Jennings Bet warnt vor Massenschließungen durch britische Steuerpläne
KI-GENERIERTDer Buchmacher Jennings Bet befürchtet das Aus für fast die Hälfte seiner 212 Filialen, falls die Steuer auf Spielautomaten in Großbritannien verdoppelt wird.
Die Debatte um die Besteuerung des Glücksspiels in Großbritannien erreicht einen neuen kritischen Höhepunkt. Greg Knight, der Geschäftsführer des unabhängigen Buchmachers Jennings Bet, hat sich mit einer deutlichen Warnung an die Öffentlichkeit gewandt. Er macht klar, dass die Existenz seines Unternehmens in der jetzigen Form auf dem Spiel steht, sollten die Pläne zur Verdoppelung der Steuer auf Spielautomaten (Machine Gaming Duty, MGD) in die Realität umgesetzt werden. Der Vorschlag sieht vor, den Steuersatz von aktuell 20 Prozent auf massive 40 Prozent anzuheben.
Für Jennings Bet, ein Unternehmen mit 212 Filialen, das vor allem in London und im Südosten Englands präsent ist, hätte dies verheerende Folgen. Knight rechnet vor, dass bei einer Anwendung des neuen Steuersatzes auf die Zahlen der letzten zwölf Monate exakt 104 Standorte unrentabel würden. Dies würde nicht nur das Gesicht der britischen Einkaufsstraßen verändern, sondern auch zwischen 400 und 450 Kündigungen nach sich ziehen. Es handelt sich hierbei um eine existenzielle Bedrohung für einen der größten unabhängigen Anbieter des Landes, der insgesamt fast 900 Mitarbeiter beschäftigt.
Zahlen und Fakten
Die Zahlen, die Knight präsentiert, zeichnen ein düsteres Bild für den Einzelhandel. Neben den drohenden 104 Schließungen bei Jennings Bet warnt der Geschäftsführer davor, dass dieser Trend die gesamte Branche erfassen könnte. Wenn man das Verhältnis auf den gesamten Sektor überträgt, würde ein Drittel aller Wettbüros landesweit verschwinden. Dies hätte paradoxerweise zur Folge, dass das gesamte Steueraufkommen sinken könnte, da die verbleibenden Shops die Lücke der geschlossenen Betriebe nicht füllen können. Greg Knight bringt es gegenüber Journalisten auf den Punkt:
„Man kann einen geschlossenen Laden nicht besteuern. Die profitablen Filialen müssen dann die Kosten der Schließungen tragen, was zu einer Abwärtsspirale führt.“ - Greg Knight, Geschäftsführer bei Jennings Bet
Interessanterweise zeigen Daten der Steuerbehörde HMRC für den Juli, dass das Aufkommen aus der Automatensteuer bereits leicht rückläufig war und von 108 Millionen Pfund im Vorjahr auf 105 Millionen Pfund sank. Im Gegensatz dazu stieg das Aufkommen aus der Online-Glücksspielsteuer (Remote Gaming Duty, RGD) nach einer Erhöhung im April 2026 im Jahresvergleich um 108 Prozent an. Knight argumentiert jedoch, dass Online-Unternehmen solche Belastungen durch Marketingkürzungen oder Algorithmen-Anpassungen eher absorbieren können als stationäre Betriebe, die feste Mieten, Geschäftsraten und Personalkosten haben.
