Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Spielerschutz

Studie räumt mit Klischees auf: Glücksspieler finanziell gebildeter als Nicht-Spieler

25. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Studie räumt mit Klischees auf: Glücksspieler finanziell gebildeter als Nicht-SpielerKI-GENERIERT

Eine neue US-Studie von IN Research & Analytics belegt, dass Glücksspieler bei Finanzwissen besser abschneiden (3,93 Punkte) als Abstinenzler (3,72 Punkte).

Das gängige Klischee vom naiven Zocker, der die Gewinnwahrscheinlichkeiten des Casinos nicht versteht, bekommt Risse. Eine aktuelle Untersuchung mit dem Titel Playing the Numbers: Financial Literacy and Numeracy in Gamblers and Non-Gamblers zeigt ein überraschendes Bild. Menschen, die an Glücksspielen teilnehmen, verfügen im Durchschnitt über ein höheres Maß an Finanzkompetenz als jene, die dies nicht tun. Die Studie wurde von der American Gaming Association in Auftrag gegeben und von den Wissenschaftlern Colin López und Jackson Sears durchgeführt.

Die Ergebnisse basieren auf einem standardisierten Index mit fünf Fragen zu komplexen Themen wie Inflation, Zinssätzen, Risikodiversifizierung, Anleihen und Hypotheken. Während Nicht-Spieler auf einen Wert von 3,72 kamen, erreichten die Spieler einen signifikant höheren Wert von 3,93. Besonders hervorzuheben sind dabei Sportwetten-Fans und Nutzer von Prognosemärkten, die sogar die klassischen Casino-Besucher in ihrem Wissen übertrafen. Diese Erkenntnisse sind brisant, da sie die Basis für viele Präventionsansätze hinterfragen, die bisher oft auf einer vermeintlichen Unwissenheit der Kunden aufbauten.

Zahlen und Fakten

Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Rechenkompetenz. Bei der objektiven Numerik, also der tatsächlich nachgewiesenen mathematischen Fähigkeit, gibt es zwischen der allgemeinen Gruppe der Spieler und Nicht-Spieler kaum Unterschiede. Anders sieht es jedoch bei Sportwettern aus. Diese Gruppe schnitt signifikant besser ab als alle anderen Segmente. Ein weiteres interessantes Detail betrifft die subjektive Numerik, also das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Hier erreichten Nicht-Spieler einen Wert von 4,36, während Spieler mit 4,61 deutlich selbstbewusster auftraten.

Besondere Vorsicht ist laut den Forschern bei Nutzern von sogenannten Prediction Markets geboten. Diese Personen fühlen sich zwar so sicher im Umgang mit Zahlen wie Sportwetter, verfügen aber objektiv nur über die mathematischen Fähigkeiten eines Durchschnittserwachsenen. Dave Forman von der American Gaming Association kommentiert dies deutlich:

„Diese Studie zeigt, dass Glücksspieler entgegen der landläufigen Meinung finanziell versierte Unterhaltungskonsumenten sind - insbesondere Sportwetter, die ein besonders hohes Maß an Finanzbildung und mathematischen Fähigkeiten beweisen."

Hintergrund

Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das legale Glücksspiel in vielen Regionen, insbesondere in den USA, zum Mainstream geworden ist. Die Forscher wollten verstehen, ob es fundamentale kognitive Unterschiede zwischen den Gruppen gibt. Ein wichtiges Ergebnis ist die Verbindung zum Responsible Gaming (RG). Es wurde eine Korrelation zwischen hoher Finanzbildung und dem sogenannten Positive Play festgestellt. Das bedeutet, wer mehr über Geld und Zinsen weiß, neigt eher dazu, sich Budgets zu setzen, ehrlich über sein Spielverhalten zu sein und die Kontrolle zu behalten.

