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Regulierung

Churchill Downs fordert FTC-Prüfung der US-Pferderennsport-Aufsicht HISA

Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Churchill Downs fordert FTC-Prüfung der US-Pferderennsport-Aufsicht HISAKI-GENERIERT

Der Rennsport-Gigant Churchill Downs übt scharfe Kritik an der HISA-Regulierung. Anlass sind Datenlecks und Kosten von über 250 Millionen Dollar.

In der Welt des US-Pferderennsports brodelt es gewaltig. Churchill Downs, das Schwergewicht hinter dem legendären Kentucky Derby, hat den Fehdehandschuh geworfen. In einem scharf formulierten Brief vom 28. August, adressiert an den FTC-Vorsitzenden Andrew Ferguson, fordert das Unternehmen eine umfassende, unabhängige Überprüfung der Horseracing Integrity and Safety Authority, kurz HISA. Es geht um nicht weniger als die Integrität des Sports und das Vertrauen der Wettenden, das durch eine Kette von Skandalen und technischen Pannen massiv erschüttert wurde.

Die Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Rennsport ohnehin unter Beobachtung steht. Churchill Downs, das neben der berühmten Rennstrecke in Louisville auch die Plattform TwinSpires betreibt, sieht die Legitimität der HISA gefährdet. Konzernchef William Carstanjen spart nicht mit deutlichen Worten. Er betont, dass die Aufsichtsbehörde nur dann funktionieren kann, wenn sie transparent, rechenschaftspflichtig und technologisch kompetent agiert. Aktuelle Vorfälle lassen daran jedoch erhebliche Zweifel aufkommen.

Zahlen und Fakten

Die finanziellen Dimensionen des Konflikts sind beachtlich. Die HISA wird durch Pflichtumlagen der Rennstrecken finanziert, die letztlich von der gesamten Vollblutindustrie getragen werden. Bisher sind diese Kosten auf über 250 Millionen Dollar angewachsen. Davon wurden etwa 12 Prozent, also rund 30 Millionen Dollar, speziell für Technologie ausgegeben. Doch genau hier scheint die Achillesferse zu liegen. Trotz der hohen Investitionen kam es zu einem Sicherheitsvorfall im HISA-Portal, bei dem vertrauliche Gesundheitsdaten von Pferden unbefugt eingesehen wurden.

Im Zentrum dieses IT-Skandals steht Marshall Gramm, ein bekannter Pferdebesitzer und Professor, dem Betrug und Verstöße gegen die HISA-Regeln vorgeworfen werden. Ihm wird zur Last gelegt, über Wochen hinweg auf Daten zugegriffen zu haben, die eigentlich nur Tierärzten und direkt Beteiligten vorbehalten sein sollten. Besonders peinlich für die Behörde: HISA-Chefin Lisa Lazarus hatte zunächst öffentlich bestritten, dass die geleakten Screenshots aus dem offiziellen Portal stammten. Später musste die Behörde einräumen, dass das System eben doch die Quelle war.

„Die Legitimität von HISA hängt vom Vertrauen ab, dass sie transparent, rechenschaftspflichtig, technologisch kompetent und einer sinnvollen Aufsicht unterworfen ist. Die jüngsten Kontroversen haben dieses Vertrauen weiter beschädigt.“ - William Carstanjen, CEO von Churchill Downs

Hintergrund

Ein weiterer wunder Punkt ist der Fall der sogenannten „Fair Hill Five“. Hierbei geht es um ungewöhnliche Wettaktivitäten und eine Serie von Siegen, die mit Pferden des Fair Hill Training Centers in Verbindung stehen. Churchill Downs kritisiert, dass HISA erst sehr spät offenlegte, dass ein beteiligter Trainer bereits über einen Monat zuvor positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden war. Diese Information wurde erst publik, nachdem die Gerüchteküche in der Wettszene bereits überkochte. Für einen Sport, der fast ausschließlich von der Integrität der Wetten lebt, ist ein solches Informationsvakuum fatal.