Hintergrund
Die politische Dynamik hinter diesen Vorschlägen wird maßgeblich von Organisationen wie der Social Market Foundation (SMF) getrieben. Diese prognostiziert durch eine Verdoppelung der Steuer auf Kategorie-B-Spielautomaten jährliche Mehreinnahmen von 275 bis 458 Millionen Pfund. Doch Knight warnt, dass diese Rechnungen die Realität des stationären Geschäfts ignorieren. Bereits in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der unabhängigen Wettbüros in Großbritannien von 696 auf 536 gesunken, was einem Rückgang von 23 Prozent entspricht. Die Zahl der Unternehmen, die solche Ketten betreiben, halbierte sich fast von 145 auf nur noch 82.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Ungleichbehandlung innerhalb der Branche. Während unabhängige Buchmacher bald 0,4 Prozent ihres Bruttospielertrags (Gross Gaming Revenue, GGR) als verpflichtende Abgabe für Spielerschutz und Forschung zahlen sollen, werden Adult Gaming Centres (AGC) nur mit 0,1 Prozent belastet. Die staatliche National Lottery zahlt sogar nur etwa 0,01 Prozent. Diese Diskrepanz empfinden Betreiber wie Jennings Bet als ungerechtfertigt, da sie denselben wirtschaftlichen Belastungen wie ihre Konkurrenten auf der High Street ausgesetzt sind.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist die Entwicklung in Großbritannien eine wichtige Mahnung. In Deutschland wird durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) und die Aufsicht durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) ein strenger Rahmen gesetzt. Während in England über Steuererhöhungen diskutiert wird, kämpfen deutsche Anbieter bereits mit harten Limits, wie dem Einsatzlimit von 1 Euro pro Spin an virtuellen Automaten oder dem monatlichen Einzahlungslimit von 1.000 Euro über das LUGAS-System.
Hohe Steuern und strenge Limits führen oft dazu, dass legale Angebote weniger attraktiv werden und Spieler in den unregulierten Schwarzmarkt abwandern. Deutsche Kunden sollten daher konsequent nur bei Anbietern spielen, die auf der offiziellen Whitelist der GGL stehen. Nur dort ist sichergestellt, dass Spielerschutzmaßnahmen greifen und Gewinne sicher ausgezahlt werden. Die britische Krise zeigt, dass übermäßige finanzielle Belastungen für lizenzierte Betreiber letztlich das gesamte regulierte System gefährden können.
Was das für GGL-Casinos heißt
Casinos mit GGL-Lizenz müssen die wirtschaftliche Balance wahren. Wenn die steuerliche Belastung zu hoch wird, sinkt der Spielraum für Bonusangebote und faire Auszahlungsquoten. In Deutschland ist die Besteuerung des Spieleinsatzes bereits eine Hürde, die viele Anbieter dazu zwingt, ihre Margen knapp zu kalkulieren. Die Situation bei Jennings Bet verdeutlicht, dass stationäre Angebote und Online-Plattformen unterschiedliche Kostenstrukturen haben. GGL-lizenzierte Online-Casinos haben zwar geringere Fixkosten für Immobilien, müssen aber enorme Summen in Compliance und IT investieren, um die LUGAS- und OASIS-Anforderungen zu erfüllen. Ein stabiles regulatorisches Umfeld ohne plötzliche Steuerverdoppelungen ist daher essenziell für einen funktionierenden legalen Markt in Deutschland.
Häufige Fragen
Warum will Jennings Bet 104 Filialen schließen?
Die Schließungen drohen, falls die britische Regierung die Steuer auf Spielautomaten von 20 auf 40 Prozent verdoppelt. Laut Geschäftsführer Greg Knight würden diese Filialen durch die höhere Steuerlast sofort unprofitabel werden.
Wie viele Arbeitsplätze sind bei Jennings Bet gefährdet?
Das Unternehmen rechnet mit 400 bis 450 Entlassungen, was fast der Hälfte der Belegschaft entspricht. Betroffen wären vor allem langjährige Mitarbeiter, da die Kosten der Schließungen von den profitablen Filialen nicht aufgefangen werden können.
Wie unterscheidet sich die Steuerlast zwischen Online- und Ladenlokalen?
Während Online-Anbieter Kosten flexibler durch Marketingkürzungen puffern können, haben stationäre Buchmacher fixe Ausgaben für Miete und Personal. Eine Steuererhöhung trifft sie daher direkter und führt schneller zu Geschäftsaufgaben.
Was ist der Gross Gaming Revenue (GGR)?
Der GGR bezeichnet den Bruttospielertrag, also die Summe der Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne. Er dient als Grundlage für die Berechnung von Steuern und Abgaben im Glücksspielsektor.
Sind deutsche Online-Casinos von diesen britischen Steuerplänen betroffen?
Direkt betroffen sind sie nicht, da in Deutschland der GlüStV 2021 und deutsche Steuergesetze gelten. Allerdings zeigt das Beispiel, wie wichtig eine faire Besteuerung für den Erhalt eines legalen und sicheren Marktes unter GGL-Aufsicht ist.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
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