Dennoch mahnt die Studie zur Sachlichkeit. Glücksspiel sollte als Unterhaltung und nicht als Finanzstrategie gesehen werden. Die Daten sollen Betreibern und Regulierungsbehörden helfen, ihre Schutzmaßnahmen präziser zuzuschneiden. Besonders die Gefahr der Selbstüberschätzung bei bestimmten Wettformen erfordert neue Ansätze in der Verbraucheraufklärung. Die Veröffentlichung der vollständigen Ergebnisse ist für Ende September 2026 geplant, zeitgleich mit der Branchenmesse G2E in Las Vegas.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für Spieler in Deutschland sind diese Erkenntnisse hochrelevant, da der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) massiven Wert auf den Spielerschutz legt. Die deutschen Regeln mit dem anbieterübergreifenden Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und dem LUGAS-System zielen darauf ab, finanzielle Überforderungen zu verhindern. Wenn nun belegt ist, dass Spieler grundsätzlich über eine hohe Finanzkompetenz verfügen, stützt dies den Ansatz, dass mündige Kunden durch transparente Daten und Limits besser geschützt werden als durch reine Verbote.

Dennoch bleibt das Risiko der subjektiven Überschätzung, das auch die US-Studie betont. In Deutschland müssen lizenzierte Anbieter ihre Kunden aktiv über Risiken aufklären. Die Studie legt nahe, dass Bildungsprogramme, die Finanzwissen vermitteln, ein effektiver Teil des Spielerschutzes sein könnten. Wer versteht, wie Zinseszinsen oder Wahrscheinlichkeiten funktionieren, wird die 1 Euro pro Spin Grenze bei Slots oder die strikten Einsatzlimits bei Sportwetten eher als Werkzeug zur Selbstkontrolle begreifen denn als lästige Gängelung.

Was das für GGL-Casinos heißt

Anbieter mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) stehen in der Pflicht, Früherkennungssysteme für spielsuchtgefährdete Personen einzusetzen. Die neuen Studiendaten könnten dazu führen, dass Algorithmen verfeinert werden. Wenn ein Spieler trotz hoher mathematischer Kompetenz Anzeichen von Kontrollverlust zeigt, greifen die Mechanismen der GGL-Whitelist-Anbieter besonders greifbar. Im Vergleich zu illegalen Angeboten aus Curacao oder Malta bieten GGL-lizenzierte Casinos durch die Anbindung an OASIS einen Schutzschirm, der gerade bei den in der Studie erwähnten Phasen der Selbstüberschätzung lebenswichtig sein kann. Die deutsche Regulierung setzt genau dort an, wo die Studie die Verbindung zwischen Wissen und verantwortungsvollem Handeln sieht.

Häufige Fragen

Sind Menschen die Glücksspiele nutzen weniger gebildet?

Nein, eine aktuelle Studie der American Gaming Association belegt sogar das Gegenteil. Glücksspieler erreichten bei einem Finanzwissen-Index 3,93 Punkte, während Nicht-Spieler nur auf 3,72 Punkte kamen. Besonders Sportwetter weisen eine hohe mathematische Kompetenz auf.

Was ist der Unterschied zwischen objektiver und subjektiver Rechenkompetenz?

Objektive Numerik misst die tatsächliche Fähigkeit, mathematische Aufgaben korrekt zu lösen. Subjektive Numerik beschreibt hingegen das Vertrauen einer Person in die eigenen mathematischen Fähigkeiten, welches bei Spielern oft höher ausgeprägt ist als bei Nicht-Spielern.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Finanzwissen und Spielsuchtprävention?

Ja, die Forscher fanden eine Korrelation zwischen hoher Finanzbildung und Positive Play Verhaltensweisen. Wer finanzielle Zusammenhänge besser versteht, nutzt eher Hilfsmittel zur Selbstkontrolle und setzt sich festere Budgets beim Spielen.

Warum sind Prognosemärkte laut der Studie riskanter?

Nutzer dieser Märkte überschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten. Sie fühlen sich so sicher wie Profi-Sportwetter, verfügen aber faktisch nur über durchschnittliche mathematische Kenntnisse, was zu riskanten Einsätzen führen kann.

Wie schützt die deutsche GGL-Lizenz finanziell versierte Spieler?

Der deutsche Glücksspielstaatsvertrag nutzt Systeme wie LUGAS und OASIS, um Limits strikt zu überwachen. Selbst für finanziell gebildete Spieler dienen diese als objektive Sicherung gegen die in der Studie beschriebene Gefahr der subjektiven Selbstüberschätzung.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich →

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel