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Regulierung

Irland plant höhere Wettsteuer: Branche warnt vor Abwanderung in den Schwarzmarkt

18. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
Irland plant höhere Wettsteuer: Branche warnt vor Abwanderung in den SchwarzmarktKI-GENERIERT

Irland prüft eine Erhöhung der Wettsteuer von 2 Prozent, um Staatsausgaben in Höhe von 7 Milliarden Euro zu finanzieren. Kritiker befürchten massive Ladenschließungen.

In Dublin bahnt sich ein heftiger politischer Streit um die Besteuerung von Sportwetten an. Die irische Regierung plant derzeit das Budget für das Jahr 2027 und sucht nach Wegen, um geplante öffentliche Ausgaben von rund 7 Milliarden Euro sowie Steuersenkungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro zu finanzieren. Ein zentraler Punkt in diesen Überlegungen ist die Anhebung der Wettsteuer, die derzeit bei 2 Prozent auf die von Kunden platzierten Einsätze liegt. Während die Abgabe momentan direkt von den Betreibern getragen wird, schlägt die Branche nun lautstark Alarm. Man befürchtet, dass eine weitere Belastung das legale Geschäft im Vergleich zu unregulierten Anbietern international wettbewerbsunfähig macht.

Die Diskussion trifft die Branche in einer Phase des Umbruchs. Mit dem Gambling Regulation Act 2024 wurde erst kürzlich der rechtliche Rahmen modernisiert und die neue Aufsichtsbehörde Gambling Regulatory Authority of Ireland (GRAI) ins Leben gerufen. Dass nun direkt nach der regulatorischen Neuordnung die fiskalische Daumenschraube angesetzt werden soll, sorgt für Unmut. Besonders die Sorge um den stationären Handel steht im Fokus, da Irland bereits in der Vergangenheit schmerzhafte Erfahrungen mit Steuererhöhungen gemacht hat. Die irische Wettbranche sieht sich als Melkkuh der Nation, während illegale Online-Plattformen ohne jegliche Abgabenlast operieren können.

Zahlen und Fakten

Aktuell zahlen Buchmacher in Irland eine Steuer von 2 Prozent auf den Umsatz. Für Pool-Wetten liegt der Satz momentan noch bei 1 Prozent, soll aber laut den vorliegenden Plänen im Budget 2027 ebenfalls auf 2 Prozent angeglichen werden. Die Irish Bookmakers Association (IBA) weist darauf hin, dass die letzte Verdopplung der Steuer von 1 Prozent auf 2 Prozent im Jahr 2019 dramatische Folgen hatte. Laut IBA führten diese Maßnahmen zur Schließung von 222 Wettbüros und dem Verlust von etwa 1.000 Arbeitsplätzen im Einzelhandel. Kritiker merken zwar an, dass auch der allgemeine Trend zum Online-Glücksspiel eine Rolle gespielt haben könnte, doch für die Verbandsvertreter ist die Steuerlast der Haupttreiber des Ladensterbens.

Ein Blick auf die Marktprognosen zeigt, worum es finanziell geht. Der gesamte irische Glücksspielmarkt soll bis Ende 2025 ein Volumen von 1,24 Milliarden Euro erreichen. Das Online-Segment wächst dabei stetig und wird bis 2029 auf schätzungsweise 1,35 Milliarden Euro ansteigen. Anthony Kaminskas, Gründer des in Dublin ansässigen Buchmachers AK BETS, warnt eindringlich vor den Folgen einer Erhöhung. Er betont, dass lizenzierte Anbieter nur drei Optionen hätten: Das Sportwetten-Angebot komplett einzustellen und nur noch Casino-Produkte zu führen, die Quoten massiv zu verschlechtern oder die Steuer direkt auf die Kunden abzuwälzen, indem eine 100-Euro-Wette den Kunden effektiv 105 Euro kostet.

Hintergrund

Der Widerstand gegen die Pläne ist jedoch nicht geschlossen. Interessanterweise gibt es Stimmen aus der Branche selbst, die sogar noch drastischere Forderungen stellen. Stewart Kenny, Mitbegründer von Paddy Power (heute Teil von Flutter Entertainment), plädierte in der Irish Times für eine Steuer von 40 Prozent auf die Bruttospielerträge (Gross Gaming Revenue, GGR) von Online-Wetten und Casinos. Dies steht im krassen Gegensatz zu den Forderungen der IBA und kleinerer Betreiber, die vor einem Kollaps des Marktes warnen. Die Regierung rechtfertigt die Überlegungen damit, dass die Einnahmen unter anderem dazu dienen sollen, die Mehrwertsteuer im Gastgewerbe zu senken, um diesen Sektor vor den Auswirkungen steigender Mindestlöhne zu schützen.

