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Regulierung

Connecticut verklagt Kalshi: Harter Schlag gegen Prognosemärkte in den USA

27. August 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Connecticut verklagt Kalshi: Harter Schlag gegen Prognosemärkte in den USAKI-GENERIERT

Die Behörden in Connecticut fordern die Herausgabe aller Einnahmen von Kalshi seit Januar 2025 und werfen dem Anbieter illegales Glücksspiel vor.

Der Rechtsstreit zwischen dem US-Bundesstaat Connecticut und dem Prognosemarktplatz Kalshi erreicht eine neue Eskalationsstufe. Attorney General William Tong und das Connecticut Department of Consumer Protection (DCP) haben eine Vollstreckungsklage vor dem Hartford Superior Court eingereicht. Ziel ist es, den Betrieb von Kalshi im Bundesstaat vollständig zu stoppen und sämtliche Einnahmen einzuziehen, die durch sogenannte Vorhersageverträge auf Sportereignisse generiert wurden. Die Behörden werfen dem Unternehmen vor, ein nicht lizenziertes Sportwettgeschäft zu betreiben und damit gegen den Connecticut Unfair Trade Practices Act zu verstoßen.

Kalshi versucht derweil, das Verfahren vor ein Bundesgericht zu ziehen. Gleichzeitig läuft eine separate Berufung vor dem Second Circuit Gerichtshof, bei der geklärt werden soll, ob Bundesrecht die Regulierungsversuche des Staates Connecticut einschränkt. Die staatlichen Kontrolleure lassen jedoch nicht locker. Sie fordern eine dauerhafte Verfügung, die Kalshi das Anbieten von Sportwetten untersagt. Zusätzlich verlangt der Staat Connecticut die Rückgabe aller Gelder, die Kalshi durch seinen laut Klage ungesetzlichen Betrieb eingenommen hat. Alternativ sollen Steuern und Gebühren nachgezahlt werden, die angefallen wären, wenn Kalshi als lizenzierter Sportwettenanbieter agiert hätte.

Zahlen und Fakten

Die Klageschrift enthält schwerwiegende Vorwürfe bezüglich des Zeitraums und der Zielgruppe. Laut den Ermittlern bietet Kalshi seit Januar 2025 nicht lizenzierte Sportwetten in Connecticut an. Besonders kritisch wird gesehen, dass die Plattform es Nutzern im Alter von 18 bis 20 Jahren erlaubt hat, mit Sportverträgen zu handeln, obwohl das gesetzliche Mindestalter für Wetten im Staat bei 21 Jahren liegt. Dabei soll das Unternehmen gezielt junge Menschen über bezahlte Influencer und Botschafterprogramme an Universitäten angesprochen haben.

Ein weiterer zentraler Punkt der Klage ist das Fehlen von Schutzmechanismen für Spieler. Connecticut führt an, dass Kalshi keine Werkzeuge für verantwortungsbewusstes Spielen bereithält, wie etwa Möglichkeiten zum Selbstausschluss. Auch die Anforderungen an Finanzprüfungen, Kontosicherheit und Integritätsüberwachung, die für lizenzierte Buchmacher gelten, würden nicht erfüllt. Die Marketingstrategie von Kalshi wird ebenfalls angegriffen. Das Unternehmen habe Sportverträge als Investitionen beworben und fälschlicherweise suggeriert, dass diese landesweit legal seien.

„Sportevent-Verträge unterscheiden sich nicht von Sportwetten und sind nicht auf magische Weise durch Bundesrecht vor den vernünftigen Verbraucherschutzgesetzen von Connecticut geschützt.“ - William Tong, Attorney General von Connecticut

Hintergrund

Der Konflikt schwelt bereits seit Dezember 2025, als das DCP Unterlassungserklärungen an Kalshi und andere Anbieter wie Robinhood und Crypto.com verschickte. Kalshi reagierte damals mit einer Gegenklage und argumentierte, dass seine Verträge unter den Commodity Exchange Act fallen und somit der exklusiven Aufsicht der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) unterliegen. Richter Vernon D. Oliver wies den Antrag von Kalshi auf eine einstweilige Verfügung jedoch Anfang des Monats ab. Er kam zu dem Schluss, dass es sich bei den Verträgen im Kern um Sportwetten handelt.

