Lustich.de arbeitet nicht gewinnorientiert. Überschüsse fließen in gemeinnützige Projekte, zum Beispiel in den Bau von Schulen und Brunnen in Benin (Westafrika). Mehr erfahren
Alle Casino News auf Deutsch
Spielerschutz

PTSD und Spielsucht: Neue Studie alarmiert US-Einsatzkräfte zum Responsible Gaming Monat

1. September 20266 Min.von Lisa Lustich
Redaktionell geprüft von Lisa LustichLetzte Prüfung:
PTSD und Spielsucht: Neue Studie alarmiert US-Einsatzkräfte zum Responsible Gaming MonatKI-GENERIERT

Eine Untersuchung des Kindbridge Research Institute zeigt erschreckende Zahlen: 44 % der befragten US-Einsatzkräfte weisen Merkmale von problematischem Glücksspiel auf.

Zum Auftakt des Responsible Gaming Education Month im September 2026 hat das Kindbridge Research Institute (KRI) einen alarmierenden Bericht vorgelegt. Die Studie mit dem Titel Gambling among First Responders in the United States wirft ein Schlaglicht auf eine bislang oft übersehene Risikogruppe im Bereich der Verhaltenssüchte. Ersthelfer wie Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter sind in ihrem Berufsalltag ständigen Traumata und unvorhersehbarem Stress ausgesetzt. Diese spezifischen Arbeitsbedingungen scheinen den Boden für problematisches Glücksspiel zu bereiten, wie die nun veröffentlichten Daten eindringlich belegen.

Die Untersuchung wurde durch Mittel der Colorado Division of Gaming ermöglicht und in Zusammenarbeit mit EPIC Global Solutions durchgeführt. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Häufigkeit des Glücksspiels, sondern insbesondere auf der Verknüpfung mit psychischen Belastungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Die Ergebnisse zeigen, dass Glücksspiel in diesen Berufsgruppen oft als Fluchtmechanismus vor belastenden Erlebnissen dient. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, das Thema Spielsucht als festen Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge für Einsatzkräfte zu etablieren.

Zahlen und Fakten

Die statistischen Auswertungen der Studie sind mehr als deutlich. Von den 507 befragten Profis gaben 94,5 % an, in den letzten 12 Monaten am Glücksspiel teilgenommen zu haben. Besonders besorgniserregend ist die Tiefe der Problematik: 44 % der Teilnehmer erfüllten die Kriterien für problematisches Glücksspiel, während weitere 39 % als gefährdet eingestuft wurden. Innerhalb der untersuchten Gruppen wiesen Feuerwehrleute das höchste Risiko für glücksspielbedingte Schäden auf.

Ein weiterer zentraler Faktor ist die psychische Gesundheit. Rund 50 % der Studienteilnehmer zeigten Anzeichen von PTBS-bezogenen Symptomen. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Schwere der PTBS-Symptomatik direkt mit der Wahrscheinlichkeit von Spielproblemen korreliert. Auch eine militärische Vergangenheit spielt eine Rolle. Ersthelfer, die aktuell oder früher im Militär dienten, zeigten eine signifikant höhere Anfälligkeit für riskantes Spielverhalten.

Hintergrund

Die Initiative für diese Forschung ging von Greg Weber aus, der selbst 13 Jahre lang als Feuerwehrmann in New Jersey tätig war und seine eigenen Erfahrungen mit Spielsucht heute als Berater teilt. Er erkannte Parallelen zwischen dem Risikoverhalten von Profisportlern und Einsatzkräften. Faktoren wie Wettbewerbsgeist, Risikobereitschaft und Phasen der Inaktivität im Dienstplan fördern das Verlangen nach einem Adrenalinkick durch Wetten. Weber bemerkte, dass Glücksspiel in Feuerwachen oft normalisiert und als harmloser Zeitvertreib gewertet wird, was die frühzeitige Erkennung von Problemen erschwert.

„Glücksspiel ist in der Feuerwache normalisiert und es wird oft darüber gesprochen. Als ich 2024 auf der New Jersey State FMBA Convention sprach, zeigte eine anonyme Umfrage bereits überdurchschnittlich hohe Zahlen in Bezug auf Risiko und Schaden.“ - Greg Weber, Feuerwehrmann und Berater bei EPIC Global Solutions

Mark Lucia vom Kindbridge Research Institute betont, dass diese Ergebnisse eine solide Grundlage für Prävention und frühe Intervention bieten. Die Studie soll am 9. September 2026 auf der 15. Europäischen Konferenz für Glücksspielstudien und politische Fragen (EASG 2026) in Kopenhagen präsentiert werden, um die Diskussion auf eine internationale Ebene zu heben.