„Jeder Euro an zusätzlichen Kosten für einen lizenzierten Betreiber muss irgendwo wieder reingeholt werden, meist durch schlechtere Quoten und geringeren Wert für die Kunden. Nicht lizenzierte Betreiber müssen nichts zurückholen, da sie weder Steuern noch Abgaben oder Compliance-Kosten zahlen und keinerlei Spielerschutz bieten.“ - Vertreter der Irish Bookmakers Association (IBA), in einer Eingabe an Finanzminister Simon Harris.

Die Debatte in Irland ist kein Einzelfall. In den Niederlanden, Brasilien und im Vereinigten Königreich werden ähnliche Diskussionen geführt. Überall steht die Frage im Raum, wie viel Steuerlast ein regulierter Markt verträgt, bevor die Spieler in die Arme von illegalen Anbietern getrieben werden, die keinerlei Schutzmaßnahmen wie Einzahlungslimits oder Identitätsprüfungen vornehmen. Die neue irische Behörde GRAI soll zudem eine soziale Abgabe (Social Impact Levy) einführen, um Programme gegen Spielsucht zu finanzieren, was die finanzielle Belastung für legale Unternehmen weiter erhöht.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Für deutsche Spieler ist die Situation in Irland ein warnendes Beispiel für die Dynamik regulierter Märkte. In Deutschland ist der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) die maßgebliche Grundlage. Ähnlich wie in Irland werden in Deutschland Steuern auf die Einsätze erhoben, was bereits dazu geführt hat, dass viele Anbieter ihre Quoten anpassen mussten oder bestimmte Wettmärkte gar nicht mehr anbieten. Deutsche Kunden, die bei Anbietern auf der GGL-Whitelist spielen, genießen zwar höchste Sicherheit durch das LUGAS-System und das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat, müssen aber oft mit einem theoretisch geringeren Auszahlungsschlüssel leben als auf dem Schwarzmarkt. Eine Steuererhöhung in Irland könnte als Blaupause für andere EU-Staaten dienen, was langfristig das Niveau der Quoten in ganz Europa unter Druck setzen könnte.

Was das für GGL-Casinos heißt

Deutsche Casinos mit GGL-Lizenz beobachten solche Entwicklungen genau, da sie bereits unter strengen Auflagen wie dem 1-Euro-Limit pro Spin bei Slots operieren. Jede weitere steuerliche Belastung in europäischen Nachbarmärkten erhöht das Risiko, dass auch in Deutschland über neue Abgaben nachgedacht wird, um Haushaltslöcher zu stopfen. Für die legalen Anbieter bedeutet dies einen ständigen Kampf um die Kanalisierung: Sie müssen attraktiv genug bleiben, damit Spieler nicht zu MGA- oder Curacao-Anbietern abwandern, die sich nicht an deutsche Steuergesetze halten. Die irische Erfahrung zeigt, dass Steuererhöhungen unmittelbar die Vielfalt des legalen Marktes einschränken können, indem kleinere Anbieter aufgeben müssen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die aktuelle Wettsteuer in Irland?

Derzeit beträgt die Steuer auf Sportwetten in Irland 2 Prozent des Einsatzes. Diese Abgabe wird von den Buchmachern gezahlt und gilt sowohl für Online-Wetten als auch für stationäre Wettbüros.

Welche Folgen hatte die Steuererhöhung von 2019 in Irland?

Nach Angaben der Irish Bookmakers Association führte die Verdopplung der Steuer auf 2 Prozent zur Schließung von 222 Wettläden. In der Folge gingen etwa 1.000 Arbeitsplätze im stationären Sektor verloren.

Warum plant die irische Regierung eine weitere Erhöhung?

Die Regierung benötigt zusätzliche Einnahmen, um ein 7 Milliarden Euro schweres Ausgabenpaket im Budget 2027 zu finanzieren. Zudem sollen damit Steuersenkungen in anderen Bereichen wie der Gastronomie kompensiert werden.

Was ist das Hauptargument der Buchmacher gegen die Steuerpläne?

Die Anbieter warnen vor einer massiven Abwanderung der Spieler in den unregulierten Schwarzmarkt. Da legale Buchmacher bei höheren Steuern ihre Quoten verschlechtern müssen, verlieren sie ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber illegalen Seiten.

Gilt diese Steuererhöhung auch für deutsche Spieler?

Nein, die geplanten Änderungen betreffen nur den irischen Markt und dort lizenzierte Anbieter. Deutsche Spieler unterliegen den Regeln des Glücksspielstaatsvertrags 2021 und spielen bei Anbietern, die von der GGL reguliert werden.

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Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

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Quellen & weiterführende Links

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