Auch in anderen Bundesstaaten gerät Kalshi unter Druck. In Utah fordert der Gouverneur Spencer Cox, alle verfügbaren Mittel einzusetzen, um gegen die Plattform vorzugehen. Er kritisierte offen den Versuch der CFTC, Kompetenzen über Sportderivate wie Rebounds von LeBron James zu beanspruchen. Während Kalshi auf nationaler Ebene Investorengelder in Milliardenhöhe einsammelt, unter anderem von Sequoia Capital und Andreessen Horowitz, wächst der Widerstand der staatlichen Glücksspielaufsichten.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland ist dieser US-Rechtsstreit ein wichtiges Lehrbeispiel für die Bedeutung einer klaren Regulierung. In Deutschland ist die Rechtslage durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) eindeutig definiert. Wer hierzulande Sportwetten oder Online-Slots anbieten möchte, benötigt eine Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Prognosemärkte, die versuchen, Wetten als Finanzprodukte zu tarnen, hätten unter dem deutschen Regelwerk kaum eine Chance auf eine legale Zulassung ohne die strengen Auflagen des Spielerschutzes zu erfüllen.

Deutsche Nutzer sollten darauf achten, nur bei Anbietern zu spielen, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Diese Betreiber halten sich an das monatliche Einzahlungslimit von 1.000 Euro und sind an das zentrale Sperrsystem LUGAS angeschlossen. Plattformen, die wie Kalshi in den USA versuchen, Altersbeschränkungen oder Spielerschutzmaßnahmen zu umgehen, gelten in Deutschland als illegale Angebote. Die aggressive Vermarktung an Minderjährige, wie sie Kalshi in Connecticut vorgeworfen wird, würde in Deutschland sofort zum Lizenzentzug führen.

Was das für GGL-Casinos heißt

Lizenzierte GGL-Casinos und Buchmacher in Deutschland profitieren von der Rechtssicherheit, die solche Klagen in den USA indirekt unterstreichen. Während in den Vereinigten Staaten ein Flickenteppich aus Bundes- und Staatsrecht herrscht, bietet der GlüStV 2021 klare Rahmenbedingungen für den Spielerschutz. Deutsche Anbieter müssen Mechanismen wie den Panik-Button und Realitätschecks implementieren, was das Vertrauen der Kunden stärkt. Der Fall Kalshi zeigt, dass Aufsichtsbehörden weltweit strenger gegen Graumarkt-Angebote vorgehen, die versuchen, sich der Glücksspielaufsicht durch Umetikettierung ihrer Produkte zu entziehen.

Häufige Fragen

Warum verklagt Connecticut den Anbieter Kalshi?

Der Staat wirft Kalshi vor, seit Januar 2025 illegale Sportwetten ohne Lizenz anzubieten und dabei Jugendschutzregeln zu verletzen. Die Behörden fordern ein Ende des Betriebs sowie die Rückzahlung aller Einnahmen, die im Bundesstaat erzielt wurden.

Was ist der Unterschied zwischen Prognosemärkten und Sportwetten?

Kalshi behauptet, seine Verträge seien regulierte Finanzprodukte unter Aufsicht der CFTC, während Richter in Connecticut argumentieren, dass es sich faktisch um Sportwetten handelt. Diese Einstufung ist entscheidend dafür, welche Gesetze für Steuern und Spielerschutz gelten.

Wie reagiert Kalshi auf die Vorwürfe?

Das Unternehmen hat das Verfahren an ein Bundesgericht verwiesen und beruft sich auf eine vorrangige Zuständigkeit der Bundesbehörden. Bisherige Anträge auf einstweiligen Rechtsschutz gegen die staatlichen Maßnahmen wurden jedoch von verschiedenen Richtern abgelehnt.

Welche Gefahren sehen die Behörden für die Nutzer?

Kritisiert werden vor allem das Fehlen von Selbstsperr-Optionen und die gezielte Werbung an Universitäten für Nutzer unter 21 Jahren. Zudem wird bemängelt, dass die Plattform keine ausreichende Integritätsüberwachung bietet, wie sie für lizenzierte Anbieter vorgeschrieben ist.

Sind solche Prognosemärkte in Deutschland erlaubt?

In Deutschland unterliegen alle Formen von Wetten dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 und erfordern eine Lizenz der GGL. Anbieter ohne GGL-Zulassung, die Wetten als Finanzderivate tarnen, sind illegal und bieten keinen Schutz durch das deutsche Rechtssystem.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

Erwähnte Unternehmen:Kalshi

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