Was heißt das für deutsche Spieler?

Obwohl die Studie US-amerikanische Einsatzkräfte untersucht, sind die psychologischen Mechanismen auch für deutsche Spieler hochrelevant. In Deutschland regelt der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) den Markt streng. Ziel ist der Schutz vor Suchtgefahren, was unter anderem durch das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und die LUGAS-Zentraldatei sichergestellt wird. Wer in Berufen mit hoher psychischer Belastung arbeitet, sollte in Deutschland besonders auf die Warnsignale achten.

Deutsche Spieler profitieren davon, dass nur Casinos mit einer Lizenz der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) legal operieren dürfen. Diese Anbieter sind verpflichtet, strikte Einsatzlimits von 1 Euro pro Spin an Slots einzuhalten und Panik-Knöpfe für eine sofortige 24-Stunden-Sperre bereitzustellen. Für Berufsgruppen mit erhöhtem Stresslevel bietet dieses regulierte Umfeld einen Sicherheitsanker, der in illegalen Märkten wie bei Anbietern aus Curacao völlig fehlt.

Was das für GGL-Casinos heißt

Für lizenzierte deutsche Online-Casinos bedeutet diese Forschung eine Mahnung zur Wachsamkeit bei der Früherkennung. Die GGL-Whitelist garantiert, dass Betreiber Algorithmen zur Erkennung von auffälligem Spielverhalten nutzen müssen. Wenn Spieler zu ungewöhnlichen Zeiten oder mit steigenden Beträgen agieren, greifen die Interventionspflichten. Anbieter sollten ihre Schulungsprogramme für Support-Mitarbeiter darauf ausrichten, dass bestimmte Lebensumstände oder Berufsgruppen eine sensiblere Ansprache erfordern könnten, um dem Präventionsgedanken des deutschen Rechts gerecht zu werden.

Häufige Fragen

Welche Berufsgruppen wurden in der Kindbridge-Studie untersucht?

Die Studie konzentrierte sich auf 507 Fachkräfte aus den Bereichen Feuerwehr, Polizei, Rettungssanitäter und Rettungspersonal. Dabei wurde festgestellt, dass insbesondere Feuerwehrleute die höchste Gefährdung für glücksspielbedingte Schäden aufweisen.

Wie viele Teilnehmer der Studie zeigten Anzeichen einer Spielsucht?

Von den befragten Ersthelfern erfüllten 44 % die Kriterien für problematisches Glücksspiel und weitere 39 % gelten als gefährdet. Insgesamt hatten über 94 % der Befragten im letzten Jahr an Glücksspielen teilgenommen.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen PTBS und Glücksspiel?

Die Forschung zeigt eine starke Verbindung zwischen der Schwere von PTBS-Symptomen und dem Risiko für Spielschäden. Etwa 50 % der Teilnehmer gaben an, unter möglichen Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung zu leiden.

Wer führte die Studie durch und wer finanzierte sie?

Das Kindbridge Research Institute leitete das Projekt, während EPIC Global Solutions als Forschungspartner fungierte. Die Finanzierung erfolgte durch einen Zuschuss der Colorado Division of Gaming.

Wie schützt das deutsche Recht Spieler in belastenden Lebenssituationen?

Durch den GlüStV 2021 sind in Deutschland strikte Schutzmaßnahmen wie das 1.000-Euro-Limit und die Sperrdatei OASIS aktiv. Nur Anbieter auf der GGL-Whitelist garantieren diese Sicherheitsstandards, die besonders für gefährdete Gruppen essenziell sind.

Teilen

Über die Autorin

Lisa Lustich

Lisa Lustich

Chefredakteurin & Casino-Testerin

Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).

Alle Artikel von Lisa Lustich

Quellen & weiterführende Links

Glücksspiel kann süchtig machen. Spielen Sie verantwortungsbewusst. Hilfe und Beratung unter 0800 1 372 700 (BZgA, kostenlos & anonym).

Diesen Artikel in 17 Sprachen lesen

Verwandte Themen

Weiterführende Artikel