Neben diesen regulatorischen Kämpfen muss sich Churchill Downs auch gegen neue Konkurrenten am Wettmarkt wehren. Im Rahmen der Bekanntgabe der Ergebnisse für das vierte Quartal 2025, in dem das Unternehmen einen Rekordumsatz von 665,9 Millionen Dollar verzeichnete, äußerte sich Carstanjen auch zu Prognosemärkten wie Kalshi oder Polymarket. Er sieht diese nicht als Bedrohung, da Pferdewetten unter den Interstate Horse Racing Act von 1978 fallen. Dieses Bundesgesetz schützt die Rechte der Rennstreckenbetreiber, sodass Drittplattformen ohne explizite Zustimmung keine Wetten auf diese Rennen anbieten dürfen.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Fans von Pferderennen und Sportwetten zeigt dieser Fall, wie wichtig eine staatlich kontrollierte, transparente Aufsicht ist. In Deutschland wird der Glücksspielmarkt seit 2021 durch den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) und die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) streng reguliert. Während in den USA ein privates Gremium wie die HISA unter Aufsicht der Handelsbehörde steht, setzt Deutschland auf eine zentrale Behörde, die alle Anbieter auf der Whitelist führt. Deutsche Spieler, die auf Pferderennen wetten, profitieren von klaren Einzahlungslimits von 1.000 Euro pro Monat und dem Anschluss an das LUGAS-System, das spielübergreifende Kontrollen ermöglicht.

Skandale wie um das HISA-Portal unterstreichen, warum der Datenschutz und die Integrität der IT-Systeme bei deutschen Lizenzen so hoch gewichtet werden. In Deutschland müssten solche Vorfälle sofort der GGL gemeldet werden und könnten zum Lizenzverlust führen. Wer bei einem in Deutschland lizenzierten Anbieter wettet, hat die Gewissheit, dass Manipulationen wie bei den „Fair Hill Five“ durch strengere Überwachungsmechanismen und sofortige Transparenzpflichten erschwert werden. Der US-Markt wirkt im Vergleich dazu derzeit wie ein Flickenteppich aus Zuständigkeiten und gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Casinos und Buchmacher mit einer deutschen GGL-Lizenz müssen höchste Standards bei der Datensicherheit erfüllen. Der Fall Gramm zeigt, dass selbst Millioneninvestitionen in IT wertlos sind, wenn die Zugriffskontrollen versagen. Deutsche Anbieter müssen sicherstellen, dass sensible Nutzerdaten und Wettinformationen nach dem Stand der Technik geschützt sind. Die GGL prüft regelmäßig, ob die technischen Richtlinien eingehalten werden. Für Betreiber bedeutet das: Transparenz ist keine Option, sondern Pflicht. Wer Schwachstellen verheimlicht oder unberechtigten Zugriff ermöglicht, riskiert nicht nur Bußgelder, sondern den Ausschluss vom legalen Markt.

Häufige Fragen

Warum fordert Churchill Downs eine Untersuchung der HISA?

Es bestehen erhebliche Zweifel an der technologischen Kompetenz und der Transparenz der Behörde nach einem Datenleck bei Pferdeakten. Zudem wird die Informationspolitik bei Dopingfällen und verdächtigen Wettmustern scharf kritisiert.

Wie teuer ist die HISA für die Rennsportindustrie?

Die Kosten belaufen sich mittlerweile auf über 250 Millionen Dollar, die durch Pflichtumlagen der Rennstrecken finanziert werden. Etwa 12 Prozent dieser Summe flossen in die Technologie, die nun wegen Sicherheitslücken in der Kritik steht.

Wer ist Marshall Gramm und was wird ihm vorgeworfen?

Marshall Gramm ist ein Professor und Pferdebesitzer, dem vorgeworfen wird, sich unbefugten Zugang zum HISA-Portal verschafft zu haben. Er soll vertrauliche tierärztliche Informationen über Wochen hinweg eingesehen und missbräuchlich genutzt haben.

Was ist der Unterschied zwischen US-Pferderennen und deutschen Wetten?

In Deutschland unterliegen alle Sport- und Pferdewetten dem strengen Glücksspielstaatsvertrag 2021 und werden von der GGL überwacht. Deutsche Anbieter müssen auf einer Whitelist stehen und strenge Spielerschutzregeln wie das 1.000-Euro-Limit einhalten.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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