Millionen-Betrug in Spanien: Britische Wettanbieter müssen Beute zurückzahlen
KI-GENERIERTEin massives Ponzi-System in Spanien führte zu Schäden von 15 Millionen Euro. Nun fließen rund 6 Millionen Euro von britischen Glücksspielanbietern an die Opfer zurück.
Ein gewaltiger Betrugsskandal, der sich über sieben Jahre hinzog, findet nun seinen finanziellen Abschluss in der Rückzahlung von Millionenbeträgen. In Spanien blicken rund 200 Geschädigte eines massiven Schneeballsystems, im Englischen oft als Ponzi-Scheme bezeichnet, auf eine teilweise Entschädigung. Überraschend dabei ist die Herkunft der Gelder. Die Entschädigungssumme stammt nicht direkt vom Täter, sondern von britischen Online-Casinos und Sportwettanbietern. Diese Unternehmen hatten es versäumt, die Herkunft der gewaltigen Einsätze zu prüfen, die der mutmaßliche Betrüger auf ihren Plattformen tätigte.
Der Fall zeigt eindringlich, wie eng die Verknüpfung zwischen internationaler Kriminalität und der Verantwortung von Glücksspielanbietern ist. Während sich der Haupttäter in der katalanischen Stadt Girona als erfolgreicher Finanzprofi inszenierte, flossen die Ersparnisse von Freunden und Verwandten direkt in die Taschen der Glücksspielindustrie. Dass die Opfer nun rund ein Drittel ihres verlorenen Geldes zurückerhalten, ist dem hartnäckigen Durchgreifen der britischen Aufsichtsbehörden zu verdanken, die die mangelhaften Kontrollmechanismen der Betreiber hart sanktionierten.
Zahlen und Fakten
Das Ausmaß des Betrugs ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Iban Juvanteny Gómez soll zwischen 2012 und 2019 rund 15 Millionen Euro (etwa 17 Millionen US-Dollar) von über 200 Opfern ergaunert haben. Er gab vor, als Broker für Barclays tätig zu sein, und versprach seinen Opfern in Girona traumhafte Renditen. Statt das Geld jedoch gewinnbringend anzulegen, verzockte er Millionenbeträge bei britischen Anbietern. Die Ermittlungen der katalanischen Mossos d’Esquadra, von Europol und der West Yorkshire Police ergaben, dass er mehrere Millionen Pfund im Vereinigten Königreich verspielte.
Im April 2021 wurden schließlich mehr als 6 Millionen Euro an die Justizbehörden in Girona überwiesen. Diese Summe setzt sich aus regulatorischen Zahlungen zusammen, die britische Betreiber leisten mussten. Eine Anfrage im britischen Parlament aus dem Jahr 2021 nannte konkrete Namen: Betway, Gamesys, Platinum Gaming und Petfre (der Betreiber von Betfred) mussten Zahlungen leisten, nachdem gestohlene Gelder über ihre Plattformen gewaschen wurden. Die kombinierten Zahlungen dieser Anbieter überstiegen 6,2 Millionen Britische Pfund.
Hintergrund
Das System von Juvanteny brach 2019 zusammen, als erste Anzeigen bei der Polizei in Katalonien eingingen. Im April desselben Jahres stellte er sich selbst. Der Prozess gegen ihn lässt jedoch auf sich warten. Aufgrund verfahrenstechnischer Hürden wird spekuliert, dass eine gerichtliche Hauptverhandlung erst im Jahr 2028 stattfinden könnte. Dies macht die vorzeitige Sicherung der 6 Millionen Euro für die Opfer umso wichtiger.
Die britische Gambling Commission (UKGC) untersuchte die beteiligten Firmen über zwei Jahre lang. Dabei kam heraus, dass die Anti-Geldwäsche-Kontrollen (AML) völlig versagt hatten. Ein Spieler, der über Jahre Millionenbeträge einzahlt, ohne ein entsprechendes legales Einkommen nachweisen zu können, hätte längst gesperrt werden müssen. Die UKGC sieht in solchen Fällen vor, dass Gewinne oder Einsätze aus kriminellen Handlungen nicht beim Anbieter verbleiben dürfen.
„Die Gelder wurden für eine mögliche Rückerstattung an die Opfer reserviert, vorbehaltlich der Genehmigung durch die spanischen Gerichte.“ - Presseerklärung der Behörden zur Überweisung der 6 Millionen Euro.
Was heißt das für deutsche Spieler?
Für deutsche Spieler ist dieser Fall eine wichtige Mahnung zur Bedeutung von lizenzierten und regulierten Märkten. In Deutschland gilt seit 2021 der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021), der durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) streng überwacht wird. Ein solches Szenario, in dem ein Spieler über sieben Jahre hinweg unbemerkt 15 Millionen Euro aus kriminellen Quellen verspielt, soll durch Systeme wie LUGAS verhindert werden. In Deutschland gibt es ein striktes anbieterübergreifendes Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat.
