu regulieren. Richter Ryan Nelson sieht kaum Unterschiede zum klassischen Glücksspiel.

In der Welt des Online-Glücksspiels gibt es immer wieder Versuche, strenge Regulierung durch kreative Produktgestaltung zu umgehen. Ein prominentes Beispiel sind sogenannte Prognosemärkte oder Sportwetten-Börsen, die behaupten, keine Buchmacher zu sein, sondern lediglich Handelsplätze für Ereigniskontrakte. Dieser Argumentation hat das Berufungsgericht für den neunten Bezirk in San Francisco nun eine deutliche Absage erteilt. In einem wegweisenden Urteil bestätigten die Richter, dass der Bundesstaat Nevada das Recht hat, solche Plattformen als Glücksspielanbieter zu regulieren. Die Entscheidung betrifft namhafte Unternehmen wie KalshiEX, die North American Derivatives Exchange und Robinhood Derivatives, die gemeinsam gegen die staatliche Aufsicht geklagt hatten.

Die Anbieter versuchten, ihre Sportwetten-Kontrakte als Swaps oder Derivate unter die ausschließliche Aufsicht der Bundesbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) zu stellen. Damit wollten sie den strengen und oft kostspieligen Anforderungen der staatlichen Glücksspielbehörden entgehen. Doch die Richter ließen sich nicht beirren. In der mündlichen Verhandlung im April bezeichnete einer der Richter die Argumente der Unternehmen bereits als Sophisterei in höchstem Maße. Das nun veröffentlichte, 50-seitige Urteil untermauert diese Skepsis und stellt klar, dass ein Etikettenschwindel nicht ausreicht, um den Kern der Tätigkeit zu verschleiern: das Wetten auf den Ausgang von Sportereignissen.

Zahlen und Fakten

Das Urteil des dreiköpfigen Richtergremiums war einstimmig. U.S. Circuit Judge Ryan Nelson, der von Donald Trump ernannt wurde, verfasste die Urteilsbegründung. In zwei weiteren, kürzeren Urteilen am selben Freitag wurden ebenfalls Entscheidungen zugunsten Nevadas getroffen. KalshiEX hatte zuvor eine einstweilige Verfügung erwirkt, die es dem Bundesstaat untersagte, die Sport- und Wahlereignis-Kontrakte zu regulieren. Diese Verfügung wurde nun aufgehoben. Ein besonders pikanter Punkt war eine Werbeanzeige von KalshiEX, in der sich das Unternehmen als erste App für legales Sportwetten in allen 50 US-Staaten bezeichnete. Diese Selbstdarstellung nutzte Richter Nelson direkt gegen das Unternehmen, um den Glücksspielcharakter zu belegen.

„Wir kommen zu dem Schluss, dass Kalshi nicht nachgewiesen hat, dass der Commodity Exchange Act staatliche Glücksspielvorschriften für seine Sport-Event-Kontrakte außer Kraft setzt, und dass das Bezirksgericht sein Ermessen nicht missbraucht hat, indem es die einstweilige Verfügung aufgehoben hat.“ - Ryan Nelson, U.S. Circuit Judge am Neunten Bezirk

Hintergrund

Der Konflikt dreht sich um die Abgrenzung zwischen Finanzinstrumenten und Glücksspiel. KalshiEX und seine Partner argumentierten, dass ihre Kontrakte rechtlich als Swaps im Sinne des Commodity Exchange Act (CEA) gelten sollten. Nelson widersprach dem deutlich und führte aus, dass die bloße Tatsache, dass Kontrakte auf einem ausgewiesenen Terminmarkt gehandelt werden, sie nicht automatisch der staatlichen Kontrolle entzieht. Er verglich den Kauf eines Kontrakts auf der App mit einer Wette in einem Casino in Las Vegas: In beiden Fällen zahlt der Nutzer einen Betrag ein und erhält im Falle eines Sieges seines Teams mehr Geld zurück. Ob dies nun Swap oder Wette genannt wird, ändere nichts an der Natur des Geschäfts.