Zusätzlich sorgt das 1 Euro Limit pro Spin an virtuellen Automaten dafür, dass hohe Summen nicht in Sekundenschnelle vernichtet werden können. Wenn ein Anbieter in Deutschland gegen diese Regeln verstößt oder die Herkunft der Gelder nicht prüft (Know Your Customer - KYC), droht ihm der Entzug der deutschen Lizenz und die Aufnahme in die Blacklist. Deutsche Kunden sollten daher ausschließlich bei Anbietern spielen, die auf der offiziellen GGL-Whitelist stehen. Nur dort ist sichergestellt, dass der Spielerschutz und die Geldwäscheprävention den harten deutschen Standards entsprechen. Wer bei illegalen Anbietern aus Curacao oder Malta spielt, genießt diesen Schutz nicht.
Was das für GGL-Casinos heißt
Die GGL-Casinos in Deutschland müssen aus dem britischen Fall lernen. Die Haftung für eingezahlte Gelder aus Straftaten wird immer strikter ausgelegt. Wenn ein deutscher Betreiber Anzeichen für Geldwäsche ignoriert, riskiert er nicht nur Bußgelder, sondern auch zivilrechtliche Rückforderungen der Geschädigten. Die Integration in das LUGAS-System und die Abfrage der OASIS-Sperrdatei sind für deutsche Anbieter keine lästigen Pflichten, sondern lebensnotwendige Sicherheitsanker. Wer als Betreiber sauberes Glücksspiel anbieten will, muss seine Algorithmen zur Erkennung auffälligen Spielverhaltens ständig schärfen, um nicht als Waschsalon für Kriminelle missbraucht zu werden.
Häufige Fragen
Wer ist Iban Juvanteny Gómez?
Iban Juvanteny Gómez ist der mutmaßliche Hintermann eines Schneeballsystems in Spanien, der zwischen 2012 und 2019 rund 15 Millionen Euro von über 200 Menschen unterschlagen hat. Er gab sich fälschlicherweise als Broker für Barclays aus, um Vertrauen bei seinen Opfern zu gewinnen. Die veruntreuten Gelder nutzte er größtenteils für exzessives Glücksspiel in britischen Online-Casinos.
Welche Anbieter müssen Geld zurückzahlen?
Laut Informationen aus dem britischen Parlament sind Betway, Gamesys, Platinum Gaming und der Betfred-Betreiber Petfre betroffen. Diese Unternehmen mussten insgesamt über 6,2 Millionen Britische Pfund zahlen, nachdem festgestellt wurde, dass kriminell erlangte Gelder über ihre Plattformen gewettet wurden. Die Zahlungen sind Teil von Vergleichen wegen regulatorischer Mängel.
Wie viel Geld erhalten die Opfer zurück?
Die Opfer des Betrugs können damit rechnen, etwa ein Drittel ihres verlorenen Geldes zurückzürhalten. Insgesamt wurden rund 6 Millionen Euro von den britischen Behörden an das Gericht in Girona überwiesen. Dies deckt einen Teil der geschätzten Gesamtschadenssumme von 15 Millionen Euro ab.
Warum hat die britische Glücksspielkommission eingegriffen?
Die UK Gambling Commission (UKGC) stellte fest, dass die beteiligten Betreiber ihre Pflichten zur Geldwäscheprävention massiv verletzt hatten. Es wurde versäumt, die Herkunft der Mittel des Spielers zu prüfen, obwohl dieser Millionenbeträge einsetzte. Die resultierenden Strafzahlungen wurden nun zur Entschädigung der Opfer in Spanien verwendet.
Sind solche Betrügereien in lizenzierten deutschen Casinos möglich?
In Deutschland ist das Risiko durch den Glücksspielstaatsvertrag 2021 und die Überwachung durch die GGL deutlich geringer. Durch das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat und die LUGAS-Zentraldatei würden solche enormen Summen sofort auffallen. Deutsche Spieler sind daher bei Anbietern auf der offiziellen Whitelist am besten vor den Folgen krimineller Machenschaften geschützt.
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Über die Autorin

Lisa Lustich
Chefredakteurin & Casino-Testerin
Lisa Lustich testet seit 1997 deutschsprachige Online-Casinos und leitet die Redaktion von Lustich.de. Über 400 veröffentlichte Reviews, zertifizierte Spielerschutz-Beraterin (BZgA-Schulung 2019).
Alle Artikel von Lisa Lustich →Quellen & weiterführende Links
- Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL): gluecksspiel-behoerde.de
- Whitelist erlaubter Online-Anbieter: GGL-Whitelist
- BZgA Spielsucht-Hotline: 0800 1 372 700 (kostenlos, anonym, 24/7)
- Redaktionelle Methodik: Redaktionsrichtlinien Lustich.de
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