Robinhood kündigte bereits an, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Ein Sprecher des Unternehmens betonte, dass jeder berechtigte Kunde Zugang zu diesen Märkten haben sollte, die auf Bundesebene durch die CFTC reguliert werden. Für die Branche ist dies ein herber Schlag, da die Anbieter gehofft hatten, über die CFTC-Zulassung einen bundesweiten Marktzugang zu erhalten, ohne sich mit den individuellen Gesetzen der einzelnen US-Bundesstaaten auseinandersetzen zu müssen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist dieses Urteil eine Bestätigung der klaren Linie, die auch hierzulande gefahren wird. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) lässt keinen Raum für Grauzonenprodukte, die sich als Finanzwetten tarnen. Wer in Deutschland Sportwetten oder Casinospiele anbieten möchte, benötigt eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Diese Whitelist ist das einzige Siegel für legales und sicheres Spiel. Deutsche Spieler profitieren auf lizenzierten Seiten von strengen Schutzmaßnahmen, wie dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem zentralen Sperrsystem LUGAS.

Plattformen, die versuchen, über den Umweg von Finanzmarktregulierungen an den Start zu gehen, haben es in Deutschland schwer. Das US-Urteil zeigt, dass Gerichte weltweit zunehmend den tatsächlichen Inhalt eines Angebots bewerten und nicht nur die juristische Hülle. Deutsche Nutzer sollten daher immer darauf achten, dass der Anbieter eine GGL-Lizenz besitzt, um sicherzustellen, dass Gewinne auch wirklich ausgezahlt werden und der Spielerschutz, etwa durch das Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin bei Slots, gewahrt bleibt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für seriöse Anbieter mit GGL-Lizenz ist diese Nachricht positiv. Sie schützt den legalen Markt vor Konkurrenten, die sich durch regulatorische Schlupflöcher einen unfairen Vorteil verschaffen wollen. Während lizenzierte Casinos hohe Abgaben leisten und strenge technische Auflagen erfüllen müssen, versuchen Prognosemärkte oft, diese Kosten zu umgehen. Die Entscheidung des Ninth Circuit stärkt die Position der staatlichen Aufsichtsbehörden weltweit, klare Grenzen zu ziehen. In Deutschland bedeutet dies weiterhin Planungssicherheit für Betreiber, die sich an die Regeln des GlüStV 2021 halten und ihre Systeme an LUGAS und OASIS angebunden haben.

Häufige Fragen

Was hat das US-Gericht konkret gegen KalshiEX entschieden?

Das Berufungsgericht hob eine einstweilige Verfügung auf, die es Nevada untersagte, die Sportwetten-Kontrakte des Anbieters zu regulieren. Die Richter stellten fest, dass diese Kontrakte faktisch Glücksspiel sind und somit der staatlichen Aufsicht unterliegen. Damit scheiterte der Versuch, das Angebot als reines Finanzprodukt einzustufen.

Warum wollte Robinhood als Finanzmarktakteur auftreten?

Durch die Einstufung als CFTC-regulierte Derivate hätten die Unternehmen die strengen Glücksspielgesetze der einzelnen US-Bundesstaaten umgehen können. Dies hätte einen einfacheren, landesweiten Marktzugang ohne Glücksspiellizenz ermöglicht. Das Gericht sah darin jedoch eine unzulässige Umgehung staatlicher Souveränität.

Welche Rolle spielte die Werbung von KalshiEX im Prozess?

Richter Nelson zitierte eine Anzeige, in der sich KalshiEX selbst als App für legales Sportwetten bezeichnete. Dies wurde vom Gericht als Beweis gewertet, dass das Unternehmen selbst sein Produkt als Glücksspiel versteht. Der Versuch, vor Gericht eine andere juristische Definition zu nutzen, wurde daher als unglaubwürdig eingestuft.

Gibt es solche Prognosemärkte auch in Deutschland?

In Deutschland ist die Trennung zwischen Finanzprodukten und Glücksspiel durch die BaFin und die GGL streng geregelt. Angebote, die auf den Ausgang von Sportereignissen wetten, benötigen zwingend eine Erlaubnis nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021. Plattformen ohne solche Lizenz gelten als illegal und werden von der GGL verfolgt.

Was bedeutet das Urteil für den Spielerschutz?

Die Entscheidung stärkt die staatliche Kontrolle über Wetten, was letztlich dem Spielerschutz zugutekommt. In Deutschland gewährleisten Lizenzen der GGL, dass Schutzmechanismen wie das 1.000-Euro-Einzahlungslimit und die Anbindung an das Sperrsystem LUGAS greifen. Ohne staatliche Regulierung als Glücksspiel könnten diese wichtigen Sicherheitsnetze fehlen.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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